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Von Compact bis Youtube Die Medien der Rechten

Pegida entstand aus einer Facebook-Gruppe, seit 2010 haben die Rechten mit „Compact“ ihr eigenes Hochglanzmagazin. Dazwischen tummeln sich Monatszeitschriften, Internetseiten und Youtube-Kanäle. Die Frankfurter Rundschau gibt einen Überblick über die wichtigsten Medien.

08.04.2016 10:00
Danijel Majic, Martín Steinhagen
Sowas wie der Shooting-Star der rechten Medien: Jürgen Elsässers Monatsmagazin Compact, hier im Großformat auf einer Pegida-Demonstration in München. Foto: imago

Das Monatsmagazin „Compact“ ist vielleicht so etwas wie der aufstrebende Star in der rechten Medienwelt. Nach eigenen Angaben verkauft es inzwischen mehr als 41 000 Exemplare. Das Blatt arbeitet sich gern an Merkel ab, deren Verhaftung auch schon mal auf dem Cover empfohlen wurde, und bedient sonst das inzwischen breite Spektrum zwischen AfD, Verschwörungstheorien und Deutschnationalen. Zusätzlich zum Hochglanzmagazin lädt Chefredakteur Jürgen Elsässer, ein ehemaliger Linksradikaler, auch zu Konferenzen ein und geht mit Internet-TV auf Sendung. In der Landtagswahlnacht interviewte er etwa den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt André Poggenburg für seinen Kanal – und ließ es sich nicht nehmen, mit ihm auf das Wahlergebnis anzustoßen.

Die sozialen Medien spielen für die Verbreitung rechter Ideologien eine zunehmend große Rolle. Pegida entstand aus einer Facebook-Gruppe; wenn Rechte gegen Flüchtlingsunterkünfte hetzen, planen sie ihre Demos ebenfalls auf Facebook, Hasskommentare nehmen zu. Auch Falschmeldungen finden rasante Verbreitung, weil Nutzer Inhalte leicht an ihre Freunde weitergeben können. Zudem ist so eine Facebook-Seite schneller eingerichtet als ein Blog und ermöglicht auch unerfahrenen Aktivisten, sich weltweit zu vernetzen und zu mobilisieren – sei es für einen Shitstorm im Netz oder einen Aufmarsch vorm nächsten Flüchtlingsheim.

PI-News kann für sich mit Recht in Anspruch nehmen, die „Mutter aller islamophoben Internetportale“ in Deutschland zu sein. Seit 2004 wird dort gegen Muslime gehetzt, zu Shitstorms aufgerufen und die Ideologie und Begriffe verbreitet, die heute Pegida-Demos prägen: von Islamisierung bis Gutmenschentum. Einträge der Seite, die sich selbst als „politcally incorrect“ sieht, verbreiten sich oft schnell in den sozialen Medien. Geworben wird für extrem rechte Gruppen wie die German Defence League oder die „Identitären“.

Die „Sezession“ erscheint alle zwei Monate in gedruckter Form und gilt als das Theorie- und Reflexionsorgan der „Neuen Rechten“. Herausgeber ist Götz Kubitschek, der zudem den Antaios-Verlag betreibt, der Literatur sowohl der Vordenker der Neuen Rechten als auch aktueller, demselben politischen Spektrum zuzuordnender Autoren veröffentlicht. Kubitschek gilt als prominentester Vertreter der Neuen Rechten hierzulande. Seine publizistische und politische Arbeit betreibt er zusammen mit seiner Frau Ellen Kositza vom Rittergut Schnellroda aus, wo auch regelmäßig Tagungen und Kongresse stattfinden. AfD-Rechtsaußen Björn Höcke hielt dort seinen berüchtigten Vortrag über die unterschiedlichen „Reproduktionstypen“ von Europäern und Afrikanern.

Die „Blaue Narzisse“, die 2004 als stadtweite Schülerzeitung für Chemnitz startete, ist ebenfalls dem Umfeld von Kubitschek zuzuordnen. Gründer Felix Menzel veröffentlicht im Antaios-Verlag und schreibt regelmäßig für die „Sezession“. Daneben betreibt er das Internetportal „Einwanderungskritik“. Menzel, der offen mit der neofaschistischen Casa-Pound-Bewegung in Italien sympathisiert, gilt zusammen mit seinen Koautoren Johannes Schüller und Martin Lichtmesz als einer der Vordenker der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Deutschland.

Einprozent.de vereint zentrale Akteure der Neuen Rechten. Mehr als ein weiteres Medienprojekt soll die Webseite den Grundstein für eine rechte Nichtregierungsorganisation legen. Das Ziel: ein Prozent der Deutschen gegen die Asylpolitik mobilisieren. An Bord sind Götz Kubitschek, Jürgen Elsässer, der neue AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider. Der Burschenschafter der Marburger Germania Philip Stein, der offenbar gute Kontakte zu den „Identitären“ unterhält, fungiert als Leiter. Zuletzt rief die Initiative zur Beobachtung der Landtagswahlen auf und schürte die Angst vor einem angeblichen gegen die AfD gerichteten Wahlbetrug in Sachsen-Anhalt.

Die „Junge Freiheit“ (JF) gilt als Leitmedium der deutschen Rechten und erfüllt laut Beobachtern eine wichtige „Scharnierfunktion“ zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus. Jahrelang prozessierte die JF gegen ihre Erwähnung im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht. 2005 gab ihr das Bundesverfassungsgericht recht. Das Wochenblatt hat eine verkaufte Auflage von 25 000 – Tendenz steigend. Fast alle Akteure der Neuen Rechten sind oder waren regelmäßige Autoren der JF. In dem bisher guten Verhältnis zwischen der Neuen Rechten und der JF deutet sich derzeit jedoch ein Bruch an. Während die JF klar Position für die AfD als neue konservative Partei bezieht und für eine klare Abgrenzung zu (nach eigener Definition) rechtsextremen Gruppen wirbt, verweigern sich Kubitschek und seine Anhänger einer solchen Abgrenzung.

Der Kopp-Verlag verspricht „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“ und hat deshalb von Esoterik und Ufologie bis hin zu Verschwörungstheorien und Anlagetipps allerlei Machwerke im Programm. Das Unternehmen aus Rottenburg am Neckar betreibt auch ein eigenes Webportal mit Nachrichten, eine Zeit lang moderierte dort die frühere „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman, die mit Äußerungen zum Nationalsozialismus für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Die Bücher von Ex-FAZ-Journalist Udo Ulfkotte gehören zu den erfolgreichen Kopp-Produkten, etwa sein Bestseller „Gekaufte Journalisten“.

RT Deutsch lässt sich zwar nicht eindeutig als ein rechtes Medium bezeichnen, doch es bietet eine Plattform für rechte Vorreiter wie den Ex-Radiomoderator und Querfrontaktivisten Ken Jebsen oder Jürgen Elsässer. Der russische Auslandsfernsehsender postet auf seinem deutschen YouTube-Kanal Beiträge, die angeblich eine Sicht „abseits des Mainstream“ zeigen. Pegida-Kundgebungen überträgt RT mitunter live. Auch manche Linke aus dem Verschwörungstheorienmilieu folgen RT.

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