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Diskussion zum FR-Buch Rechte Mythen entzaubern

Experten raten bei einer FR-Podiumsdiskussion, der AfD mit Fakten entgegenzutreten.

Diskussion zum FR-Buch
Katharina König-Preuss und Samuel Salzborn diskutieren. Foto: peter-juelich.com

In 20 bis 30 Jahren gibt es keine Deutschen mehr; den Flüchtlingen geht es finanziell besser als den Deutschen – solche Mythen hören Saba-Nur Cheema, Expertin für pädagogische Projekte bei der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, und Katharina König-Preuss, Landtagsabgeordnete der Linken in Thüringen, regelmäßig. Jugendliche und Erwachsene äußern sie, mal im Gespräch, mal am Telefon, mal per E-Mail. Und diese Vorurteile höre sie inzwischen viel häufiger als vor drei, vier Jahren, sagt König-Preuss.

Bei der Podiumsdiskussion zum FR-Buch „Die Mythen der Rechten“, zu der die FR und die Bildungsstätte ins Studierendenhaus der Goethe-Universität geladen hatten, wird am Donnerstagabend rasch klar, wie weit rechte Erzählungen, Halbwahrheiten, Lügen längst in den öffentlichen Diskurs eingesickert sind.

Bei diesen handele es sich zum Teil um Variationen alter rechtsextremer Legenden wie der vom drohenden „Volkstod“, sagt FR-Redakteur Martín Steinhagen, einer der Autoren des Buchs. Die „Identitären“ sprächen lieber vom „Großen Austausch“, „damit es sich nicht so abschreckend anhört“.

Die AfD nicht ignorieren 

Die Neue Rechte versuche, einen Kampf um die kulturelle Hegemonie zu führen, schleichend die gesellschaftliche Position nach rechts zu verschieben, sagt der Politologe Samuel Salzborn, Professor an der Universität Gießen. Und sie habe damit durchaus Erfolg. Salzborn verweist etwa auf Naturkatastrophen-Metaphern für Fluchtbewegungen nach Deutschland, die oft übernommen würden. Bewusst setze die Rechte abstruse Thesen in die Welt, provoziere und emotionalisiere, um dann scheinbar zurückzurudern. Doch die These bleibe in der Welt.

Wie soll man umgehen mit diesen Mythen, wie mit denen, die sie verbreiten, etwa der AfD, will Moderatorin Nadja Erb, stellvertretende Leiterin der FR-Politikredaktion, wissen. König-Preuss hält nichts davon, die AfD zu ignorieren. Damit lasse man diese nur in der von ihr gewünschten Opferrolle. Besser sei es, sie inhaltlich zu stellen, zu entlarven, worum es ihr gehe und was sie vorhabe. Dafür müsse man freilich sehr gut vorbereitet sein.

Gerade in der Jugendarbeit sei es wichtig, Diskussionen mit der AfD und über ihre Inhalte nicht zu verbieten, sagt Cheema. Stattdessen spreche man über deren Sprache und übe ein, wie Rassismus zu erkennen sei. Dieser freilich sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Helfen könne, dass von Rassismus betroffene Menschen inzwischen verstärkt selbst aktiv und wahrnehmbar seien.

Salzborn gibt auch den Medien, besonders den Fernsehsendern eine Mitschuld am Erfolg der AfD. Schon als diese nicht einmal in Landtagen vertreten war, seien ihre Vertreter dort regelmäßig zu sehen gewesen. Noch heute sieht der Politologe „keine logische Notwendigkeit, in bundespolitischen Talkshows mit der AfD zu diskutieren“. Auch von Zeitungsjournalisten wünscht er sich einen anderen Umgang mit der AfD. Ein Großteil der Berichte sei letztlich Werbung, transportiere nur Parolen und Inhalte der Partei, behauptet er. Besser sei es etwa, lokale Politiker der AfD nach Rechtsextremisten und Rassisten in ihrer Partei zu fragen.

FR-Redakteur Steinhagen räumt ein, dass die Eskalationsstrategie der AfD Redaktionen durchaus in ein Dilemma bringe. Er rät, auch bewusst gesetzte Provokationen zu dokumentieren, aber zugleich die Strategie, die die Partei mit diesen verfolge, transparent zu machen.

Deutlich wird an diesem Abend, wie schwierig es ist, Menschen von der Unwahrheit bestimmter rechter Behauptungen zu überzeugen. Auch mit Faktenchecks habe man es nicht leicht, sagt Cheema. Mancher halte schon Behördenmeldungen für „Lügenpresse“.

König-Preuss rät trotzdem, sich die Arbeit zu machen, rechten Aussagen Fakten entgegenzuhalten. Man müsse versuchen, die Mitläufer zurückzuholen, sagt sie. Doch derzeit halte keine Partei dem Druck von rechts entschieden entgegen. Klar distanziert sich König-Preuss von Äußerungen der Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht, die vor einer Ausgrenzung der AfD im neuen Bundestag warnt. Die Thüringerin sagt: „Ich würde niemals einen AfD-Politiker wählen.“

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