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Köthen „Der Alltag ist noch nicht zurückgekehrt“

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild darüber, warum auch viele Köthener beim Trauermarsch der Rechten mitgelaufen sind und wie er die Situation in der Stadt unter Kontrolle halten will.

Tödlicher Streit in Köthen
Bernd Hauschild, Oberbürgermeister von Köthen. Foto: dpa

Nach dem Tod eines jungen Deutschen und der Festnahme zweier verdächtiger Afghanen  in Köthen haben rechte Gruppierungen am Sonntagabend zu einem Trauermarsch aufgerufen. Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) darüber, warum dort auch viele Köthener mitgelaufen sind, wie er die Situation in der Stadt unter Kontrolle halten will und was er mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vereinbart hat.

Herr Hauschild, wie ist die Stimmung in der Stadt?
Der Alltag ist an diesem Montag noch nicht zurückgekehrt, das habe ich ganz deutlich in den vielen Gesprächen gespürt, die ich seit Sonntag geführt habe. Es herrschen zum einen Bedrücktheit und Trauer. Zum anderen gibt es jedoch auch Wut und Verärgerung darüber, was hier am Sonntagabend passiert ist, nämlich dass einige den traurigen Vorfall in Köthen für ihre Themen missbrauchen. 

Sie haben als Oberbürgermeister dazu aufgerufen, nicht an dem sogenannten Trauermarsch teilzunehmen, zu dem mehrere rechte Gruppe aufgerufen haben.  Warum sind trotz ihres Appells 2.500 Menschen gekommen?
Ich habe die Menschen in Köthen aufgefordert, nicht an dem sogenannten Trauermarsch teilzunehmen, weil ich Hinweise bekommen habe, dass eine große Zahl gewaltbereiter Personen auf den Weg nach Köthen war. Daher wollte ich die Bürgerinnen und Bürger schützen. Leider haben das einige Menschen in Köthen als Bevormundung aufgefasst.

Das heißt, es standen auch viele Köthener dabei, als ein Redner vom „Rassenkrieg gegen das deutsche Volk“ gesprochen?
Ja, das war leider so. Ich finde es traurig, dass auch viele Köthener da geklatscht haben. Und um es gleich ganz klar zu sagen: Mich persönlich haben die Aussagen schockiert.  

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat am Montag von 400 bis 500 Neonazis gesprochen, die vor Ort waren.  Kamen die alle von außerhalb oder gibt es auch in Köthen rechte Strukturen?
Wenn es solche Strukturen auch hier geben sollte, dann sind die Akteure bisher  nicht auffällig geworden.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Ist der Polizeieinsatz gut gelaufen?
Ich halte die starke Präsenz für gerechtfertigt. Und da es keine größeren Zusammenstöße gegeben  hat, bin ich auch zufrieden mit dem  Polizeieinsatz.

Hätten  Sie sich gewünscht, dass auch  Ministerpräsident Reiner  Haseloff  oder Innenminister Stahlknecht (beide CDU) nach Köthen  kommen, um mit einem Besuch ein Zeichen zu setzen?
Nein, es war nicht nötig, dass der Ministerpräsident  kommt. Wir haben am Montag noch einmal telefoniert  und  er hat mir versichert, dass die Stadt Köthen jederzeit auf die Unterstützung der Landesregierung zählen kann.

Ministerpräsident Haseloff hat auch gesagt, die Politik solle den traurigen Anlass nicht instrumentalisieren. Ist das nicht schon geschehen?
Ich sage es einmal so: Zumindest ist von den politischen Parteien bisher noch keine auf diesen Zug aufgesprungen und hat das Wort ergriffen.

Wie hat sich die AfD verhalten?
Ich habe die Kirche, aber auch die politischen Parteien und Vertreter von Vereinen und Initiativen zu einem Tisch der Demokratie eingeladen. Da ist auch der Köthener AfD-Landtagsabgeordnete Hannes Loth erschienen.

Und hat was gesagt?
Nun, ich habe ihn gefragt, ob er auch die Demokratie stärken wolle. Da hat er „Ja“ gesagt, zu dem Zweck sei er gekommen. Das habe ich zur Kenntnis genommen und ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt auch keinem die Tür verschließen.

Was wollen Sie mit dem Tisch der Demokratie bezwecken, was haben Sie geplant?
Wir treffen uns Montag- und Dienstagabend, um die jeweiligen Tage auszuwerten.  Jeder Akteur verfügt dabei über ein eigenes Netzwerk, so dass die Informationen schnell nach außen getragen werden können. An beiden Tagen sind  zudem weitere Gottesdienste geplant.

Planen Sie selbst auch eigene Demonstrationen in der Stadt?
Nein, wir haben uns dagegen entschieden, das würde nur wieder Leute von außen anziehen.

Welche Botschaft haben Sie für die vielen ausländischen Studenten, die an der Hochschule Anhalt studieren?
Zunächst einmal nimmt auch der Präsident der Hochschule am Tisch der Demokratie teil und ist über alles informiert.  Wir haben zudem die Polizei  darüber informiert, wo die ausländischen Studenten wohnen. Ansonsten  sollen die ausländischen Studenten wissen, dass wir alles dafür tun werden, dass sie sich in Köthen weiterhin wohl und sicher fühlen und die Stadt eine farbenfrohe und bunte bleibt.

Interview: Christian Schafmeister

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