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„Kampf der Nibelungen“ Eine Mischung aus Nazis, Rockern und Hooligans

Neonazis trainieren bei organisierten Prügelorgien für den erhofften „Endkampf der Kulturen“. Ein paar von ihnen verdienen dabei auch prächtig.

„Der Burgundenuntergang“
„Der Burgundenuntergang“ im Nibelungenlied. Farbdruck aus „Urväterhort, Die Heldensagen der Germanen“ von 1904. Foto: dpa

Einer davon ist der Moskauer Neonazi, Hooligan und Kampfsportler Denis Nikitin. Seine Bekleidungsfirma „White Rex“ gehörte neben „Pride France II“ zu den Sponsoren der Nibelungen-Kämpfe im Sauerland. Nikitin soll im Oktober auch selbst nach Kirchhundem gereist sein, um das Marketing vor Ort zu steuern und seine Netzwerke zu pflegen.

Der Moskauer hat sich in den vergangenen Jahren vor allem in der rechten Szene von NRW einen Namen gemacht. In dem Bundesland soll er auch lange gelebt und dort die deutsche Sprache erlernt haben. Laut Verfassungsschutz ist er eng mit Neonazi-Kadern vernetzt und pflegt Verbindungen zur NPD. „Deutsche Neonazis orientieren sich an Osteuropa, weil sie in autokratischen Ländern wie Polen und Russland ihre nationalistischen Selbstinszenierungen nahezu ungestört ausleben können“, sagt Extremismus-Forscher Häusler.

Ultras in der ersten Reihe

Eines der wirtschaftlich wichtigsten Aktionsfelder für Nikitin aber ist der Fußball. In der gewaltbereiten Moskauer Szene ist er seit vielen Jahren eine Größe. Aber auch bei Hooligan- und Ultra-Gruppen des 1. FC Köln und von Borussia Dortmund ist er inzwischen etabliert. „Er ist in dieser Szene eine wichtige Netzwerkfigur“, bestätigt Robert Claus, Experte für Rechtsextremismus im Fußball. „Diese Gruppen sind für ihn nicht nur ideologisch, sondern auch wirtschaftlich interessant. Die Szene ist für ihn auch ein Absatzmarkt.“

Ultra-Gruppen vom 1. FC Köln und BVB

Nikitin selbst beschreibt das so: „Mit den Jungs aus Köln und Dortmund ist eine echte Männerfreundschaft entstanden. Uns verbinden die nationalistischen Ideen“, sagt er in einem Interview mit der ukrainischen Website „troublemakers“ Anfang des Jahres. Die Allianz der „Ackertruppen“ von BVB und FC ist angeblich bundesweit gefürchtet. „Sie sind inzwischen so mächtig, dass sich ihnen kaum noch jemand in den Weg zu stellen wagt“ – so war es noch im Sommer aus der Fan-Szene zu hören. Inzwischen soll es etwas ruhiger geworden sein.

Kämpfer und Unternehmer Nikitin mischt gerne auch selbst mit. Bei der Randale am Rande des Testspiels von Köln gegen Schalke 04 im Januar 2014 auf dem Kölner Rudolfplatz prügelte er neben Mitgliedern der Ultragruppierungen „Boyz“ und „Desperados“ angeblich in vorderster Reihe. „Es war ein geiler Tag. Die Schalker wollten selbst nicht auf den Acker, sondern wie früher in der Stadt kämpfen“, erinnert sich Nikitin in dem Interview.

Fußball spielt bei den Treffen abseits der Stadien aber offenbar keine Rolle mehr. „Die deutschen Gruppen haben sich längst von den Mannschaften abgenabelt und machen ihr eigenes Ding“, sagte Nikitin in dem Gespräch. „Sogar in Köln ist das Verständnis so, dass wir nicht für den Verein, sondern für unsere und die Dortmunder Jungs kämpfen. Wir kämpfen für unsere Stadt, unsere Region.“

Auch in Nikitins Freundesliste auf Facebook finden sich zahlreiche Kölner. Die Kontakte offenbaren seine Verbindungen ins Milieu: Türsteher und Szenegrößen wie der Inhaber der Kneipe „Grünes Eck“, Treffpunkt von Rockern und rechten FC-Fans am Friesenwall.

Nikitin arbeite daran, den KND auch in Deutschland zu professionalisieren, sagt Experte Claus. In Russland strömen inzwischen mehrere Tausend Menschen in die Hallen, um sich die Prügeleien der Neonazis anzuschauen. Ärger mit den Behörden habe er dort nun auch nicht mehr. „Irgendwann haben die aufgehört, uns zu jagen.“

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