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„Combat 18“ Hessischer Neonazi zu Geldstrafe verurteilt

Weil er illegal Munition nach Deutschland gebracht hat, ist der hessische Neonazi Stanley R. zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein weiterer Verdächtiger wird jetzt per Haftbefehl gesucht. Die Behörden zählen sie zur militanten Gruppe „Combat 18“.

„Combat 18“
„Combat 18“-Schriftzüge bei einer extrem rechten Demo im Mai 2009 in Mainz. Foto: peter-juelich.com

Der hessische Neonazi Stanley R. aus Kaufungen bei Kassel ist am Dienstag wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht im bayrischen Hof sah es nach Angaben eines Gerichtssprechers als erwiesen an, dass R. nach einer Schießübung militanter Neonazis in Tschechien zwei Patronen illegal nach Deutschland eingeführt hatte. Ende September waren im bayrischen Grenzort Schirnding zwölf Neonazis kontrolliert worden, die zuvor den Umgang mit Schusswaffen trainiert hatten. Die Rechtsextremen sollen Bezüge zur Neonazi-Gruppierung „Combat 18“ haben. Erst Anfang März hatte das hessische Innenministerium mitgeteilt, dass auch in Hessen Mitglieder der Gruppe wohnen, die sich als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“ versteht.

Ein weiterer Angeklagter, Tobias V. aus dem nordhessischen Homberg an der Efze, war am Dienstag nicht vor dem Amtsgericht Hof erschienen. Ihm wird die Einfuhr von 25 Schuss Munition vorgeworden. Der Mann werde nun per Haftbefehl gesucht, so der Gerichtssprecher.

Zusammenhang mit den NSU-Ermittlungen

Stanley R. ist kein Unbekannter, sondern seit Jahren in der militanten Neonazi-Szene aktiv und mit führenden Akteuren in Deutschland vernetzt. Die Behörden rechnen ihn zu den Anführern von „Combat 18“ in Deutschland. Das sagte der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, im Juni 2016 vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtages aus. Man beobachte die Gruppe gemeinsam mit den Inlandsgeheimdiensten anderer Länder, darunter auch Hessen, hieß es damals.

Vor einigen Jahren war R. nach FR-Recherchen führend im Kasseler Teil der „Oidoxie Streetfighting-Crew“ aktiv, einer Gruppe gewalttätiger Neonazis, die sich um die radikale Rechtsrock-Band „Oidoxie“ aus Dortmund scharte. Die Band wirbt mit Liedern ganz offen für das Terrorkonzept von „Combat 18“. Auch im Zusammenhang mit den NSU-Ermittlungen taucht der Name von Stanley R. auf. Das Bundeskriminalamt (BKA) befragte ihn 2012, weil Zeugen ausgesagt hatten, dass die damals untergetauchten NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu einem Konzert anlässlich seines 30. Geburtstag nach Kassel gekommen waren - kurz vor dem Mord an Halit Yozgat in der Stadt am 6. April 2006. Bestätigt sind entsprechende Aussagen aus der Szene aber nicht. R. stritt im BKA-Verhör ab, etwas vom NSU gewusst zu haben, wie aus Ermittlungsakten hervorgeht. Als die FR ihn 2015 mit den Aussagen seiner ehemaligen Mitrstreiter konfrontierte, wollte er sich dazu nicht äußern.

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