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Christen in der AfD „Die Kirchen müssen das konkrete Gespräch suchen“

Autorin Liane Bednarz über den schmalen Grat zwischen Haltung und Ausgrenzung.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx will sich Gesprächen mit AfD-nahen Christen nicht verweigern. Foto: afp

Frau Bednarz, Christen, die sich bei der AfD heimisch fühlen, sehen darüber hinweg, dass die Kirchen über Flüchtlinge und Islam, Nationalismus und Abschottung, Klima und Europa ganz anders denken als die Partei ihrer Wahl. Hören sie nicht auf das, was ihre Kirchenvertreter predigen?
AfD-nahe Christen sind in der Regel besonders fromme Kirchgänger. In ihren politischen Vorstellungen lassen sie sich jedoch von den zumeist anders denkenden Kirchenvertretern selten beeindrucken. Vielmehr stößt man in diesem Milieu häufig auf Kritik an den politischen Haltungen der beiden Großkirchen.

Die Kirchen haben vor der Bundestagswahl sogar vor der AfD gewarnt und damit gezeigt, dass die Themen, die AfD-nahe Christen vor allem interessieren, nicht die allein entscheidenden sein können. Inwiefern fühlen sich die dann noch in ihren Kirchen heimisch?
Kirchliche Kritik an der AfD löst unter AfD-nahen Christen naturgemäß Unverständnis und oft auch Empörung aus. Insoweit gibt es inzwischen einen regelrechten Graben. In den Kommentarspalten des Internets und den sozialen Medien findet sich unter AfD-Sympathisanten bisweilen eine rabiate Kritik an den Amtskirchen und ihren Vertretern, die im typisch rechten Sound etwa als „linksgrün-versifft“ bezeichnet werden.

Welche Rolle spielen diese digitalen Gegenwelten für AfD-nahe Christen mit Blick auf ihr politisches Bekenntnis?
Die digitalen Gegenwelten spielen bei der Verbreitung rechten Gedankenguts generell und damit auch unter rechtskonservativen Christen eine große Rolle. Hier können Gleichgesinnte sich leicht zusammenfinden und wechselseitig in ihrem Weltbild bestätigen.
Müssten die Kirchen da nicht entschiedenere Bekenntnisse von ihren Mitgliedern verlangen – frei nach dem Motto: AfD oder Kirche?
Das dürfte eher kontraproduktiv sein und die unter AfD-affinen Christen ohnehin vorherrschende Wagenburgmentalität noch verstärken. Besser ist es, das konkrete Gespräch auf lokaler Ebene zu suchen und Überzeugungsarbeit zu leisten, so mühsam das auch sein mag.

Bislang kam es nur auf dem Evangelischen Kirchentag zu einem offiziellen Gespräch zwischen namhaften AfD- und Kirchenvertretern. Der Passauer Bischof Stefan Oster sagt jetzt, das Verhältnis zwischen AfD und Amtskirchen werde sich „in jedem Fall entkrampfen“. Welcher Zukunft redet er da das Wort?
Bischof Oster hat in dem Zusammenhang beklagt, dass seit der Bundestagswahl versucht werde, sich „auch durch Abgrenzung (zu profilieren)“. Er müsse jedoch „mit jedem Menschen sprechen können“. Insoweit würde ich ihm aus den oben genannten Gründen zustimmen. Jedoch ist zwischen dem Gespräch mit AfD-nahen Christen und der Haltung gegenüber der AfD als solcher zu differenzieren.

Was heißt das denn in der Praxis?
Die Kirchen müssen auch weiterhin eine klare Haltung gegenüber demjenigen AfD-Gedankengut zeigen, das nicht zum christlichen Menschenbild passt. Insofern ist eine „Entkrampfung“ gerade nicht angezeigt, zumal die AfD insgesamt keine Anstalten macht, sich zu deradikalisieren. Im Gegenteil. Der Flügel rund um Björn Höcke wird innerparteilich immer einflussreicher. Insofern hinkt auch Bischof Osters im selben Zusammenhang aufgestellter Vergleich zu den Grünen, die heute „voll etabliert in der Mitte der politischen Gesellschaft angekommen“ seien. Dafür sehe ich bei der AfD derzeit keine Anhaltspunkte.

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