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Rechtsextremismus Aufklärung läuft nur im Ehrenamt

Das „Netzwerk für Demokratie und Courage“ schickt Ehrenamtliche in hessische Schulklassen, um Diskriminierung im Alltag sichtbar zu machen. Doch das Geld für solche Initiativen ist in Hessen knapp.

In Schulklassen wird über Migration, Rassismus und Ausgrenzung diskutiert. Foto: Imago

"Ich weiß jetzt viel besser, was ich konkret gegen Diskriminierung tun kann.“ Diesen Satz hört Stefan Salewski am liebsten von den Schülern, mit denen er arbeitet. Der 29-jährige Lehramtsstudent ist einer von rund 50 Studierenden und anderen jungen Menschen, die ehrenamtlich in hessische Schulklassen gehen, um über Migration, Rassismus und Ausgrenzung zu diskutieren – und auch über Neonazis. Rund 150 solcher Projekttage setzt das „Netzwerk für Demokratie und Courage“ (NDC) jedes Jahr um, manchmal auch mit Lehrern oder Sozialarbeitern.

Die Arbeit des NDC funktioniere vor allem deshalb gut, „weil wir an die Lebenswelt der Schüler andocken und viel Raum für Diskussionen geben“, sagt Salewski. Die Teamer, die in die Klassen gingen, seien außerdem gut geschult und würden ständig fortgebildet. Letztlich sei das Ziel, Schüler wie Teamer „für Diskriminierung im Alltag zu sensibilisieren“ und ihre Lust auf politisches Engagement zu stärken.

Geld ist knapp

Finanziert wird die Arbeit des NDC vor allem von der DGB-Jugend und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Geld sei aber immer knapp, sagt Salewski. Gerne würden er und seine Mitstreiter mehr Projekttage anbieten, die NDC-Kollegen in Rheinland-Pfalz könnten sich zum Beispiel „ein größeres Projekt-Angebot leisten“. In Hessen müsse die Arbeit über eine halbe bezahlte Stelle koordiniert werden, Geld vom Bund oder vom Land Hessen gebe es keins. „Wir wurden die letzten Jahre wohl nicht für förderungswürdig gehalten“, sagt Salewski. Immerhin seien viele Schulen bereit, für die Projekttage etwas zu bezahlen.

Wie es generell mit der Finanzierung von Initiativen gegen rechts weitergeht, ist in Hessen offen. Die Förderrichtlinien des neuen Bundesprogramms „Demokratie leben“ liegen noch nicht vor, ein im schwarz-grünen Koalitionsvertrag angekündigtes hessisches Landesprogramm ist noch in der Planung. Er hoffe, dass in der Förderung vom Bund endlich die „Modellprojektitis“ aufhöre und auch das Land mehr Geld gebe, sagt Reiner Becker, Koordinator des „Beratungsnetzwerkes Hessen“. Das Netzwerk ist eine Art Dach für verschiedene Träger in der Präventionsarbeit. Insgesamt müsse es gerade für kleine Initiativen leichter gemacht werden, Geld zu beantragen, so Becker. Mit mehr Geld könne dann endlich auch eine hessenweite Beratung für Opfer angeboten werden – die gibt es bis heute nicht.

www.netzwerk-courage.de

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