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Rechter Terror Neonazi-Band bedroht Politikerin

Ein Hass-Song soll die thüringische Linken-Abgeordnete Katharina König einschüchtern. Die Band bezieht sich auf das verbotenen Nazi-Netzwerk „Blood and Honour“.

Im Fokus einer Neonaziband: Die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König (Die Linke) wird in einem Song einer rechtsextremen Band bedroht Foto: Die Linke im Thüringer Landtag

Das Landeskriminalamt Thüringen ermittelt gegen eine Neonazi-Band, die in einem Lied die Landtagsabgeordnete Katharina König von der Linkspartei mit dem Tode bedroht. Derzeit werden die Ermittlungen noch „gegen unbekannt“ geführt, sagte eine Sprecherin des LKA der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Die Band trägt den Namen „Erschießungskommando“ und bezieht sich mit ihrer Musik auch auf das in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerk „Blood and Honour“. Die Landesmedienstelle sei zwecks einer möglichen Indizierung eingeschaltet, sagte die Polizeisprecherin.

Am Freitag hatte das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft aus Thüringen auf den Song aufmerksam gemacht, der online verbreitet wird. Man habe die Betroffenen informiert, teilte das Institut mit. Beim Online-Videodienst YouTube ist der Song inzwischen gesperrt, andere Lieder der Band sind aber weiterhin abzurufen.

Der fragliche Song, der der FR vorliegt, enthält in Bezug auf Katharina König unter anderem die Zeile „Du wirst grausam sterben, das ist nicht die Frage“. König ist Obfrau im thüringischen NSU-Untersuchungsausschuss. Dem rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ werden zehn Morde zugeschrieben. Ein Album der Band „Erschießungskommando“, die nach Angaben der thüringischen Linksfraktion aus der Schweiz stammt, trägt den Namen „Blut und Ehre“. In dem internationalen Netzwerk „Blood and Honour“ waren auch Unterstützer des NSU aktiv.

In dem Song wird zudem über einen Mord an dem Vater der Landtagsabgeordneten fantasiert: Der Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König engagiert sich seit Jahren gegen Neonazis.

„Diese Sprache ist die Sprache des Rechtsterrorismus“, sagte Matthias Quent, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft. „Vor fünf Jahren sorgte das öffentliche Bekanntwerden der Existenz rechtsterroristischer Strukturen in Deutschland (…) für großes Entsetzen, für Empörung und Unverständnis. Daraus folgt die Verantwortung aller, die aktuellen existierenden rechten Gewalt- und Terrorgruppen als Bedrohung für das Leben von Menschen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ernst zu nehmen.“

Die Linksfraktion im Thüringer Landtag hat aufgrund des Liedes Anzeige erstattet. „Solche Hetze entsetzt uns, wir lassen uns aber nicht einschüchtern. Katharina König mit ihrem Engagement als Sprecherin für Antifaschismus und als Mitglied im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss gilt die volle Solidarität der Fraktion. Wir werden alles dafür tun, dass sie ungehindert ihre wichtige Arbeit tun kann“, teilte Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow mit. „Wenn Menschen aus rassistischen, antisemitischen oder neonazistischen Motiven bedroht werden, sind alle gefordert, dagegen den Mund aufzumachen und aktiv zu werden – egal, gegen wen sich die Drohungen richten.“

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