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Rastatt – Baden-Baden & retour Ein Höllentrip im Selbstversuch

Wie fühlt es sich an, von Frankfurt nach Basel über die Rheintalstrecke zu fahren? FR-Redakteur Peter Rutkowski hat es ausprobiert.

Bahn
Die Hinfahrt beginnt so souverän und geschmeidig, wie es nur die deutsche Bahnaktiengesellschaft kann. Foto: rtr

Reisecenter FFM-Hbf: Sie wollen nach Basel. So isses. Und zurück. Jau. Sie wissen … Aber ja - zwischen Rastatt und Baden-Baden ist nix mit im ICE die Beine lang machen. Und Sie wollen trotzdem? Aber hallo; hab’ mit meinem Patenkind in Basel seit zwei Monaten nicht mehr gespielt, dafür fahr’ ich auch mit dem Bus zwischen Rastatt und Baden-Baden hin und her. Na denn …

Die Hinfahrt beginnt so souverän und geschmeidig, wie es nur die deutsche Bahnaktiengesellschaft kann. Also mit fünf Minuten Verspätung, aus denen mir nix, dir nix zehn werden. Ist aber wurscht, weil ja in Rastatt der SEV (der verbusste Schienen-Ersatzverkehr) eh wartet. Und die schlappe Stunde von Baden-Baden nach Basel überlebt man im IC auch. Also: locker machen.

Ich bin aber ganz offenbar der einzige, der so denkt, unter den sagen wir mal 350 Reisenden. Irgendwie ist dieser Zug nervös, also die zu bewegende Masse Mensch; vielleicht bin das aber auch ich, der sich bloß sehr oberflächlich locker macht.

Auf einem AfD-Parteitag geht’s kaum anders zu

Quatsch. Ich weiß, ich werde ankommen. Die anderen aber verlieren allen Glauben daran, als sie in Rastatt per Durchsagen und Richtungstafeln zum Bahnhofsvorplatz geleitet werden, wo x ( = echt genug) Busse sich drängeln. Während die Zugbegleiterinnen abseits cool zusammenglucken auf eine Zigarettenlänge, gebärdet sich der bundesdeutsche Durchschnitt am Trottoirrand, als sei er auf der Titanic: Frau, Kinder? Kenn ich nich’! Ich will in den Bus! Ich muss in diesen Bus! Aus dem Weg! Me first!

Ich lasse zwei Busladungen potenzieller deutscher Trump-Wähler samt ihrer überkochenden Gemüter ziehen und geselle mich zu den fatalistischen Übriggebliebenen. Ein wenig befremdlich wird es nur, als auf der Fahrt ein Stadtschild „Baden-Oos“ auftaucht. Da kann doch nicht der Hauptbahnhof von Baden-Baden sein, oder? Und wir sollten doch höchstens ’ne halbe Stunde unterwegs sein. Ich Ungläubiger! Plötzlich ist der Bahnhof da, alles raus, alles rein in den bereitstehenden IC, alles gut.

Auch die Retourkutscherei verspricht, nur gut zu werden. Bis Baden-Baden. Dort nützt es nichts, dass vier absolut professionelle Bahnleute (mit wohl verkehrspolizeilicher Expertise) den Passagierstrom so elegant wie bestimmt von Zug zu Bus dirigieren. Eine hysterische Egomanin, die unbedingt jetzt und sofort ganz nach vorne muss, reicht aus, um eine halbe Stampede auf dem Bahnhofsvorplatz auszulösen. Auf einem AfD-Parteitag geht es wohl kaum anders zu. Außer, dass es dort keinen ICE gibt, der mich mit 200ebbes Sachen in die Zivilisation zurückträgt.

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