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Rassismus in Ostdeutschland Rechte Einstellungen gehen zurück

Eine Studie in Sachsen-Anhalt widerspricht der Ebert-Stiftung. Demnach sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen in diesem Bundesland weiter auf dem Rückzug.

21.11.2012 18:48
Hendrik Kranert-Rydzy
Nazischmierereien an einer Häuserwand in Mansfeld im Südharz. Foto: mz

Eine Studie in Sachsen-Anhalt widerspricht der Ebert-Stiftung. Demnach sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen in diesem Bundesland weiter auf dem Rückzug.

Weiter auseinander können Studien wohl kaum liegen: Während die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in der vergangenen Woche zu dem Schluss kam, jeder sechste Ostdeutsche habe ein „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“, kommt der am Mittwoch in Magdeburg vorgestellte Sachsen-Anhalt-Monitor zu einem völlig gegenteiligen Ergebnis. Danach sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen in Sachsen-Anhalt gegenüber dem Monitor vor zwei Jahren weiter auf dem Rückzug.

Aber keine Entwarnung

„Fremdenfeindliche Einstellungen liegen deutlich unter der Zehn-Prozent-Marke“, sagte Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD). Zugleich betonte er, es könne keine Entwarnung gegeben werden. Nach wie vor gebe es kleine rechtsextreme und auch gewaltbereite Gruppen, die gefährlich seien, sagte Dorgerloh mit Blick auf die Prügelattacke auf einen chinesischen Studenten in Köthen am Sonntag.

Besonders erfreulich sei, dass ausländerfeindliche Einstellungen vor allem bei den 18- bis 24-Jährigen im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen die geringste Zustimmung fänden. Vor zwei Jahren war dies noch die Altersgruppe mit dem höchsten Anteil. „Unsere Arbeit in den Schulen greift ganz offensichtlich“, sagte Dorgerloh.

Der Leiter der im Auftrag der Landesregierung erarbeiteten Studie, der Politologe Everhard Holtmann von der Martin-Luther-Universität Halle, sprach von einer „Trendumkehr“, verwies aber auch darauf, dass nun die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen den höchsten Zuwachs bei fremdenfeindlichen Einstellungen aufweise. Offenbar habe diese Gruppe ihre Ressentiments nicht ablegen können.

Vertrauen in die Demokratie wächst

Gleichzeitig ist das Vertrauen der Sachsen-Anhaltiner in die Demokratie als beste Staatsform weiter gewachsen: Immerhin 61 Prozent aller Befragten sehen in der Demokratie die beste Staatsform; acht Prozent lehnen sie eher oder vollends ab. Elf Prozent halten hingegen eine Diktatur in Notzeiten für eher oder sogar generell besser als Staatsform geeignet. „Die Zustimmung zur Demokratie in Sachsen-Anhalt ist hoch, aber nicht alle sind überzeugte Demokraten“, resümierte Dorgerloh. Das zeigt sich auch in der Feststellung eines Viertels aller Befragten, dass Moscheen nicht in deutsche Städte gehörten.

Die deutlichen Widersprüche zwischen der Studie der Ebert-Stiftung und dem Monitor erklärte Holtmann mit der weitaus besseren Datenbasis: Für die Ebert-Studie waren deutschlandweit 2500 Menschen befragt worden, davon knapp 490 im Osten. Für Sachsen-Anhalt macht das etwa 80 Befragte. „Wir haben ein genaueres Bild in der Fläche“, so Holtmann. Im Vergleich dazu wurden für den Sachsen-Anhalt-Monitor 1?250 Sachsen-Anhaltiner befragt, wobei die Gruppe der Jüngeren absichtlich überproportional vertreten ist. Bei der Ebert-Studie seien hingegen vor allem Rentner und Arbeitslose befragt worden.

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