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Rainer Wendt Der Stehauf-Populist

Rainer Wendt galt als diskreditiert, aber teilt weiter aus - ein Porträt.

Rainer Wendt
Rainer Wendt, Chef der kleineren deutschen Polizeigewerkschaft, DPolG legt immer noch einen drauf. Foto: imago

Mit flatternden Hemden tanzen zwei Polizisten, dahinter singen Streifenbeamte im Chor mit, als ganz vorn Jan Böhmermann zum Refrain ansetzt: „Rainer Wendt, du bist kein echter Polizist“, singt der Satiriker und Polizistensohn, „weil du dir selbst der nächste bist.“ Das Musikvideo ist ein Internet-Hit – und wohl die langlebigste Folge der Gehaltsaffäre, die im vorigen Frühjahr eben jenen Rainer Wendt fast den Job gekostet hätte – jedenfalls den, den er tatsächlich ausgeübt hatte: als Chef der kleinen Polizei-Gewerkschaft DPolG, 94 000 Mitglieder.

Rufe nach härteren Strafen und null Toleranz

Die Affäre drehte sich um zwei weitere Jobs, einen für rund 150 000 Euro im Aufsichtsrat der Axa-Versicherung und einen als Polizist, für den Nordrhein-Westfalen ihm jahrelang Beamtensold zahlte, obwohl er längst nicht mehr dort arbeitete. Als das bekannt wurde, bestritt es Wendt, um später zuzugeben, „nicht die ganze Wahrheit“ gesagt zu haben – weshalb Böhmermann reimte: „Du forderst Rechtsstaat und Moral, aber beides ist dir selber scheißegal.“

Tatsächlich hatte Wendt sich zuvor ja gerade dadurch profiliert, stets besonders laut nach Recht und Ordnung, härteren Strafen und null Toleranz zu rufen. Im eigenen Fall gab er nur seinen Beamtenjob auf, zog den Kopf ein – und meldet sich nun zurück, als sei nichts gewesen. Erst im November sind die Untreue-Ermittlungen eingestellt worden, weil kein Vorsatz nachzuweisen sei. Noch im Dezember schrieb „Die Zeit“, dass Wendt zurück in die Öffentlichkeit wolle – aber gemäßigt und ohne jedes rechtspopulistische Vorurteil zu bedienen. Nun reichte schon die Silvesternacht, um das zu widerlegen.

Dass Polizisten mit Böllern angegriffen wurden, verurteilten viele Politiker und Verbandsleute. Wendt jedoch sprach in der „Welt“ von Attacken mit „lebensbedrohlichem Ausmaß“. Und weil er den Ruf zu verteidigen hat, auf jedes bereits kursierende Statement einen draufzusetzen, überbot er sich selbst, als danach die „Rhein-Neckar-Zeitung“ anrief: Da waren die Böller-Angriffe für Wendt dann schon „Tötungsversuche“.

Kurz vor dem Jahreswechsel machte er sogar international Schlagzeilen: Die Berliner Polizei hatte den Veranstaltern der Silvesterparty am Brandenburger Tor empfohlen, im Sanitätszelt nicht nur Verletzte zu behandeln, sondern auch eine Anlaufstelle für Frauen zu bieten, die sich belästigt fühlen – ein 14 Jahre altes Konzept des Münchner Oktoberfestes. Wendt sprach vom „Ende von Gleichberechtigung, Freizügigkeit und Selbstbestimmtheit“, weil man suggeriere, dass Frauen außerhalb des Rot-Kreuz-Zelts unsicher seien. So hatte sich bereits die AfD geäußert, die sofort die Verbindung zu ausländischen „Männerhorden“ gezogen hatte.

Tatsächlich brachte Wendts Kurs, rassistische Vorfälle bei der Polizei kleinzureden und Rechtsaußen-Blätter wie „Compact“ oder „Junge Freiheit“ mit Interviews zu versorgen, ihm längst nicht nur Kritik von Linken. Sogar die größere Gewerkschaft der Polizei, GdP (170 000 Mitglieder), warf ihm bereits „faktenfreien Populismus“ vor. Für die Kollegen habe er „nichts, aber auch gar nichts erreicht“. Kürzlich protestierten Wissenschaftler der Frankfurter Universität gegen einen geplanten Auftritt Wendts an der Hochschule. Mag also sein, dass der sich für 2018 vorgenommen hatte, sachlicher zu werden. Es wäre nicht der erste, aber wohl einer der am schnellsten gebrochenen Neujahrs-Vorsätze.

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