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Rainer Wagner Chef der DDR-Opferverbände muss gehen

Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen? Denkste. Rainer Wagner fällt über einen antimuslimischen, antiamerikanischen, antisemitischen und homophoben Auftritt vor einer ungarischen Kirchengemeinde, der Jahre später auf YouTube hochgeladen wird.

Hat nicht nur mit kommunistischen Regimen ein Problem: Rainer Wagner (re.). Foto: dpa

Der Schritt kam für viele überraschend. „Aus gesundheitlichen Gründen erkläre ich hiermit meinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Bundesvorsitzenden der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“, schrieb Rainer Wagner am 23. April. Aufgrund seiner politischen Haft in der DDR leide er unter Gesundheitsschäden. Und da weder eine Teilrente noch eine Kur eine Verbesserung gebracht hätten, mache er Schluss.

Der Bundesvorstand der UOKG bedauerte den Rücktritt „außerordentlich“, zeigte aber „volles Verständnis“. Der 63-Jährige legte auch den Vorsitz der Vereinigung der Opfer des Stalinismus und seinen Sitz in der Experten-Kommission des Bundestages nieder, die über die Zukunft der Stasi-Unterlagenbehörde berät.

Jetzt ist klar: Wagner fiel nicht über seine Gesundheit. Er fiel über einen antimuslimischen, antiamerikanischen, antisemitischen und homophoben Auftritt vor einer ungarischen Kirchengemeinde aus dem Jahr 2006. Das Zeugnis davon ist als Video im Oktober 2014 auf Youtube hochgeladen und von seinen Kritikern aus der DDR-Opferszene thematisiert worden war.

Wagner wurde 1951 in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) geboren. Er versuchte als Jugendlicher, aus der DDR zu flüchten und wurde 1967 zu einer Haft von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Der Mann, der sich als Prediger in der evangelikalen Szene bewegt, begründete die Opposition zur DDR auch theologisch. So fehle ihr die religiöse Legitimation. 1984 ließ man ihn ausreisen. Seither lebt er in Neustadt (Rheinland-Pfalz), engagiert sich für die Opfer und wurde 2007 Vorsitzender der UOKG, des Dachverbandes der DDR-Opfer mit 20.000 Mitgliedern.

"Die Moslems lügen"

Am 27. August 2006 hielt Wagner schließlich in Ungarn jenes Referat vor „christlichen Zionisten“, wie er sie nennt. Thema ist „die teuflische Dreieinigkeit“ des „Satans, des Anti-Christen und des falschen Propheten“. Lange plätschert der Vortrag dahin – bis der Prediger, konsekutiv übersetzt, zum Islam kommt. So gebe es 2400 Moscheen in Deutschland, in denen „islamischer Götzendienst betrieben“ werde, sagt er. Dabei behaupteten die Muslime, „eine friedliche Religion“ zu sein. Doch es sei „nicht wahr, dass der Islam friedlich ist“. Vielmehr hätten alle Terroranschläge und Kriege mit dem Islam zu tun. „Die Moslems lügen“, erklärt Wagner. „Islam heißt Unterwerfung.“ Mohammed sei „ein elender Mörder und Lügner gewesen“ und „der Gott der Mohammedaner ist der Teufel“. Ohnehin herrsche der Anti-Christ „in allen, die Jesus nicht als Herrn anerkennen“.

Später richtet sich Wagner gegen die USA, wo „eine primitive Form der Kultur“ herrsche. „In Amerika essen sie Hamburger und solchen Fraß“ und machten aus Tomaten Ketchup. Gegen Ende geht es um Israel. „Israel ist das auserwählte Volk“, betont der deutsche Prediger vor den Ungarn. Er fügt aber hinzu: „So lange es Jesus nicht hat, ist es sehr blind.“ Man sehe dies daran, dass die Stadtverwaltung von Jerusalem eine Homosexuellen-Parade erlaube. „Es deutet einiges daraufhin, dass die israelische Regierung mit dem Anti-Christen ein Bündnis eingeht.“ Auf dem Portal „Hohenecker Bote“ der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hieß es, Wagner sei der „Ayatollah aus Neustadt“, „der nicht nur Juden als Knechte Satans bezeichnet, sondern rundum auch den Islam als Religion verleumdet“. Überdies wird die Frage aufgeworfen, ob jemand, der sich so äußere, öffentliche Ämter bekleiden dürfe.

Wagner selbst verweist darauf, dass sein Vortrag „damals noch nicht so politisch unkorrekt da stand, wie er heute erscheint“. 2006 hätten viele Politiker im Islam eine Gefahr gesehen. Der Ex-UOKG-Vorsitzende beklagt, der Chef der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Carl-Wolfgang Holzapfel, habe Druck auf ihn ausgeübt.

Insider sagen, in der Opferszene werde tatsächlich kräftig intrigiert. Trotzdem habe es bis hinauf zur Bundesregierung Stimmen gegeben, die Wagner den Rücktritt nahegelegt hätten.

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