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Rahaf Mohammed Alqunun Junge saudische Frau vorerst in Sicherheit

1. UpdateAus Angst vor der eigenen Familie setzt sich eine 18-Jährige aus Saudi-Arabien ab. Die vor dem Patriarchat Geflüchtete wird nicht aus Thailand abgeschoben.

Thailand setzt Abschiebung vorläufig aus
Rahaf Mohammed al-Kunun (M) auf dem Flughafen von Bangkok. Foto: Uncredited/Immigration Police/AP

Die 18-Jährige kämpft um ihre Freiheit. Die Tür ihres Hotelzimmers hat sie mit Möbeln verbarrikadiert. Ihre Familie werde ihr etwas antun, beschwor die junge saudische Frau auf kurzen Videos aus ihrem dunklen Zimmer die Außenwelt. Unter keinen Umständen werde sie zurück nach Saudi-Arabien fliegen. „Ich will mit den UN reden und ich will Asyl“, pochte sie gegenüber thailändischen Offiziellen, die durch die Tür auf sie einredeten.

Seit Samstag befindet sich Rahaf Mohammed Alqunun im Transithotel des Flughafens von Bangkok, während ihr live über Twitter übertragenes Fluchtdrama den halben Globus bewegt. Sie sei daheim häufig geschlagen worden und sollte gegen ihren Willen verheiratet werden, berichtete sie. Ziel der verzweifelten Ausreißerin ist Australien. Dort wollte sie diese Woche mit ihrem gültigen Visum einreisen und Schutz suchen, um endlich der Allmacht ihres Vaters und ihres Bruders zu entkommen.

Rahaf Mohammed Alqunun ist kein Einzelfall. Immer wieder versuchen saudische Frauen, der Tyrannei daheim zu entkommen. 2017 machte der Fall von Dina Ali Lasloom Schlagzeilen, die ebenfalls nach Australien wollte und zurück nach Saudi-Arabien gezwungen wurde. Seitdem ist sie spurlos verschwunden.

Hilfe von den UN

Andere werden in Erziehungsheimen untergebracht oder erhalten Haftstrafen für „Ungehorsam gegenüber dem männlichen Vormund“. Zwei Schwestern, die im Herbst nach ihrem gemeinsamen Selbstmord im New Yorker Hudson River gefunden wurden, hatten offenbar sämtliche Ersparnisse aufgebraucht und wollten lieber sterben als in ihre Heimat zurückzukehren.

Denn in Saudi-Arabien herrscht ein patriarchalisches Schariarecht, das die Frauen bis in die kleinsten Details ihres Lebens gängelt und entmündigt. Ohne die Genehmigung von Ehemann, Bruder oder Vater dürfen weibliche Familienmitglieder weder studieren noch reisen, heiraten oder einen Arzt aufsuchen. Autofahren ist Frauen erst seit gut einem halben Jahr erlaubt, auf der gesamten übrigen Welt dagegen seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit.

Seit vergangenem Mai sitzen zahlreiche prominente Frauenrechtlerinnen, die sich jahrelang für die Abschaffung des erstickenden männlichen Vormundschaftsrechts einsetzen, in Haft. Nach Auskunft ihrer Angehörigen wurden sie gefoltert und sexuell misshandelt.

Rahaf Mohammed Alqunun startete ihre spektakuläre Odyssee ans andere Ende der Welt während eines Familienurlaubs in Kuwait. Denn der Golfstaat gehört zu den wenigen Nachbarnationen, in denen saudische Frauen ohne männliche Genehmigung ausreisen dürfen. Nach ihrem heimlichen Abflug alarmierte der Vater die saudische Botschaft in Bangkok. Der Darstellung seiner 18-jährigen Tochter zufolge passte daraufhin ein saudischer Offizieller sie am Bangkoker Flughafen ab, nahm ihr den Reisepass weg, brachte sie in das Hotel im Transitbereich und erklärte, sie werde mit dem nächsten Flug nach Saudi-Arabien zurückgeschickt.

Am Montag gab es für die verzweifelt kämpfende junge Frau dann erst einmal eine Atempause. Der Chef der thailändischen Grenzpolizei, General Surachate Hakparn, versicherte, sie werde nicht gegen ihren Willen abgeschoben. Ein Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks holte sie aus ihrem Hotelzimmer und nahm sie in Obhut. Und die Kuwait Airways Maschine, auf der ihre Familie den Rückflug gebucht hatte, startete ohne die junge Frau an Bord.

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