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Putin in Österreich Sehr viel Wirbel um ein Dirndl

Die österreichische Außenministerin Karin Kneissl gönnt sich einen Hochzeitstanz mit Wladimir Putin, während Kanzlerin Merkel dem russischen Präsidenten eher distanziert begegnet.

Österreich
Österreichs Außenministerin Kneissl und Putin beim Tanz. Foto: afp

Es sind zwei Bilder, die aus der Südsteiermark um die Welt gehen. Eines zeigt die österreichische Außenministerin Karin Kneissl beim Hochzeitstanz mit Wladimir Putin und das andere einen weißen VW Käfer mit Hochzeitsgrüßen des russischen Präsidenten. Beide Bilder lassen die Wogen in der Alpenrepublik hochgehen. Die Stimmung liegt irgendwo zwischen gerührt und geschüttelt, wie es der Journalist Ernst Sittinger in Graz unweit des Trauungsortes am Hochzeitstag formuliert hat.

Während die Regierung alles dafür tut, die Einladung auf den Status „privat“ herunter zu moderieren, empören sich Medien und Oppositionspolitiker über das fatale politische Signal aus dem Land, das derzeit den EU-Ratsvorsitz hat und etliche Normalbürger über die enormen Kosten für die Sicherheit. Immerhin war es die FPÖ, für die Kneissl nun als parteilose Ministerin in der Regierung sitzt, die ihr Programm auf der Steuerverschwendung von Altparteien aufbaut. In den sozialen Netzwerken ist die Errungskurve hoch. Es wird auf zwei Bilder verwiesen, die das Dilemma kaum stärker kontrastieren könnten.

Angela Merkel mit Putin am Abend in Meseberg

Auf dem einen Kneissl und Putin am Mittag eng umschlungen und auf dem anderen Kanzlerin Angela Merkel mit Putin am Abend in Meseberg in sicherer Distanz mit nüchternen Blick an einem Verhandlungstisch sitzend. Während einzelne Oppositionspolitiker sogar den Rücktritt von Kneissl fordern und einzelne Stimmen aus der konservativen Partei von Kanzler Sebastian Kurz auf den möglichen Schaden als neutraler Vermittler hinweisen, freut sich Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, der Kneissl als Außenministerin vorgeschlagen hat, als Hochzeitsgast über die schönen Bilder: „Internationale Medienberichte und Bilder von der Hochzeit sowie der wundervollen steirischen Landschaft werden von Brasilien, bis Canada, in allen europäischen Staaten bis Australien sichtbar.“

Strache pflegt allerdings wie zahlreiche seiner Parteifreunde ein enge Verbindung nach Russland und darunter besonders zu Putins Partei „Einiges Russland“. Strache sagte bei der Hochzeit: „Eine bessere Werbung für Österreich, seine wundervolle Natur, traumhafte Landschaft und gelebte Gastfreundschaft kann es gar nicht geben!“ So sehen es nicht alle im Land und die sind zum Teil überrascht, wie groß das Medienecho ist. „Putin unterschrieb auf einem VW-Käfer, der dem Paar gehört, und umrahmte seine Worte mit einem Herz und zeigte so, dass sich auch Führer der Welt nach Liebe sehnen“, schwärmt „Russia Today“, während die „New York Times“ süffisant schreibt: „Die Braut war ein Traum im Dirndl, aber der Präsident stahl ihr die Show.“

Tatsächlich war der Besuch dann doch nicht nur privat, Kanzler Kurz nutzte die Gelegenheit und setzte sich mit Putin zu einem Arbeitsgespräch zusammen. Es gehört wohl zur speziellen österreichischen Dialektik, das Privates und Arbeit dann doch so eng beieinander liegen können.

 

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