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„Pulse of Europe“ Mit Spaß am Puls Europas

Eine neue Bewegung findet Sonntag für Sonntag mehr Anhänger.

„Pulse of Europe“-Demo in Dresden.
Auch Dresden kann Europa: „Pulse-of-Europe“-Demo am Sonntag. Foto: SINGER/EPA/REX/Shutterstock (Rex Features)

Der Gendarmenmarkt war voll am Sonntag. Mittags um 14 Uhr flatterten blaue Fahnen mit gelben Sternen im kalten Wind. Es waren Europa-Fahnen. Man sah fröhliche Gesichter auf den Treppen des Konzerthauses und davor – darunter die von Leonie und Jochen Loreck, zwei Ruheständlern aus Berlin-Friedenau.

„Wir sind das zweite Mal da“, sagt der einstige Journalist. „Freunde hatten uns angesprochen. Und für uns ist es wichtig, die Straße nicht den Rechtsextremisten zu überlassen.“ An „Pulse of Europe“ gefalle ihm, „dass es um etwas Ideelles“ gehe. Außerdem stehe das alles quer zur Parteipolitik, sagt der 71-Jährige.

Der „Pulse of Europe“ geht auf die Initiative des Frankfurter Anwaltsehepaars Daniel und Sabine Röder zurück. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten reichte es ihnen endgültig. Sie wollten Rechtspopulisten und Rechtsextremisten von Pegida bis AfD etwas entgegensetzen – jenen Gruppen, von denen es zuletzt schien, sie seien der neue Mainstream. Anfangs nahm die Öffentlichkeit kaum Notiz davon. Doch spätestens seit dem vergangenen Sonntag ist das anders. Der „Pulse of Europe“ machte sich in 50 Städten bemerkbar – in Deutschland, aber auch in Innsbruck oder Lissabon. Bürger bevölkerten Straßen und Plätze. Und abends hatten die Tagesthemen ein Sendeplätzchen frei.

Früher, im Zuge der 68er-Bewegung, die das außerparlamentarische Verständnis wesentlich prägte, galt eine Demo ja nur dann als richtige Demo, wenn klare Feindbilder ebenso da waren wie handfeste Forderungen. So ein Event, auf dem einfach jeder sagen kann, was er will und am Ende gesungen und getanzt wird – wen soll das beeindrucken? Bei „Pulse of Europa“ ist das anders. Auf dem Gendarmenmarkt war das gut zu sehen.

Zwar wurden Reden gehalten. Sogar ein Parteipolitiker trat ans Mikrofon – der ehemalige Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner, der jetzt für die SPD in den Bundestag will. Er kam kurz auf den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zu sprechen, der ein Beispiel dafür sei, dass Bundespolitiker nicht mehr in Brüssel entsorgt würden, sondern dass es nun auch mal umgekehrt laufe.

Eine parteipolitische Rede war es gleichwohl nicht. Sie wäre von den Zuhörern wohl auch nicht akzeptiert worden. Die Redezeit war auf maximal drei Minuten beschränkt. Es wurden hier im eigentlichen Sinne keine Forderungen erhoben. Stattdessen Argumente, warum die Europäische Union wichtig ist. Es gab kein Dagegen. Es gab ein Dafür.

Zwischendurch hörte das überwiegend bürgerlich-akademische Publikum Quizfragen wie: „Wer hat die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft miterlebt?“ Oder: „Wer hat mit Hilfe des Erasmus-Programms im Ausland studiert?“ Und schließlich: „Wer hat sich schon mal in einen Menschen aus einem anderen europäischen Land verliebt?“ Mal flogen die Hände der Älteren hoch, mal die der Jüngeren. Unabhängig vom Alter sah man: Die Leute hatten Spaß. Am Ende wurde gesungen und dann sogar getanzt.

Hätten die Tausende über die Frage diskutiert, was genau denn jetzt geschehen müsse, um die Europäische Union vor dem Verfall zu retten, wären die Antworten vielleicht sehr unterschiedlich ausgefallen. Aber darum ging es gar nicht. Augenscheinlich ging es darum, denen, die mit schlechten Gefühlen Politik machen, ein gutes Gefühl entgegenzusetzen.

Und am Sonntag auf dem Gendarmenmarkt konnte man den Eindruck gewinnen, dass nicht wenige genau darauf gewartet hatten. Die Leute, so schien es, wollen mit diesen angstmachenden Nationalisten abends in der Tagesschau nicht mehr alleingelassen werden. Sie haben Bock auf etwas anderes: Zuversicht und Zusammenhalt. Und nach dem Brexit und nach Trump wissen sie: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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