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Proteste im Jemen Demokratie-Funke springt auf Jemen über

Nach den Unruhen in Tunesien, Algerien und Ägypten protestieren die Menschen nun auch im Jemen. Tausende fordern den Abgang von Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Vorwürfe sind auch hier die gleichen: Armut und Arbeitslosigkeit. Kommentatoren machen den Kampf gegen den Terror verantwortlich.

Zehntausend Demonstranten fordern in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa die Absetzung des Präsidenten. Foto: dpa

Nach den Unruhen in Tunesien, Algerien und Ägypten protestieren die Menschen nun auch im Jemen. Tausende fordern den Abgang von Präsident Ali Abdullah Saleh. Die Vorwürfe sind auch hier die gleichen: Armut und Arbeitslosigkeit. Kommentatoren machen den Kampf gegen den Terror verantwortlich.

Die von der tunesischen Revolution inspirierte Protestwelle hat den Südzipfel der Arabischen Halbinsel erreicht. Mit roten Stirnbändern und Plakaten haben mehr als 16.000 Jemeniten am Donnerstag an vier Stellen der Hauptstadt Sanaa gegen die Regierung des Präsidenten Ali Abdullah Saleh protestiert. In Taiz – bis 1962 Hauptstadt Nordjemens – und Aden gingen Tausende auf die Straße. Anhänger Salehs marschierten gleichzeitig durch andere Teile der Hauptstadt. Während mit Schlagstöcken ausgerüstete Bereitschaftspolizisten die Oppositionellen begleiteten, blieben die Regierungsanhänger unbehelligt. Zu größeren Zwischenfällen kam es nach Agenturberichten bis zum Nachmittag nicht.

Anlass der Demonstrationen war die Verhaftung der Journalistin Tawakel Karman und weiterer Regimekritiker am Sonntag. Karman, die zur Führung der fundamentalistischen Islah-Partei gehört, wurde mittlerweile wieder freigelassen. In der Yemen Times bekräftigte sie, wie auch zwei weitere aus der Haft entlassene Regimegegner, die Chance für einen Wechsel sei gerade jetzt groß, „da ganz Jemen in Bewegung ist“.

Präsident Saleh hat sich den Zorn des verarmenden Mittelstands und der arbeitslosen Jugendlichen zugezogen, weil er eine Verfassungsänderung anstrebt, die ihm das Amt auf Lebenszeit garantieren soll. Zudem wollte er festlegen lassen, dass sein Sohn Amtsnachfolger wird. Saleh ist seit dem Zusammenschluss Nord- und Südjemens 1990 Staatschef. Die Opposition verlangt seinen Abschied von der Macht, nach Vorbild des tunesischen Autokraten Ben Ali „nach (nur) zwanzig Jahren Diktatur“, wie es in Sprechchören hieß.

Langes Sündenregister

Saleh wird ein langes Sündenregister vorgehalten. Er biete der Jugend – mehr als die Hälfte der Jemeniten ist jünger als 18 Jahre – weder hinreichende Ausbildung noch Arbeitsplätze an. Die offizielle Arbeitslosenzahl liegt bei 40 Prozent. Etwa jeder zweite Jemenit hat täglich nur zwei Dollar oder weniger zur Verfügung, was auch für selbstständige Händler und Mittelständler zutrifft.

Kommentatoren bringen die sich verschärfende Armut in Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terror. Über vierzig Prozent des Staatshaushalts gingen dafür drauf, schrieb Yemen Today. Deshalb sei für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit kein Geld da.

Der Kampf gegen den Terror ist der wesentliche Grund dafür, dass die USA Saleh noch stützen. Über die offenen Landesgrenzen kommen Aufständische aus Saudi-Arabien. Washington und Riad leiten daraus die These ab, im Jemen liege das Zentrum der Al-Kaida der Arabischen Halbinsel.

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