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Protestaktion Stimmen für Sakineh Aschtiani

Vom Tod bedroht: Weltweit wollen Menschen die Vollstreckung der Todesstrafe durch den Strang der Iranerin Sakineh Aschtiani verhindern. Die FR sammelt Statements zur Rettung der Verurteilten.

10.08.2010 18:39
Das undatierte Porträtfoto zeigt die vom Tod durch Steinigung verurteilte Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani. Die Frau hat im Staatsfernsehen angeblich öffentlich ein Geständnis abgelegt. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten hat das Oberste Gericht in Teheran die Vollstreckung der Todesstrafe nun durch den Strang genehmigt.

Vom Tod bedroht: Weltweit wollen Menschen die Vollstreckung der Todesstrafe durch den Strang der Iranerin Sakineh Aschtiani verhindern. Die FR sammelt Statements zur Rettung der Verurteilten.

Der große Fernseh-Kollege Hanns-Joachim Friedrichs hat gesagt: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Haben wir diesen Satz vergessen? Nein, und doch machen wir uns hier „mit einer Sache gemein“: mit der Rettung einer Iranerin vor dem barbarischen Töten durch Steinigung. Einen Menschen gezielt langsam und qualvoll sterben zu lassen, das verletzt die Menschenwürde noch mehr, als jede Form der Todesstrafe es tut. Die Chancenlosigkeit iranischer Frauen gegen männliche „Zeugen“ stellt eine zusätzliche Diskriminierung dar. Hier geht es nicht um diese oder jene politische Einstellung, hier geht es um die Grundlagen der Humanität.

Deshalb mischen wir uns ein. Uns ist klar: Furchtbare Menschenrechtsverletzungen geschehen jeden Tag. Und Sakineh Mohammadi Aschtiani ist im Iran nicht die Einzige, der dieses Schicksal droht. Wir nehmen aber diesen Fall zum Anlass, unser aller Bewusstsein für die verbreitete Verletzung der Menschenrechte neu zu schärfen. Und wir hoffen, einen kleinen Teil zur Rettung von Sakineh Aschtiani beitragen zu können. Helfen Sie und unterzeichnen Sie die Petition! Ihre FR-Redaktion

Prominente Stimmen für Sakineh Aschtiani

Bernd Reisig

FSV-Geschäftsführer

Dieses Urteil ist an Grausamkeit nicht zu überbieten. Ich habe mich am Rande der „Ramadan-Klausel“-Diskussion selbst sehr ausgiebig mit dem Koran beschäftigt. Darin gibt es keine Verbindung zu solch einer menschenverachtenden Strafe der Steinigung. Ich hoffe, dass dieses Urteil niemals vollstreckt wird.

Doris Möller-Scheu

Oberstaatsanwältin und Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft

Ich unterstütze die FR-Petition nachdrücklich. Als Juristin, die sich bei der Anwendung des Strafrechts den Menschenrechten verpflichtet fühlt, ist für mich schon die Todesstrafe indiskutabel. Umso mehr schockiert es mich, dass ein Gericht eine so barbarische Hinrichtungsart verhängt hat und in einem Land gesetzliche Bestimmungen existieren, die dies ermöglichen. Ein solcher Staat kann nicht für sich in Anspruch nehmen, von der zivilisierten Welt akzeptiert zu werden.

Ulrich Wilken

Vorsitzender des Landesverbands Die Linke in Hessen und rechtspolitischer Sprecher der Fraktion im Hessischen Landtag

Frau Aschtiani muss sofort freigelassen werden – sie hat kein Verbrechen begangen. Der ihr drohende besonders brutale Foltertod durch Steinigung erschreckt uns alle. Er darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies kein Einzelfall ist. Überall auf der Welt zahlen Frauen bis heute einen sehr hohen und oftmals blutigen Preis für den Kampf für Freiheit und Demokratie. Alle Verstöße gegen das Recht auf Leben und die Menschenwürde müssen geächtet werden; und die Todesstrafe muss abgeschafft werden, im Iran und den weiteren 57 Ländern, die sie immer noch anwenden.

Bärbel Schäfer

Fernseh- und Radiomoderatorin

Eine Regierung, die Menschen steinigt, ist ein verbrecherisches Regime. Ich solidarisiere mich mit Sakineh Mohammadi Aschtiani, weil Menschenrechte universal sind. Dieser Vorgang ist ein weiterer Grund, das menschenfeindliche Mullahregime Irans zu ächten.

Michael Herl

Autor und Leiter des Stalburg-Theaters in Frankfurt am Main

Der Fall Aschtiani ist plakativ. Er erregt die Gemüter, und dies selbstverständlich zu Recht. Das Tun dieser religiös verwirrten Machthaber muss angeprangert werden, und es muss mit allen Mitteln versucht werden, Frau Aschtiani nicht nur vor der Steinigung zu bewahren, sondern ihr die Freiheit wiederzugeben. Doch darf man sich nicht von dem besonders barbarischen Charakter dieses Falles blenden lassen. Jede Todesstrafe ist Mord und muss verhindert werden. Ich fürchte, dass nicht wenige von jenen, die nun empört in Richtung Iran schimpfen, bei uns hinter vorgehaltener Hand etwas wie „Kopf ab“ brabbeln, wenn es etwa um die Bestrafung von Kindermördern geht.

Marieluise Beck

Bundestagsabgeordnete der Grünen und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss

Todesurteile sind menschenverachtend. Das gilt für die Giftspritze in China und den USA wie für den Tod durch Strang in zahlreichen Ländern Asiens und Afrikas. Die Steinigung setzt diesen Grausamkeiten noch einen Foltermoment hinzu und bietet den niedersten menschlichen Instinkten die Macht, sich auszuleben. Dass eine derartige Barbarei im Jahr 2010 möglich sein soll, übersteigt jedes Vorstellungsvermögen. Der Druck auf die iranische Regierung muss wachsen, damit dieses brutale Todesurteil nicht vollstreckt werden kann.

Burkhard Lischka

SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Die Steinigung eines Menschen ist ein barbarischer Akt. Ich schließe mich daher den Forderungen an die Adresse Irans an, das Todesurteil gegen Sakineh Achtiani zurückzunehmen. Ich hoffe zutiefst, dass ein vielstimmiger internationaler Aufschrei hilft, das Leben dieser Frau zu retten. Und ich setze auch darauf, dass internationaler Protest in diesen und anderen Fällen uns gemeinsam dem Ziel näher bringt, die Todesstrafe im Iran und weltweit abzuschaffen. Denn die Todesstrafe, die in 58 Ländern weiter besteht, verstößt gegen das Recht auf Leben und Menschenwürde.


Monika Lüke

Generalsekretärin Amnesty International Deutschland

Das Schicksal von Sakineh Mohammadi Aschtiani steht für das Schicksal von mindestens sieben weiteren Frauen und drei Männern im Iran, denen die Steinigung droht, und von Hunderten, die auf eine andere Art hingerichtet werden sollen. Ich bin besorgt und bleibe alarmiert. Denn die Nachricht, dass das Steinigungsurteil vorübergehend zur Überprüfung ausgesetzt wurde, bedeutet keine Entwarnung. Die iranischen Behörden können die Aussetzung des Urteils jederzeit wieder aufheben. Sollte das Todesurteil nach einer Überprüfung bestätigt werden, ist die Gefahr, dass Frau Aschtiani hingerichtet wird, besonders akut. Die Proteste müssen deshalb weitergehen, durch Unterschriften, Mails, Mahnwachen – aber auch durch politische Gespräche, zum Beispiel Druck durch die Bundesregierung. Die Todesstrafe verletzt das Recht auf Leben und ist die äußerste Form grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Bestrafung. Steinigungen sind eine besonders grausame Art der Hinrichtung, weil das Leiden der Opfer dabei bewusst vergrößert und in die Länge gezogen wird. Amnesty International wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Frau Aschtiani und den vielen anderen zum Tode verurteilten Menschen im Iran die Hinrichtung erspart bleibt.

Gesine Lötzsch

Vorsitzende der Partei Die Linke

Die Steinigung ist eine unvorstellbar brutale Hinrichtung, die zu einem qualvollen, grausamen und schmerzhaften Tod führt. Die Mehrheit der dazu Verurteilten sind Frauen. Sie werden systematisch diskriminiert. Während Männer ein uneingeschränktes Scheidungsrecht haben, wird es Frauen ungleich schwerer gemacht, sich scheiden zu lassen. Nach iranischem Recht hat die Aussage eines Mannes vor Gericht doppelt so viel Gewicht wie die einer Frau. Das ist menschenverachtend und für eine zivilisierte Gesellschaft überhaupt nicht vorstellbar. Die Hinrichtung Sakineh Mohammadi Aschtianis muss verhindert werden. Todesstrafe, Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierung müssen abgeschafft werden. Im Iran. Weltweit.

Christoph Strässer

Menschenrechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

Die Todesstrafe an sich ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Steinigung ist die höchste Stufe der Perversion, es ist beschämend, dass die internationale Staatengemeinschaft immer noch nicht bereit und in der Lage ist, insbesondere die betroffenen Frauen zu schützen. Hier ist auch die Bundesregierung gefordert!

Roger Willemsen

Publizist und Fernsehmoderator

Lohnt es sich, gegen die Steinigung von Sakineh Aschtiani öffentlich aufzutreten? Lohnt es sich zu betonen, dass es bestialisch ist, was über sie verhängt wurde? Wer dächte anders? Die Steinigung ist nur die drastischste Methode. In der Sache agiert der Iran nicht anders als China und die USA, und die Befürworter der Todesstrafe sind in ihrer Argumentation nicht minder brachial als in ihren exekutiven Mitteln. Wenn es lang dauert, bis der Tod eintritt, umso besser, wenn der Delinquent brennt, furchtbar stöhnt, sich in seinen Zuckungen die Knochen bricht, Exkremente ausscheidet, umso besser. Gesucht wird eine Strafe jenseits der Strafe, ein Foltertod mit rechtsstaatlicher Verankerung. Es geht den Anhängern der Todesstrafe nicht um Strafe, es geht um die Totalzerstörung des Täters, um das Behagen im Nachvollzug der Hinrichtung. Ich zumindest habe noch keinen Anhänger dieser „Strafe“ gesprochen, der die Grausamkeiten der Hinrichtungsprozedur nicht als Teil der vermeintlichen Sühne in Kauf genommen hätte. Auch bei uns nicht.

Katajun Amirpur

Deutsch-iranische Islamwissenschaftlerin und Journalistin

Das Urteil gegen Sakineh Aschtiani ist abstoßend, ebenso wie die Strafe der Steinigung an sich. Dankenswerterweise ist darüber viel geschrieben worden – dankenswerterweise, weil Sakineh Aschtiani ohne den internationalen Druck wahrscheinlich nicht mehr am Leben wäre. Wenig wurde bisher darüber gesagt, wie abstoßend auch der größte Teil der iranischen Bevölkerung diese Strafe findet. Die iranische Öffentlichkeit ist zurzeit aller Möglichkeiten zur Meinungsäußerung beraubt. Wäre dies anders, würde auch sie sich mit Sakineh Aschtiani und mit den anderen Opfern barbarischer Strafen solidarisieren.

Hans-Christof von Sponeck

Ehemaliger UN-Koordinator für den Irak

Edle Versprechen in den Hallen der Vereinten Nationen in New York, elende Einlösungen zu Hause. Sakineh Aschtiani darf nicht das gesteinigte Opfer einer brutalen Unverantwortung werden. Menschen weltweit, zu denen auch ich gehöre, bäumen sich auf gegen ein solch frevelhaftes Vorhaben. Möge Irrsinn der Einsicht und Humanität weichen und die iranischen Behörden Sakineh Aschtiani ihrer Familie zurückgeben. Möge Iran endlich die UN-Anti-Folter-Konvention unterschreiben und befolgen und zeigen, dass die Erwartungen, die wir von dem Kulturland Iran haben, nicht weiter enttäuscht werden.

Karin Roth

SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Ich unterstütze die Petition „free Sakineh“. Die Todesstrafe und die Hinrichtung durch Steinigung sind unmenschlich und barbarisch. Ich fordere die iranische Regierung auf, die Todesstrafe gegen Sakineh Mohammadi Aschtiani nicht zu vollstrecken. Und ich fordere die Bundesregierung auf, alles zu unternehmen, um ihr Leben zu retten. Nur so können wir den Menschenrechten zum Durchbruch verhelfen.

Omid Nouripour

Sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Er wurde 1975 in Teheran geboren und hat die deutsche und die iranische Staatsbürgerschaft

Es kann nicht sein, dass die barbarische Steinigungs-Strafe heute noch angewendet wird – egal wo auf der Welt. Es ist ein Skandal, dass die iranische Wahlfälscher-Regierung Ahmadinedschad diese Strafe nicht verbietet und abschafft. Stattdessen nutzt sie sie auch als Abschreckungsinstrument gegen ihre politischen Gegner. Der Druck auf die iranische Regierung muss weiter zunehmen, damit Sakineh Aschtiani leben kann.

Jörg-Uwe Hahn

Stellvertretender Ministerpräsident und Justizminister von Hessen sowie Landesvorsitzender der FDP

Als hessischer Minister der Justiz, für Integration und Europa bin ich ebenso betroffen wie bestürzt über Berichte, wonach die zweifache Mutter Sakineh Mohammadi Aschtiani wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde. Als grausame, unmenschliche und erniedrigende Strafe steht die verhängte Steinigung im Widerspruch zu dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 19. Dezember 1966, den auch der Iran unterzeichnet und ratifiziert hat. Ich appelliere an die iranische Justiz und an die iranische Regierung, das Todesurteil gegen Frau Aschtiani aufzuheben und sie freizulassen.

Reinhard Bockhofer

Vereinigung zur Förderung des Petitionsrechts in der Demokratie e.V

Weil ich öffentliche Hinrichtungstorturen wie Steinigen, Enthaupten oder Erhängen für äußerst grausam, bestialisch und unmenschlich halte, fordere ich die Rücknahme des Exekutionsurteils und die Freilassung der Iranerin Sakineh Aschtiani. Kein Mensch darf einer derart erniedrigenden Strafe unterworfen werden, schon gar nicht aus derart nichtigem Anlass. Wie glücklich leben wir in einem Land, das die Todesstrafe vor 61 Jahren abgeschafft hat. Daher sehe ich es auch als meine Pflicht an mitzuhelfen, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Zugleich möchte ich künftig wieder stärker mein Augenmerk auf jene sechs Staaten richten, die besonders viele Todesurteile vollstrecken: Der weitaus größte Teil (90 Prozent) der weltweit registrierten Hinrichtungen im Staatsauftrag entfällt auf die Nationen China, Iran, Irak, Sudan, Pakistan – und die USA.

Dr. Bärbel Kofler

SPD-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende entwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

Die Steinigung eines Menschen bricht mit weltweit anerkannten Menschenrechten, denn sie ist ein grausames, brutales und blutrünstiges Verbrechen. Daher kann sie in keinem Fall mit Religion oder Kultur gerechtfertigt werden. Sie muss überall und zu jedem Zeitpunkt mit größter Deutlichkeit geächtet und bekämpft werden. Aus diesem Grunde habe ich die Petition unterschrieben und fordere den Iran auf, die Hinrichtung von Sakineh Aschtiani aufzugeben, von menschenverachtenden Strafen wie Steinigung und Auspeitschen abzulassen und die Todesstrafe abzuschaffen. Gerade Frauen wird weltweit oft der Zugang zu elementarsten Rechten auf demütigende Weise verwehrt. Für sie muss sich die internationale Gemeinschaft noch stärker als bisher einsetzen.


Tom Koenigs

Bundestagsabgeordneter der Grünen-Fraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe

Der Iran verletzt unter dem Schleier der Scharia die Menschenrechte, dabei ist der Islam eine menschenachtende Religion. Die geplante Steinigung von Sakineh Aschtiani schockiert mich zutiefst. Das Urteil beweist erneut, dass es sich bei dem Iran um ein menschenrechtsverachtendes Regime handelt. Die Steinigung ist ein barbarischer Akt aus dem Mittelalter. Sie verletzt das universell geltende Menschenrecht auf Leben und die Achtung der Menschenwürde. Die angekündigte Überprüfung des Urteils von Seiten der iranischen Behörden zeigt, dass internationaler Protest wirkt. Der Iran ist nun aufgefordert, das unrechtmäßige Urteil und die inhumane Strafe aufzuheben. Die deutsche Regierung kann mehr als nur protestieren. Derzeit befinden sich über 4200 schutzbedürftige iranische Flüchtlinge in der Türkei. Dennoch nimmt Deutschland lediglich 50 von ihnen auf. Der Solidarisierung der deutschen Regierung mit den iranischen Menschenrechtsaktivisten müssen Taten folgen. Deutschland kann und muss mehr iranische Flüchtlinge aus der Türkei aufnehmen.

Dorothea Schwantje

Vorsitzende des Frauenbeirates Nidderau

Angeregt durch Ihre tägliche Berichterstattung über das himmelschreiende Unrecht, das Menschen im Iran und insbesondere Frau Aschtiani angetan wird, habe ich den Frauenbeirat der Stadt Nidderau gebeten, sich dem Protest anzuschließen. Möge der weltweite Aufschrei nicht ungehört verhallen!

Mürvet Öztürk

Grünen-Abgeordnete im Hessischen Landtag, Sprecherin für Migration, Integration und Petitionen

Ich protestiere als Islamwissenschaftlerin gegen die Steinigung von Sakineh Aschtiani vehement und fordere die Verantwortlichen auf, sie freizulassen. Schaffen Sie die Steinigung und die Todesstrafe ab. Die Würde des Menschen ist in allen Religionen und Kulturen unantastbar. Die Würde der Frau ebenfalls, egal, ob sie Ehebruch begangen hat oder nicht.

Thomas Ostermeier

Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin

Eine Steinigung ist ein barbarischer Akt. Im Falle von Sakineh Aschtiani ist aus westlicher Perspektive besonders bestürzend, dass ein Ehebruch der Grund für diese unmenschliche Strafe sein soll. Die Brutalität der Steinigung bringt die Aberwitzigkeit eines patriarchalischen Weltbildes, eines Besitzanspruches des Mannes gegenüber der Frau, zum Ausdruck. Die Glaubwürdigkeit unseres Urteils wird jedoch durch die Kriege mit ihren zahlreichen zivilen Opfern erschüttert, die westliche Nationen in Afghanistan und im Irak führen.


Margot Käßmann

Gastdozentin an der Emory University in Atlanta (USA). Zuvor war sie Landesbischöfin von Hannover und EKD-Ratsvorsitzende

Für mich ist unfassbar, dass es Steinigungen in unserer Zeit überhaupt gibt, Jesus ist schon zu seiner Zeit dagegen eingeschritten. Für mich gibt es aus christlicher Sicht keinerlei Rechtfertigung für die Todesstrafe in jedweder Form. Und für Steinigung schon gar nicht – sie ist einfach nur ein Zeichen entsetzlicher Grausamkeit. Die Regierung in Teheran sollte sich klar gegen derartige Menschenrechtsverletzungen aussprechen.


Ulfrid Kleinert

Gründungsrektor und von 1995 bis 2000 Rektor der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden. Seit 2006 ist er emeritiert.

Der Islam ehrt Isa/Jesus als einen Propheten Allahs. Darum sollten auch die Mullahs im Iran sich an eine Geschichte von ihm erinnern lassen, die allerdings nicht in den Koran aufgenommen worden ist. In ihr fordern die religiösen Autoritäten seiner Zeit Jesu Unterstützung für die Steinigung einer Frau, die angeblich die Ehe gebrochen hat. Erst verweigert er sich wortlos ihrem Ansinnen, dann, als sie ihn weiter bedrängen, hält er ihnen einen Spiegel vor und fordert sie auf: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“ Immerhin: die Frommen damals lassen sich davon ansprechen und verkrümeln sich einer nach dem anderen. So ist es nachzulesen am Anfang des 8. Kapitels des Johannesevangeliums. Wenn doch die Gottesstreiter im Iran die Stimme des Propheten hören würden!

Torsten Jäger

Geschäftsführer Interkultureller Rat in Deutschland

Ich habe die Petition unterschrieben, weil es keinem Regime auf der Welt zusteht, Frauen die Menschenrechte auf körperliche Selbstbestimmung, ein faires Gerichtsverfahren und die Sicherheit vor Folter und vor grausamen und unmenschlichen Strafen zu nehmen. Ich wünsche mir, dass weltweit viele Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und politischer Überzeugungen die Petition unterzeichnen und sich für Sakineh Aschtianis Rechte starkmachen.

Jaz-Elishewa Patterson-Baysal

Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Ostend, Frankfurt

Ich protestiere gegen die Ermordung von Sakineh Aschtiani. Meine Solidarität und mein Mitgefühl gelten ihr und ihren Kindern, ihrer Familie und ihren Freunden. Dieses angekündigte Verbrechen an dieser mutigen Frau muss verhindert werden. In einer aufgeklärten, humanistisch geprägten Welt dürfen wir keinen Platz für Folter und Hinrichtung lassen. Das Schicksal dieser Frau muss uns alle bewegen und es muss ein noch viel lauterer Aufschrei der Öffentlichkeit zu vernehmen sein.

Ute Zapf

Mitglied des Deutschen Bundestages, SPD Dreieich

Ich unterstütze die Petition für Sakineh Mohammadi Aschtiani, weil die Strafe Zu-Tode-Steinigen barbarisch und unmenschlich ist. Sakineh wurde schon mit 99 Peitschenhieben bestraft. Diese grausamen und erniedrigenden Strafen müssen von der Welt geächtet werden, ebenso wie die Todesstrafe. Iran muss zur „Rechtsstaatlichkeit“ und zur Einhaltung der Menschenrechte gedrängt werden. Der Rechtsanwalt von Sakineh, der sie tapfer öffentlich verteidigt hat, musste ins Ausland fliehen. Seine Familie im Iran wurde verhaftet. Ich fordere den Iran auf, diese Repression aufzugeben, die barbarischen Strafen wie Auspeitschen und Steinigen aufzugeben und die Todesstrafe abzuschaffen.

Oliver Reese

Intendant am Schauspiel Frankfurt

Wir sind weit weg. Wir sind fassungslos. Wir fühlen uns ohnmächtig und hoffen dennoch, dass unser Protest Wirkung haben kann. Das Urteil gegen die Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani löst all das aus, weltweit. Auch die Weltliteratur erzählt von einer unmenschlichen Bestrafung: Antigone wird in einen Todeskerker eingemauert, weil sie ihren Bruder gegen den Willen Kreons beerdigt hat. Sophokles schuf in Kreon das Urbild eines engstirnigen, ängstlichen Machtpolitikers – und wir erleben solche Tyrannen noch heute. In der antiken Tragödie endet alles in einer Katastrophe, in der auch der Herrscher als Opfer der eigenen Hybris untergeht. Das Ringen um Einsicht und Humanität, der Kampf gegen die andauernde Unmenschlichkeit ist die Konsequenz aus der alten Fabel und ihrer bestürzenden Aktualität.


Steffi Jones

Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauen-WM 2011 und ehemalige Nationalspielerin

Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass in der heutigen Zeit Menschen gesteinigt werden. Das ist ein unfassbares Verbrechen, das mit nichts gerechtfertigt werden kann. Gerade der Sport und der Fußball zeigen doch, wie selbstverständlich und wunderbar Menschen in Gemeinschaft leben können, ohne dass die Religion, die Hautfarbe, die soziale Herkunft oder das Geschlecht eine Rolle spielen. Als Privatperson und auch als Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauen-WM 2011 möchte ich ein klares Zeichen setzen gegen jede Form von Diskriminierung, Unterdrückung, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Daher unterstütze ich die Petition mit Nachdruck.

Frank Ulrich Montgomery

Menschenrechtsbeauftragter und Vizepräsident der Bundesärztekammer

Die deutschen Ärzte protestieren gegen die Steinigung von Sakineh. Wir sind gegen jede Todesstrafe. Pervers ist es aber vor allem dann, wenn unter dem Deckmantel religiöser Pflichten zu brutalen Akten gegen Grundnormen der Menschlichkeit aufgerufen wird. Wir akzeptieren keine religiöse Gerichtsbarkeit. Religion soll Freiheitsgrade im Denken schaffen, nicht Menschen drangsalieren und ermorden.

Klaus Kocks

Meinungsforscher und Kommunikationsberater

Wer Menschen steinigt, steinigt sein Menschsein und damit die Menschheit und damit jeden Gott jeder Religion aller Welten. Es wachse ihnen über die Untat kein Gras.

Katrin Göring-Eckardt

Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages (Grüne)

Einen Menschen zu steinigen ist ein unvorstellbar barbarischer Akt. Niemand kann schulterzuckend wegsehen, weil der Iran weit weg ist oder weil es dessen innere Angelegenheit sei. Es ist wichtig, dass die Stimmen unüberhörbar sind, die gegen die geplante Hinrichtung von Sakineh Mohammadi Aschtiani heftig protestieren. Ich fordere die iranische Regierung auf, die zutiefst inhumane Strafe aufzuheben, und plädiere für die Abschaffung der Todesstrafe weltweit.

Navid Kermani

Deutsch-iranischer Schriftsteller und Orientalist

Abgesehen von allen naheliegenden, jedem zivilisierten Menschen unserer Zeit einleuchtenden Gründen, warum die Steinigung die barbarischste Form der Strafe darstellt, möchte ich als iranischer Staatsbürger und Muslim auch ausdrücklich die Scham und die Wut darüber bekennen, dass dieses abstoßende Urteil in Iran und unter Berufung auf den Islam gefällt wurde.


Sakineh Mohammadi Aschtiani ist kein Einzelfall. Aber dieser einzelne Fall muss die Welt – insbesondere auch die islamischen und südlichen Regierungen, die sich aus anti-westlichen Reflexen mit einer Diktatur gemein machen – auf die katastrophale Lage der Menschenrechte aufmerksam machen, die Benachteiligung der Frauen, die Verfolgung der Bahais, den Kampf gegen die Sufis, die Repressionen an den Universitäten und Theologischen Seminaren, die Unterdrückung jedweder Opposition, die Misshandlungen in den Gefängnissen, die systematische Vernichtung von Kunst, Literatur und freier Meinungsäußerung – kurz: auf das Schicksal einer geknechteten Nation.

Doris Möller-Scheu

Oberstaatsanwältin in Frankfurt am Main

Ich unterstütze die Petition nachdrücklich. Als Juristin, die sich bei der Anwendung des Strafrechts den Menschenrechten verpflichtet fühlt, ist für mich schon die Todesstrafe indiskutabel. Umso mehr schockiert es mich, dass ein Gericht eine so barbarische Hinrichtungsart verhängt hat und in einem Land gesetzliche Bestimmungen existieren, die dies ermöglichen. Ein solcher Staat kann nicht für sich in Anspruch nehmen, von der zivilisierten Welt akzeptiert zu werden.

Léa Linster

Sterneköchin, Luxemburg

Frauen in der zivilisierten Welt haben über viele Jahrhunderte hinweg einen sehr hohen und oftmals blutigen Preis dafür bezahlt, dass Freiheit und Demokratie durchgesetzt werden konnten. Das sollte nicht vergeblich gewesen sein. Ich bin dafür, dass alle Frauen in allen Ländern tatsächlich in Freiheit und Selbstbestimmung leben können. Auch die iranische Justiz sollte endlich die Rechte und die Würde von Frauen achten und schützen, anstatt schreckliche und falsche Urteile zu fällen. Ich fordere ganz energisch: Weg mit der Unterdrückung von Frauen und vor allem weg mit der Todesstrafe!

Robert Tubis

Deutsch-iranischer Rechtsanwalt

Als Sohn einer iranischen Mutter und Rechtsanwalt schockiert mich der Fall Sakineh Mohammadi Aschtiani aufs Äußerste. Verstößt bereits die Todesstrafe an sich gegen mein Verständnis von einem zivilisierten Rechtsstaat, kommt hier hinzu, dass Frau Aschtiani für die ihr vorgeworfene Tat bereits 2006 zu 99 Stockhieben verurteilt wurde. Das jetzige Todesurteil stellt einen eklatanten Verstoß gegen das in jedem fairen Strafprozess fundamentale Verbot der Doppelbestrafung dar. Bei früheren Besuchen im Iran habe ich Iraner als gastfreundlich, aufgeschlossen und zivilisiert erleben können. Der Fall Aschtiani lässt nur den Schluss zu, dass dies nicht für das iranische Rechtssystem gilt.

Hannes Hesse

Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Es ist unerträglich, dass ein Land wie der Iran, das auf der einen Seite modernste Technologien anwenden will, auf der anderen Seite unmenschliche und archaische Strafmethoden anwendet.

Heidemarie Wieczorek-Zeul

SPD-Bundestagsabgeordnete; von 1998 bis 2009 Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Ich unterstütze die Petition, um gegen die Steinigung als eine barbarische Form der Menschenrechtsverletzung mit aller Entschlossenheit Widerstand zu leisten. Die „Strafe“, mit der Sakineh Mohammadi Aschtiani bedroht wird, ist ein Verbrechen – grausam, unmenschlich und menschenverachtend. Sie steht im Widerspruch zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Ein Land, das derartige Verbrechen begeht, kann sich nicht zivilisiert nennen. Die brutale und blutrünstige Steinigung, die mit Folter, Demütigung und Quälerei einhergeht, verurteile ich aufs Schärfste. Sie muss weltweit mit aller Kraft bekämpft werden, wie die Todesstrafe insgesamt geächtet und beendet werden muss. Die internationale Staatengemeinschaft muss sich für eine weltweite Durchsetzung der Menschenrechte stärker engagieren, gerade die Menschenrechte der Frauen werden an vielen Orten mit Füßen getreten.

Fatemeh Raghazi (Pseudonym)

Pharmazie-Studentin in Münster

Ich unterschreibe diese Petition, weil ich damit an diese feindseligen Männer, die sich selbst „Richter“ nennen, appellieren möchte: Der Körper ist allein Sache der Frau, und es ist ausschließlich ihre Entscheidung, mit wem sie persönliche Bindungen eingeht! Es gibt nichts Heiligeres als Privatsphäre und die Würde der Menschen. Kein Gericht der Welt darf sich da einmischen!

Ali Sadrzadeh, Iran-Experte des Hessischen Rundfunks

Ich habe die Petition bereits unterschrieben, weil ich weiß, dass trotz ihrer Brutalität die Machthaber in Teheran den Druck der Weltöffentlichkeit nicht ignorieren können. Dieser Druck hat übrigens dazu geführt, dass Sakinehs Steinigung inzwischen ausgesetzt wurde, doch aufgehoben ist sie keineswegs.

Verena Müller, Studentin an der Universität Köln

Ich habe die Petition unterschrieben, weil jeder Mensch das Recht und die Freiheit besitzen sollte, unabhängig von Geschlecht und Nationalität, seinen Partner auszusuchen.

Die nicht vorhandene Gleichbehandlung der Geschlechter in Unrechtsstaaten wie dem Iran ist grauenhaft und traurig. Ich hoffe sehr, dass nicht nur dieser Frau geholfen wird, sondern ein generelles Verbot von grauenhafter Folter und Ermordungen eingeführt wird.

Professor Alfred Neven DuMont

Verleger, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg

Ich protestiere gegen die Steinigung, weil das Urteil und die Hinrichtungsmethode verabscheuungswürdig, zynisch, inhuman und nicht einmal im Ansatz tolerabel sind. Das Vorgehen des iranischen Regimes bedeutet nichts anderes als tiefstes Mittelalter.

Thomas Gebauer

Geschäftsführer Medico International

Ich protestiere gegen die drohende Steinigung von Sakineh, weil Steinigungen wie jede andere Todesstrafe unmenschlich sind. Es ist höchste Zeit, mit solchem Atavismus Schluss zu machen.

Jutta Ebeling

Bürgermeisterin und Frauendezernentin Frankfurt (Grüne)

Ich habe die Petition zur Rettung von Sakineh Aschtiani unterzeichnet in der Hoffnung, dass weltweiter Protest gegen das unmenschliche Urteil der iranischen Justiz die dortigen Machthaber doch noch zum Einlenken bewegen kann. Es ist in der Vergangenheit bereits gelungen, durch solche Aktionen Menschenleben zu retten. Deshalb bitte ich als Bürgermeisterin und Frauendezernentin der Stadt Frankfurt am Main, alle an dem Fall Interessierten und Engagierten, sich anzuschließen und nicht zu resignieren! Die Vorführung Sakineh Aschtianis im iranischen Fernsehen als „geständige Mordgehilfin und Ehebrecherin“ bedeutet die psychologische Vorbereitung zur Vollstreckung des barbarischen Todesurteils. Umso mehr gilt es, die Stimmen zu erheben und für das Leben Sakineh Aschtianis einzutreten.

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