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Profil der Täter Anschläge in Deutschland weisen ein Muster auf

Die Täter sind jung und schlagen ohne größere Vorbereitung zu. Die Angriffe sind banal und brutal zugleich.

Nach Messerattacke in Hamburg
Ein Peace-Zeichen aus Kerzen vor dem Hamburger Supermarkt. Foto: dpa

Die deutschen Sicherheitsbehörden mussten 2016 fünf Terroranschläge hinnehmen. Nun folgte die Hamburger Tat. Jeder Fall ist besonders. Doch es schälen sich Muster heraus.

Aus Sympathie für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ griff die minderjährige Safia S. mit deutscher und marokkanischer Staatsangehörigkeit am 26. Februar 2016 bei einer Personenkontrolle am Hauptbahnhof Hannover einen Bundespolizisten mit einem Küchenmesser an und verletzte ihn lebensgefährlich. Bereits einen Monat vorher hatte sie versucht, über die Türkei nach Syrien bzw. in den Irak auszureisen, konnte aber von ihrer Mutter nach Deutschland zurückgeholt werden. Die verhinderte Ausreise war offenbar Auslöser der Tat.

Am 16. April 2016 ereignete sich in einem Gebetshaus der Sikh-Gemeinde in Essen eine Sprengstoffexplosion. Dort hielten sich anlässlich einer Hochzeitsfeier mehr als 100 Menschen auf. Durch die Detonation wurden drei Personen verletzt, eine davon schwer. Die Hauptverdächtigen, drei in Deutschland geborene Minderjährige, sind in der Islamistenszene einschlägig vernetzte IS-Sympathisanten.

Am 18. Juli 2016 verübte ein minderjähriger Asylsuchender den ersten Anschlag in Deutschland, zu dem sich der IS offiziell bekannte. Vor seiner Tat hatte der Jugendliche ein Video aufgenommen, in dem er sich als „Soldat des Kalifats“ bezeichnete und eine „Märtyreroperation“ ankündigte. Der Attentäter attackierte in einem Regionalzug zwischen Treuchtlingen und Würzburg Mitreisende mit einem Beil. Dabei wurden vier Angehörige einer Familie aus China zum Teil schwer verletzt. Auf seiner Flucht verletzte der Täter eine Passantin und griff schließlich Polizisten an, die zurückschossen und ihn töteten.

Unter falscher Identität

Am 24. Juli 2016 ereignete sich in Ansbach in der Nähe der Eingangskontrolle zu einem Musikfestival eine Explosion, 15 Menschen wurden verletzt. Der Täter, ein syrischer Asylsuchender, starb. Zuvor hatte er versucht, auf das Festivalgelände zu gelangen. Als dies wegen einer fehlenden Eintrittskarte missglückte, brachte er den Sprengstoff zur Explosion. In einem vor der Tat aufgenommenen Video bekannte sich der Täter zum IS.

Am Abend des 19. Dezember 2016 schließlich fuhr der Tunesier Anis Amri einen Lkw in eine Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Bei dem Anschlag wurden zwölf Personen getötet und mehr als 50 zum Teil schwer verletzt. Der Täter hatte sich seit 2015 unter falschen Identitäten als Asylbewerber in Deutschland aufgehalten. Ihm gelang nach dem Anschlag die Flucht nach Italien. Dort wurde er am 23. Dezember 2016 in der Nähe von Mailand von Polizisten getötet. Der IS reklamierte den Anschlag für sich.

Täter oft sehr jung

Nimmt man Hamburg hinzu, fällt insgesamt auf, dass die Täter oft sehr jung und nicht selten sogar minderjährig sind. Auch ist die Art der Tatbegehung einfach. Mit einem Messer oder einem Beil kann sich jeder bewaffnen. Auch ist es noch relativ unkompliziert, einen Lkw zu kapern und – vorausgesetzt, man beherrscht ihn – damit Menschen zu überfahren. Durch den Mangel an komplexeren und auffälligeren Vorbereitungen (wie etwa der Gewinnung von Sprengstoff), haben es die Sicherheitsbehörden schwerer, vorher auf die Täter zu stoßen.

Und schließlich waren vier der sechs Täter Flüchtlinge, nicht Rückkehrer aus dem IS-Gebiet, wie in den vergangenen Jahren oft befürchtet worden war. Der Terrorismusexperte Guido Steinberg sagte dazu bereits in der vorigen Woche: „Das ist eine unangenehme Wahrheit, aber eine, die wir akzeptieren müssen.“

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