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PRISM und NSA Kämpfer gegen den Überwachungsstaat

Edward Snowden führte nach eigenen Angaben ein komfortables Leben im Tropenparadies Hawaii mit Freundin und sechsstelligem Jahresgehalt. Doch dann legte er sich mit einem mächtigen Gegner an: den Geheimdiensten der USA.

10.06.2013 07:58
Gregor Waschinski, afp
Edward Snowden, der Whistleblower, der die Spionageaktivitäten der NSA im Internet ausplauderte. Foto: rtr

Edward Snowden führte nach eigenen Angaben ein komfortables Leben im Tropenparadies Hawaii mit Freundin und sechsstelligem Jahresgehalt. Doch dann legte er sich mit einem mächtigen Gegner an: den Geheimdiensten der USA.

Der 29-jährige Snowden ist den Zeitungen „The Guardian“ und „Washington Post“ zufolge die Quelle der Enthüllungen über geheime US-Überwachungsprogramme, die in der vergangenen Woche für Schlagzeilen sorgten. Jetzt verschanzt sich der Ex-Geheimdienstmitarbeiter in einem Hotelzimmer in Hongkong und wartet auf die Reaktion von Präsident Barack Obamas Regierung, die bisher immer unerbittlich gegen Geheimnisverräter vorging.

In einem Videointerview mit dem „Guardian“ erklärt Snowden, warum er die vertraulichen Dokumente weitergereicht habe. Sein „einziges Motiv“ sei es, die Öffentlichkeit über die „massive Überwachungsmaschine“ der USA zu informieren, sagt er. Er könne nicht guten Gewissens zulassen, dass die Regierung in Washington für Menschen überall auf der Welt „das Privatleben, die Internetfreiheit und grundlegende Freiheiten zerstört“. In den Aufnahmen wirkt Snowden überlegt und klar. „Ich habe keine Absicht, mich zu verstecken, weil ich weiß, dass ich nichts Falsches gemacht habe“, sagt der blasse, junge Mann mit Dreitagebart und Brille.

Snowden erzählt dem „Guardian“, dass er zunächst im Bundesstaat North Carolina aufgewachsen und dann mit seiner Familie in die Nähe von Fort Meade in Maryland gezogen sei. Dort befindet sich das Hauptquartier der National Security Agency (NSA), dessen Spähmethoden er nun öffentlich gemacht hat. Auf der Armeebasis in Fort Meade steht außerdem der Obergefreite Bradley Manning vor Gericht, der vor drei Jahren hunderttausende US-Geheimdokumente an die Enthüllungswebseite Wikileaks weiterleitete. Manning wird im schlimmsten Fall lebenslang ins Gefängnis müssen – dieses Schicksal könnte auch Snowden drohen.

Nach eigenen Angaben war Snowden kein guter Schüler und verließ die High School ohne Abschluss. Doch er hatte eine besondere Begabung für Computer – eine Qualifikation, die bei US-Geheimdiensten zur Abwehr von Terrorgefahren sehr gefragt ist. Zunächst habe Snowden aber sein Glück bei der Armee versucht, 2003 soll er als Rekrut bei den Spezialkräften angefangen haben. Nach einem Trainingsunfall, bei dem er sich beide Beine gebrochen habe, sei er aber aus dem Dienst entlassen worden, berichtet er.

Bei der NSA begann der 29-Jährige nach eigenen Angaben als einfacher Sicherheitsmann, dann habe er für den Auslandsgeheimdienst CIA im Bereich IT-Sicherheit gearbeitet. Dort sei er auch ohne Diplom schnell aufgestiegen und zwischenzeitlich in Genf in der Schweiz stationiert gewesen. Im Jahr 2009 heuerte der Computerexperte seiner Darstellung zufolge bei einer Beratungsfirma an, die unter anderem für die NSA tätig ist. Dort sei ihm das Ausmaß der staatlichen Überwachung bewusst geworden, sagt Snowden dem „Guardian“. Der mit dem Versprechen von mehr Transparenz angetretene Obama habe „genau die Politik vorangetrieben, von der ich dachte, dass sie gezügelt wird“.

Vor drei Wochen kopierte Snowden laut „Guardian“ im NSA-Büro auf Hawaii die letzten Dokumente für seine Enthüllungen, anschließend setzte er sich in einen Flieger nach Hongkong. In der vergangenen Woche erschienen dann die Berichte über das Spähprogramm PRISM, mit dem die NSA direkt auf Server großer Internetfirmen wie Google zugreifen und so Nutzer weltweit überwachen soll. Außerdem veröffentlichte der „Guardian“ einen Gerichtsbeschluss, der es der NSA erlaubt, im Anti-Terror-Kampf wahllos Daten über die Handyverbindungen von Millionen Menschen in den USA zu sammeln.

Snowden rechnet fest mit einer Anklage in den USA. Den Zufluchtsort Hongkong wählte er, weil die frühere britische Kolonie eine „starke Tradition der freien Meinungsäußerung“ habe. Die Metropole gehört zu China, hat aber Sonderverwaltungsrechte. Ein Auslieferungsverfahren könnte Monate oder sogar Jahre dauern. Snowden sagt, er wolle sich um Asyl bemühen, vielleicht in Island: „Ich rechne nicht damit, meine Heimat wiederzusehen.“

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