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Pressefreiheit Mehr als 14 Jahre im Gefängnis

FR-Serie „Journalisten in Haft“: Hatice Duman wurde verhaftet, weil sie angeblich kommunistische Propaganda betrieb.

Demonstration für Pressefreiheit
Eine Demonstrantin am Internationalen Tag der Pressefreiheit fordert in Berlin Freiheit für alle Journalisten. Foto: imago

Auf den Fotos, die sich von ihr im Internet finden, lacht Hatice Duman ein herzliches, unbeschwert scheinendes Lachen. Auf einem der Bilder hält die junge Frau ihr kleines Kind im Arm. 

Es müssen alte Aufnahmen sein. Das Kleinkind von einst dürfte längst ein Teenager sein. Denn die kurdische Journalistin Hatice Duman, die einst über die kurdische Partei HDP, über Flüchtlinge und feministische Themen schrieb, sitzt seit mehr als 14 Jahren in türkischer Haft.
Angaben der „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) und mehrerer Medienberichte zufolge wurde die damalige Chefredakteurin der linken Wochenzeitung „Atilim“ im April 2003 verhaftet und gilt heute als eine der am längsten inhaftierten Journalistinnen weltweit. 

Die Ermittlungsbehörden warfen der damals 29-Jährigen vor, Mitglied der verbotenen marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei MLKP zu sein und für diese Propaganda zu betreiben. Außerdem soll sie im Besitz falscher Ausweispapiere gewesen sein, Waffen gestohlen und damit eine Bank überfallen haben. So geht es aus einer vom türkischen ROG-Vertreter Erol Önderoglu für die OSCE zusammengestellten Liste inhaftierter Journalistinnen und Journalisten hervor.

Hatice Duman, die 1996 als Reporterin bei „Atilim“ angefangen hatte und bereits ein Jahr später in die Chefredaktion aufstieg, hat diese Vorwürfe stets bestritten. Dennoch wurde sie auf Grundlage des umstrittenen türkischen Antiterrorgesetzes zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihre Zeitung stand auch später immer wieder im Fokus der türkischen Justiz, mehrere Kollegen Dumans verhaftet.

Alleine im Jahr 2009 soll die Zeitung fünf Mal vorübergehend geschlossen worden sein. Im Nachgang der regierungskritischen Gezipark-Proteste im Jahr 2013 wurden auch Redaktionsräume der „Atilim“ durchsucht. 

Soweit sich vereinzelte Medienberichte aus jüngeren Jahren finden lassen, scheint das letzte Wort in Hatice Dumans Fall aber noch nicht gesprochen. So wurde ihre lebenslange Haftstrafe dem amerikanischen Committee to Protect Journalists (CPJ) zufolge zwar im September 2012 bestätigt. Dumans Anwälte erreichten jedoch, dass das türkische Verfassungsgericht für 2016 eine Wiederaufnahme des Verfahrens anordnete. 

Den aktuellen Stand konnte die FR nicht in Erfahrung bringen. Der derzeitige Umgang mit Medienschaffenden in der Türkei lässt aber wenig Anlass zur Hoffnung. Immerhin: Das CPJ meldete in seinem letzten Gefängnisreport Ende 2016, das Dumans Wiederaufnahmeverfahren noch laufe.

Hatice Duman sitzt derweil weiter im Bakirköy-Frauengefängnis von Istanbul. Jüngst tauchte ihr Name auch in deutschsprachigen Medienberichten auf – denn in Bakirköy sitzt auch die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu mit ihrem zweijährigen Sohn ein und soll sich mit Hatice Duman und zwei Dutzend weiteren Frauen eine Zelle teilen, so berichteten die „Stuttgarter Nachrichten“ im Mai, rund zwei Wochen nach Tolus Festnahme. 

Nicht der einzige Berührungspunkt der beiden Frauen – auch Tolu werden, wie Hatice Duman, ihre angebliche Mitgliedschaft und Propaganda für eine terroristische Vereinigung, die MLKP, vorgeworfen. Und auch die Fotos Tolus, die seit ihrer Verhaftung kursieren, ähneln denen Hatice Dumans: eine junge Frau mit Kind im Arm, lächelnd, frei.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Journalisten in Haft

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