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Präsidentschaftswahlkampf Schlimmer als im Fernsehen

Parallel zum Vorwahlkampf in den USA startet die neue TV-Staffel von „House of Cards“ – die Serie ist ein Lehrstück der Machtkämpfe in der realen Politik.

Republican presidential candidate Trump gestures and declares "You're fired!" at a rally in Manchester
Donald Trump dominiert bisher die Vorwahlen ums Weiße Haus. Foto: REUTERS

Er ist niederträchtig, schreckt vor Verleumdung und Erpressung nicht zurück – und ist trotzdem wahnsinnig populär. Er ist nicht Donald Trump, doch seine Fangemeinde wächst ebenfalls und das sogar weltweit. Er heißt Frank Underwood und ist bereits Präsident der USA. Er ist ein Schauspielcharakter und der wichtigste Protagonist der beliebten Serie „House of Cards“, in deren neuer Staffel Underwood das zweite Mal zum Präsidenten gewählt werden will.

Die Parallelen zwischen der fiktiven Rolle Underwoods und der realen Show, die Donald Trump tagtäglich darbietet, sind so offensichtlich, dass man kaum an Zufall glauben will. Aber es ist natürlich ein Zufall. Doch was für einer!

Während Frank Underwood in der Netflix-Serie als Präsident der Vereinigten Staaten um seine Wiederwahl kämpft, müht sich der narzisstische Politpöbler Trump – als Exmoderator einer Realityshow im TV-Geschäft erfahren – Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Näher kann Fiktion wirklich kaum an der Realität sein.

Dennoch ist die Herausforderung, vor der die „House of Cards“-Macher stehen, wenn sie ab Freitag die vierte Staffel in den Streaming-Dienst geben (in Deutschland und Österreich auf Sky), groß: Wie eigentlich kann es eine Fernsehserie mit der Wirklichkeit aufnehmen, wenn die Realität absurder und grotesker erscheint als die Fiktion?

Es wird wahrscheinlich gelingen, das darf man annehmen. Sicher ist, dass die real existierende Schlammschlacht um die republikanische Präsidentschaftsnominierung und der bislang ungebremste Aufstieg des Donald Trump dem ausgedachten „House of Cards“ Rekordeinschaltquoten bescheren werden.

In der Serie verkörpert der US-Schauspieler Kevin Spacey den fiesen Frank Underwood, der vor übler Nachrede, Erpressung und selbst vor Mord nicht zurückschreckt, um ans Ziel zu gelangen, also in den Chefsessel im Weißen Haus. Niemand kann besser als Underwood ein maliziöses Lächeln über sein Gesicht ziehen lassen und dabei über seine Kollegen aus der Politik sagen: „Sie reden, während ich ruhig da sitze und mir vorstelle, wie ihre leicht gesalzenen Gesichter in der Pfanne brutzeln.“ Niemand kann so bösartig leise wie Underwood seine Frau Claire (Robin Wright) anzischen und ihr bedeuten, dass sie besser keine eigene Karriere in der Politik anstreben sollte.

Die Beschreibung des Washingtoner Politikbetriebs ist den Serienmachern so gut gelungen, dass laut Spacey selbst Expräsident Bill Clinton verzückt gesagt hat: „Kevin, 99 Prozent der Serie sind real.“ Unwirklich sei nur eines: „Niemals würde man ein Bildungsgesetz so schnell verabschieden können.“

Nun stammt Spaceys Satz über Clintons Freude an der Serie aus einer Zeit, in der Donald Trump noch in seinem Wolkenkratzer in New York saß und wahrscheinlich sein Geld zählte. Wird Spacey heute auf den Wahlkämpfer Trump angesprochen, wehrt er sich vehement gegen Vergleiche seiner Person mit dem Immobilienmogul. Er spiele Underwood nur, sagt er, er sei nicht Underwood: „Das hat mit meinem Leben nichts zu tun.“

Doch vor ein paar Wochen hat Spacey, der seit Jahrzehnten Anhänger der US-Demokraten ist, verraten, wie Underwood mit dem Phänomen umgehen würde. Zu einer Fernsehdebatte etwa würde es gar nicht erst kommen: „Es würde einen fürchterlichen Unfall auf dem Weg zur Debatte geben, und es wäre schrecklich und sehr traurig.“

Mittlerweile ist offenbar auch Spacey bewusst geworden, dass Donald Trumps Erfolg von Dauer sein könnte. „Wir bekommen, was wir verdienen“, sagte der zweifache Oscar-Preisträger vor kurzem bei der Enthüllung eines Underwood-Porträts, das jetzt in der ehrwürdigen National Portrait Gallery in Washington hängt. Weitere Fragen zum realen Wahlkampf lehnte er ab: „Hört zu, ich muss selbst eine Wahl gewinnen“, scherzte er. Die vierte Staffel, in der Underwood um seine Wiederwahl kämpft, beginnt mit einer Schlacht im Rosenkrieg zwischen dem Präsidenten und der First Lady.

Die Serie „House of Cards“ ist inzwischen zu einer Institution in Washington geworden. Eine fünfte Staffel ist schon geplant, sie soll 2017 gesendet werden. Dann wird man auch wissen, ob Donald Trump es in den realen Chefsessel im Weißen Haus geschafft hat.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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