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Präsidentschaftswahl Opposition siegt auf den Malediven

Bei der Präsidentschaftswahl setzt sich der Demokrat Solih gegen den Autokraten Yameen durch. Dieser hat schon einmal alle Versuche ihn zu stürzen mit Gewalt abgewehrt.

Wahlen auf den Malediven
Triumph der Unterdrückten: Anhänger der Opposition feiern den Wahlsieg. Foto: Eranga Jayawardena (AP)

Die Malediver haben ihren seit 2013 amtierenden autoritären Präsidenten Abdulla Yameen abgewählt. Seine Amtszeit war geprägt von der Verfolgung politischer Gegner und einer radikalen Islamisierung des Inselstaats im Indischen Ozean.

Kaum hatte sich Ibrahim Mohamed Solih, der Chef der Oppositionspartei Maldives Democratic Party, in der Nacht zum Montag zum Sieger erklärt, feierten begeisterte Anhänger in strömendem Regen auf den Straßen der Hauptstadt Male. „Dies ist ein Augenblick des Glücks und der Hoffnung“, verkündete „Ibu“, wie er genannt wird, „die Reise endete an den Wahlurnen, weil die Leute dies so wollten.“

Solih hatte seit Beginn der 90er Jahre eine führende Rolle in der Demokratiebewegung der Malediven gespielt und gilt als Mann, der Brücken schlagen kann. „Ich rufe Präsident Yameen auf, den Wahlwillen zu akzeptieren und eine ordentliche Amtsübergabe zu gewährleisten“, sagte Solih.

Aber auch am Tag nach dem Sieg über den von vielen Kritikern als korrupt geschmähten Regierungschef schweigt dieser. Lediglich das Außenministerium teilte in einer Mitteilung auf Twitter mit: „Die Opposition siegte bei den Wahlen.“ Im Inselrundfunk übermittelte offizielle Resultate des Urnengangs, den Yameen im Vorfeld durch massive Manipulationen versucht hatte zu seinen Gunsten zu beeinflussen, zeigten schon in der Nacht zum Montag, dass „Ibus“ Vorsprung vor Yameen uneinholbar war.

Yameen, der aus Furcht vor politischer Konkurrenz im vergangenen Juni selbst seinen Halbbruder, den 30 Jahre lang herrschenden Diktator Maumoon Abdul Gayoomm, hatte verhaften lassen, zeigte in der Vergangenheit außergewöhnlichen Erfindungsreichtum bei der Absicherung seiner Macht.

Greift Yameen erneut zu Gewalt, um seine Macht zu sichern?

Mit Hilfe von Polizei, ihm gewogenen Generälen, gewalttätigen Mopedgangs und einer willfährigen Justiz wehrte er seit 2013 alle Versuche ab, ihn zu stürzen. Jetzt herrscht die Furcht, dass Yameen erneut zu unlauteren Mittel greift, um den laut Verfassung für 17. November vorgesehenen Amtswechsel zu verhindern.

Die von 400.000 Menschen bewohnten Malediven sind bisher vor allem als Urlaubsziel bekannt. Zudem gelten sie als Beispiel für die verheerenden Folgen der Erderwärmung, wäre ein steigender Meeresspiegel doch eine tödliche Gefahr für die Inselgruppe.

Seit einigen Monaten stehen die Malediven aber auch im Mittelpunkt des Kampfs um die regionale Vorherrschaft in Asien. Präsident Yameen warf sich während seiner Amtszeit Saudi-Arabien und vor allem China in die Arme.

Der große Nachbar Indien wiederum vertritt mit Unterstützung der USA und Europas westliche Interessen. Die Malediven, so hoffen Delhis Außenpolitiker ebenso wie Washingtons Hardliner und ihre Freunde in Europa, sollen herhalten, um den Vormarsch Pekings zu stoppen.

Yameens Vorgänger Mohammed Nasheed, der seit seinem Sturz aus dem Exil im nahegelegenen Sri Lanka operiert, brachte bei einem Besuch in Indien sogar eine Militärintervention ins Spiel. Sollte Yameen nach seiner Niederlage freiwillig abtreten, dürfte es dazu nicht kommen.

Die Abwahl Yameens steht in einer Reihe demokratischer Umwälzungen in Asien in der jüngeren Vergangenheit. Malaysias Wähler schickten die seit 60 Jahren herrschende Umno-Partei in die Wüste. In Pakistan wurden erstmals seit der Unabhängigkeit die etablierten politischen Parteien in die Opposition verbannt,, und die Bevölkerung Sri Lankas schasste 2015 den Möchtegern-Diktator Mahindra Rajapkase.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Malediven

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