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Präsidentschaftswahl in Polen Rockstar wirbelt polnische Politszene auf

Pawel Kukiz bekam bei der polnischen Präsidentschaftswahl rund 20 Prozent der Stimmen. Damit ist sein Höhenflug keinesfalls zu Ende - mit seiner "Bürgerbewegung" könnte der Sänger entscheidend zur Abwahl der amtierenden Regierung beitragen.

Musik oder Politik? Pawel Kukiz kann sich nicht entscheiden. Foto: AFP

Die Präsidentschaftswahl vor vier Wochen hat Pawel Kukiz zwar verloren, doch er könnte europaweit der erste Musiker werden, der entscheidend zur Abwahl einer amtierenden Regierung beiträgt. Der 51-jährige Sänger hatte bei der polnischen Präsidentschaftswahl rund 20 Prozent der Stimmen bekommen und Platz drei erreicht.

Mit dem Erfolg ist Kukiz’ politischer Höhenflug keineswegs zu Ende. Laut aktuellen Umfragen könnte seine geplante „Bürgerbewegung“ – obwohl sie erst in diesem Monat gegründet wird und kaum Inhalte vorliegen – bei den Parlamentswahlen im Oktober mit gut 20 Prozent zweitstärkste Kraft werden. Sie liegt damit nur knapp hinter der oppositionellen Recht und Gerechtigkeit (PiS) und vor der regierenden Bürgerplattform (PO) von Premierministerin Ewa Kopacz, die auf nur 17 Prozent kommt.

Auch wenn sich die Stimmungslage in den fünf Monaten bis zur Wahl noch ändern kann: Beobachter werten, dass eine Kukiz-Partei der PiS zur Macht verhelfen könnte. Und die PiS-Spitze um Jaroslaw Kaczynski sieht das ebenso. „Kukiz will den Wandel und redet darüber. Wir wollen den Wandel ebenfalls“, sagt Beata Szydlo, PiS-Vizechefin und die neue starke Frau der Partei.

Rechte würden profitieren

Kukiz’ bislang vorgelegte Ideen sind äußerst vage und dürr. Zunächst will sich der einstige Unterstützer von Ex-Premier Donald Tusk in einem für September geplanten Referendum über die Einführung des Mehrheitswahlrechts engagieren. Der scheidende Präsident Bronislaw Komorowski hatte mit diesem Volksentscheid Kukiz’ zentrales Wahlkampfthema aufgegriffen.

Doch danach wolle der dreifache Familienvater „zurück auf die Musikbühne“, sagte Kukiz vor einer Woche. Ein paar Tage später meinte er jedoch, er könnte Vize-Premierminister werden, „oder Premierminister mit einem Koalitionär. Ich will nicht, aber ich muss, und wenn ich in der Regierung bin, werde ich das Staatssystem in ein probürgerliches ändern“. Auch wenn der Erfolg und die Aussagen des Sängers mitunter wie eine Farce anmuten: Kukiz könnte die liberal-konservative Regierung von Ewa Kopacz zu Grabe tragen. Denn der 51-Jährige könnte mittelfristig auf eine große Schar unzufriedener, meist junger Wähler zählen – sie waren es, die PiS-Kandidat Andrzej Duda im zweiten Wahlgang die entscheidenden Stimmen gaben. Auf den Listen von Kukiz’ künftiger Gruppierung sollen denn auch vor allem „junge Menschen im Alter zwischen 25 und 45 antreten“, so Kukiz.

Er will das Justizsystem reformieren, die Banken besteuern, Familien fördern – und liebäugelt mit Gruppierungen rechts der Mitte. „Wenn Kukiz es schafft, eine Bewegung zu formen, wird es im Parlament ein ‚Zünglein an der Waage‘ geben“, so der Politologe Miroslaw Karwat. „Und das wird zum Mehrwert für die politische Rechte.“

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