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Präsidentenwahl in Kolumbien Rechtsaußen Ivan Duque siegt in Kolumbien

Die Präsidentenwahl in Kolumbien belegt die tiefe Spaltung des Landes. Eine Stichwahl steht in drei Wochen an.

Cali
Eine Frau verlässt am Sonntag ein Wahllokal in der Stadt Cali im Südwesten Kolumbiens. Foto: afp

Am Ende war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mit dem für diesen Wahlsonntag niemand gerechnet hatte: Gustavo Petro, der Kandidat der kolumbianischen Linken, und Sergio Fajardo, der linksliberale Mathematik-Professor, stritten um den zweiten Platz bei der Präsidentenwahl und den Einzug in die Stichwahl am 17. Juni. Schließlich machte der 58 Jahre alte Ex-Rebell Petro mit 25,08 Prozent und nur 260.000 Stimmen mehr als Fajardo das Rennen. Als Zweiter, wohlgemerkt.

Mit 39 Prozent ging wie erwartet der Rechtsaußen-Kandidat Ivan Duque durchs Ziel. Der Schützling von Ex-Präsident Álvaro Uribe und Gegner des Friedensprozesses mit der Farc ist nun der große Favoriten auf die Präsidentschaft.

Für den scheidenden Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos ist das Wahlergebnis ein schwerer Schlag. Nicht nur weil sich die Kolumbianer für zwei Kandidaten der Extreme entschieden haben, sondern auch weil die beiden Bewerber des rechts-liberalen politischen Zentrums, darunter Santos’ Farc-Unterhändler Humberto de la Calle, auf die hinteren Plätze verwiesen wurden.

Die Wahl zeigt, wie tief gespalten und ideologisiert das südamerikanische Land ist. Es ist geteilt zwischen Friedensgegnern und Friedensbefürwortern, zwischen überzeugten Neoliberalen und Anhängern eines starken Staates, zwischen mehr oder weniger Blick auf die Armen und Unterprivilegierten. Duque und Petro haben völlig verschiedene Visionen ihres Kolumbien.

Gustavo Petros großes Ziel ist, möglichst viele Kolumbianer von der Armut in die Mittelschicht zu führen. Dabei denkt er auch an Umverteilung von gesellschaftlichem Reichtum, was für Duque Teufelswerk ist. Aber viele Kolumbianer halten solche Schritte für notwendig, was das gute Ergebnis für den Linkskandidaten auch belegt. Es ist überhaupt das erste Mal in der jüngeren Geschichte des Andenstaates, dass ein so prononciert linker Kandidat in die Stichwahl kommt. Ein Sieg des ehemaligen Bürgermeisters von Bogotá in der entscheidenden Runde würde den größten Bruch mit dem politischen System bedeuten.

Die Wahlbeteiligung erreichte am Sonntag einen Rekord von 53 Prozent, was politische Beobachter auch als Beleg für den Wunsch der Menschen nach Veränderung sehen. Fast 20 Millionen Wahlberechtigte gingen an die Urnen.

Kolumbien stehen jetzt drei politisch turbulente Wochen bevor, in denen vor allem Petro versuchen muss, Allianzen zu schmieden und die Wählerstimmen von Fajardo zu gewinnen. Aber es ist wenig wahrscheinlich, dass die Wähler des Drittplatzierten Fajardo in der Stichwahl allesamt zu Petro wechseln. Dafür fremdelt Fajardo mit zu vielen von Petros Ideen. In seiner Rede am Sonntagabend vermied er es denn auch tunlichst, eine Wahlempfehlung abzugeben. Nach Ansicht des Analysten León Valencia wird sich Fajardo angesichts seiner vielen Wähler aber nicht lange zieren können. „Er wird sich entscheiden müssen, wen er mit seinen 4,5 Millionen Stimmen unterstützen will“, sagte der Direktor der „Stiftung für Frieden und Versöhnung“.

Bei einer Stichwahl zwischen Duque und Petro werde der Rechte sicher gewinnen, ist der politische Analyst und Akademische Direktor des Forschungsinstituts ICP, Andrés Molano, überzeugt. Kolumbien sei noch nicht bereit für einen linken Präsidenten. „Zudem ist der Anti-Petrismus sehr groß.“ 40 Prozent der Kolumbianer sagen, sie würde niemals für Petro stimmen, der als arrogant gilt und „antisystemische“ Positionen vertritt. Seine Gegner und weite Teile der Medien haben zudem ständig versucht, Petro als jemanden darzustellen, der Kolumbien in ein zweites Venezuela verwandeln will. Der Zweitplatzierte distanzierte sich am Sonntag aber deutlich von Venezuela und seinem Präsidenten Nicolás Maduro, den er als „Diktator“ bezeichnete.

Der 41 Jahre alte Senator Duque ist ein Newcomer in der Politik, der lange von dem ultra-rechten Ex-Präsidenten Uribe gefördert und aufgebaut wurde. Duque war zwölf Jahre in den USA Berater von Finanzorganisationen, die meiste Zeit davon bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Er ist ein Gegner des Abkommens mit der Ex-Guerilla Farc, weil er darin ausreichende Gerechtigkeit für die Opfer vermisst. Er will den so schwer errungenen Friedensschluss überarbeiten – und da vor allem die politische Beteiligung der früheren Rebellen und das System aus Übergangsjustiz mit Teilamnestie und geringen Strafen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Kolumbien

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