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Porträt Wachsame Großmütter

Auch Roni Hammermann kann sich Schöneres vorstellen, als früh in Kalandia zu stehen, dem Militärcheckpoint auf der Strecke Ramallah - Jerusalem. Zwischen

Auch Roni Hammermann kann sich Schöneres vorstellen, als früh in Kalandia zu stehen, dem Militärcheckpoint auf der Strecke Ramallah - Jerusalem. Zwischen fünf und sieben Uhr drängen sich 3500 palästinensische Arbeiter in den Käfigen zwischen den Drehtüren, um zu den Baustellen und Großküchen in Israel zu gelangen. "Die Szenen, die sich dabei abspielen", sagt Roni Hammermann, "sind schwer zu beschreiben."

Aber genau das tut die 68-Jährige. Penibel registriert sie Wartezeiten, besondere Vorkommnisse, das Verhalten der israelischen Soldaten. So wie ihre rund 450 Mitstreiterinnen von Machsom Watch. Israelische Mütter und Großmütter, die darüber wachen, dass Menschenrechtsverstöße an den Checkpoints (hebräisch: Machsom) nicht unbemerkt bleiben. Stellvertretend für alle erhält Roni Hammermann an diesem Montag den renommierten Aachener Friedenspreis. Die Auszeichnung empfindet sie als "unerhört wichtige moralische Unterstützung". Schon deshalb, "weil wir im eigenen Land so angefeindet sind" - etwa vom rechten Siedler-Sender Arutz Scheva, der den Frauen vorwirft, die "fantastische Arbeit" der Armee zu untergraben.

Die Realität der Checkpoints sieht anders aus. Kranke starben, Schwangere mussten an einer Straßenblockade gebären, weil Soldaten sie auf dem Weg ins Krankenhaus nicht durchließen. Ein solcher Fall war es auch, der Roni Hammermann vor sieben Jahren auf die Idee brachte, die Organisation zu gründen.

Unrecht wahrzunehmen begreift sie "als das Erbe meines Großvaters". Der orthodoxe Jude aus Ungarn wurde mit seinem jüngsten Sohn in Auschwitz ermordet. Kurz zuvor hatte er einen Lagerinsassen gebeten, der Welt von ihrem Schicksal zu berichten. Roni, die Enkelin, die in Tel Aviv zur Welt kam und in Wien aufwuchs, hat sich zur Devise gemacht, nirgends wegzuschauen, wenn Menschen leiden.

Ihr anderes Motiv: "Alle Kanäle für einen Dialog mit den Palästinensern offen halten." Deshalb hat sie gleich die Chance genutzt, Mitri Raheb (46) zu treffen: den palästinensischen Pastor in Bethlehem und Initiator einer ökumenischen Begegnungsstätte, der mit ihr in Aachen geehrt wird.

Das Checkpointsystem besteht zwar mit oder ohne Machsom Watch. Viel mehr, als junge Gefreite im mütterlichen Ton zu mahnen, dass auch ein Mensch in Uniform verantwortungsvoll handeln muss, können die Frauen nicht tun. Aber nicht umsonst bekommt sie von Palästinensern oft zu hören: "Ihr solltet rund um die Uhr dort sein." Auch sie hat die Erfahrung gemacht: "Sobald die Armee uns gesichtet hat, geht alles plötzlich schneller." So geht sie auf Machsom-Tour, statt schönen Künsten zu frönen, ihrer anderen Leidenschaft, in der sie promoviert hat: russische Literatur.

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