Lade Inhalte...

Porträt Triumphgefühle sind ihm fremd

Reinhard Nemetz, Leitender Oberstaatsanwalt, ist ein Jurist mit exzellentem Fachwissen und hohen Ansprüchen. Jetzt hat seine Stunde geschlagen. Er darf den Waffenlobbyisten Schreiben vor Gericht zerren.

05.08.2009 00:08
Iris Hilberth
Die Stunde des Siegers: Reinhard Nemetz. Foto: dpa

Reinhard Nemetz ist keiner, der gern Gefühle zeigt. Nüchtern und sachlich trat er stets auf, wenn er in einer Verhandlungspause in einem Prozess vor dem Augsburger Landgericht wieder einmal nach Karlheinz Schreiber, nach Holger Pfahls, nach Max Strauß, nach Dieter Holzer oder den Thyssen-Managern Jürgen Maßmann und Winfried Haastert gefragt wurde.

Nemetz, Leitender Oberstaatsanwalt, ein Jurist mit exzellentem Fachwissen und hohen Ansprüchen, hat seit zehn Jahren mit dieser verworrenen Geschichte um Schmiergeldzahlungen und Steuerhinterziehung zu tun.

Und manches Mal, wenn er im Justizzentrum an der Gögginger Straße eines der Verfahren gegen Protagonisten dieser Affäre verfolgte, wirkte er fast ein bisschen müde. Wenn die sogenannte Schlüsselfigur, Karlheinz Schreiber, in Kanada zum x-ten Mal eine Auslieferung mit allerlei juristischen Tricks verhindert hatte, war der Frust ihm anzusehen.

Andererseits war bei dem Juristen auch kein triumphierender Gesichtsausdruck zu bemerken, als vor fünf Jahren das "Phantom" Holger Pfahls ins Netz der Ermittler gegangen war. Für Nemetz nur eine Bestätigung seiner Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit: "Wir erwischen sie alle. Auch Schreiber." Er betonte aber auch: "Ich werde nicht für Emotionen bezahlt." Mit dieser Einstellung konnte er selbst Beleidigungen Schreibers locker wegstecken, der aus Kanada ätzte: "Wenn Dummheit weh täte, wäre Nemetz schon lange tot."

Ein Aufstieg ganz klassisch

Nemetz schwieg dazu. Auch jetzt, da der Tag gekommen ist, auf den die Staatsanwaltschaft so lange gewartet hat und Schreiber endlich in Augsburg in Untersuchungshaft sitzt, kommen keine Worte des Triumphes über seine Lippen. Mit vorsichtigem Lächeln sagt er: "Ich fahre ziemlich zufrieden in den Urlaub."

Der Aufstieg des gebürtigen Augsburgers verlief ganz klassisch vom Staatsanwalt über den Strafrichter, Gruppenleiter und Abteilungsleiter. 1995 wurde er stellvertretender Chef der Augsburger Staatsanwaltschaft. Als 1999 der Leitende Oberstaatsanwalt verunglückte, trat Nemetz, damals 48 Jahre alt, dessen Nachfolge an. "Er galt als zuverlässiger und verschwiegener Arbeiter", heißt es in dem Buch "Allein gegen Kohl, Kiep und Co."

Sein Job sei eines seiner Hobbys, wird er zitiert. Er sammelt Mineralien und Taschenuhren. Bekennender Tierfreund ist er auch. So nüchtern und spröde der heute 59-Jährige wirkt, mitunter beweist er überraschend Humor. So berichtet er in dem von Studenten zusammengetragenen "Augsburger Lebenswegen": "Früher habe ich immer zu den Richtern gesagt: Wenn Sie kein ordentliches Urteil fällen, wird mein Graupapagei die Revision begründen."

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen