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Porträt Jean-Christophe Mitterrand Der Dunkelmann

Besonders nah waren sich der verstorbene französische Präsident Francois Mitterand und sein Sohn nie - trotzdem gilt letzterer als Vatersöhnchen. Er ist Beschuldigter im Angolagate-Prozess.

Die Franzosen haben ihn "Papa m'a dit" getauft, "Papa hat mir gesagt". Das klingt nach Papasöhnchen, nach enger Bande zwischen Vater und Sohn. Doch besonders nah waren sich die beiden nie. Auch ihre politische Karriere verlief recht unterschiedlich. Während der Anfang 1996 verstorbene Präsident François Mitterrand vielen im Land im Rückblick als Lichtgestalt erscheint, macht dessen Filius und einstiger Afrikaberater, Jean-Christophe, vor allem als Dunkelmann von sich reden.

Anfang 2001 saß er gut einen Monat wegen Korruptionsverdacht in Untersuchungshaft. Im Juni 2004 musste er als mutmaßlicher Geldwäscher 24 Stunden in Polizeigewahrsam verbringen. Es folgte ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung. Und nun ist der Mitterrand-Sohn in erster Instanz verurteilt worden.

Ein Pariser Geschworenengericht verhängte eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung gegen den 62-Jährigen sowie eine Geldstrafe von 375.000 Euro. Als einer von 42 Beschuldigten hatte sich der älteste Sohn des Präsidenten im Angolagate-Verfahren zu verantworten, einem der größten Schmiergeldprozesse der französischen Geschichte.

Um illegale Waffenlieferungen an den einst von Unita-Rebellen herausgeforderten angolanischen Präsidenten Eduardo Dos Santos ging es und eben um Jean-Christophe Mitterrand, der hierzu die Hand gereicht hatte. Vergeblich war Dos Santos Anfang der 1990er Jahre bei Mitterrand senior vorstellig geworden. Er schicke keine Waffen in Kriegsgebiete, ließ dieser wissen. Beim Sohn, von 1986 bis 1992 Afrikaberater des Vaters, war er erfolgreicher.

Jean-Christophe Mitterrand verwies Dos Santos an den Waffenhändler Pierre Falcone und dessen Partner Arkadi Gaydamak, einen früheren russischen Geheimdienstoffizier. Von 1993 bis 1998 gelangten Panzer, Kanonen, Helikopter und Kriegsschiffe aus Beständen der Ex-Sowjetunion ins afrikanische Bürgerkriegsland. Im Keller eines Palasts im feinen 16. Pariser Arrondissement wechselten Millionen Dollar in Koffern und Umschlägen den Besitzer. Mitterrand junior kassierte zwei Millionen Dollar. "Beraterhonorar", nannte er seinen Anteil vor Gericht.

Zustatten kam ihm, dass er nicht nur über exzellente Kontakte verfügte, sondern Afrika aus eigener Anschauung gut kannte. 1973 hatte er als Westafrikakorrespondent bei der Nachrichtenagentur AFP angeheuert. Als der Vater 1981 in den Elysée-Palast einzog, geriet der Sohn beruflich in die Defensive. Was immer er schrieb, stand unter dem Vorbehalt des "Papa hat mir gesagt". 1982 kündigte er. "Die Wahl des Vaters zum Präsidenten war der Anfang allen Übels", hat sein Anwalt gesagt. Niemand hat widersprochen.

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