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Porträt "Hubert Ulrich" "Banalo" wird bedeutend

CDU, FDP, SPD und Linke. Hubert Ulrich, der Grüne von der Saar, hat sie alle in der Hand. Und egal, wem er im Saarland an die Macht verhelfen wird. Der Preis wird hoch. Von Astrid Hölscher

31.08.2009 00:08
Von Astrid Hölscher

Das Grinsen reicht schier von einem Ohr zum anderen, so sieht ein Sieger aus. Hubert Ulrich, der Grüne von der Saar, hat sie alle in der Hand: Peter Müller von der CDU, der ihn nebst Freidemokraten für ein Jamaika-Bündnis bräuchte, ebenso wie Heiko Maas und Oskar Lafontaine, die feindlichen Brüder in Rot, die ohne seine Grünen nur Opposition sind.

Und wenn sich Ulrich am Montag nach der Wahl ein bisschen widerspenstig gibt, dann nicht nur, um diesen Moment der Machtfülle möglichst lange auszukosten. Vielleicht ist sogar ihm noch nicht völlig klar, wohin er letztlich neigen wird. Gewiss erscheint nur: Der Preis wird hoch, und die Seinen werden ihm folgen, wie fast immer in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten.

Hubert Ulrich, 1957 in Saarlouis geboren, gelernter Werkzeugmacher und über den zweiten Bildungsweg zum Wirtschaftsingenieur avanciert, hat eine harte politische Schule durchlaufen. Seit 1982 ist er bei den Grünen, die Karriere über Ortsverband, Kreis- und Landesvorsitz mutet geradlinig an, geradezu bieder.

Wenn da nicht jene "Dienstwagenaffäre" wäre - immerhin etwas, das ihn mit der SPD verbindet -, die 1999 seinen ersten Auftritt im Saarbrücker Landtag beendete. Vier Mal hatte der Grünen-Fraktionschef ein Auto mit Behördenrabatt erworben - und mit Gewinn weiterverkauft. Keine Luxuskarosse, sondern den Mondeo seines früheren Arbeitgebers Ford; Hubert Ulrich ist halt eine treue Seele.

Die Staatsanwaltschaft hegte den Verdacht, er hätte sich Vorteile "erschlichen", und stellte die Ermittlungen erst zwei Jahre später ein. Seiner politischen Laufbahn hat die Rabattschlacht nicht geschadet, 2002 zog er in den Bundestag, 2004 kehrte er freiwillig heim in den Saar-Landtag.

Dort zieht Ulrich seitdem die Strippen, mal rechts, mal links und stets mit Fleiß; in dieser Legislaturperiode war er mit 115 Anfragen der eifrigste Parlamentarier. Oft als Pragmatiker unterschätzt - "Banalo" lautete das außersaarländische Spottwort, daheim nannten sie ihn "Rambo" -, erweiterte er gezielt seinen Spielraum im kleinen Flächenstaat. Er förderte schwarz-grüne Bündnisse auf kommunaler Ebene, unter anderem in Saarbrücken, was jetzt Gespräche erleichtern könnte. Auch Ulrichs Absage an den Kohlebergbau findet eher bei Schwarz-Gelb Anklang.

Eine herzhafte Abneigung verbindet Ulrich mit Lafontaine, der schon als SPD-Chef im Land jede Anstrengung unternahm, die Grünen überflüssig zu machen. Jetzt von links hatte Lafontaine im Wahlkampf gewarnt, wer Grüne wähle, werde sich noch schwarz ärgern. Aber Worte von gestern verhindern noch kein Bündnis von morgen. Zumindest nicht unter Profis im Machtpoker.

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