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Porträt Faironika, die bunte Kuh

Faironika, die schwarz-rot-goldene Kuh, das Symbol für einen gerechten Milchpreis, ist ein Star. "Die faire Milch" steht auf ihrem Plastikkörper. Längst ist sie vom bloßen politischen Symbol zum Marketingartikel mutiert.

Foto: Thomas Plaßmann

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat auch eine. Faironika, die schwarz-rot-goldene Kuh, das Symbol für einen gerechten Milchpreis, steht auf dem Sideboard im Ministerbüro, gleich links neben den "kleinen gelben Pferden" von Franz Marc. Ob sie Faironika wohl vom Chef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, persönlich bekommen hat? Oh, das wisse sie nicht mehr, schließlich habe sie, obwohl erst seit Oktober im Amt, bereits "einige" Faironikas von den Milchbauern bekommen.

Egal, im Ministerbüro ist die bunte Plastikkuh schon wegen der drallen Deutschland-Farben nicht zu übersehen, und sie ist bei allen (milch-)politischen Entscheidungen der Ministerin präsent. "Die faire Milch" steht in dicken Lettern auf dem lebensgroßen Plastikkörper. Faironika ist überall dabei: natürlich auch beim gestrigen Besuch der Bäuerinnnen bei Kanzlerin Angela Merkel. Sie allerdings bekam nur die Stoffversion, immerhin, eine "ganz besonders weiche Kuh", wie eine der Bäuerinnen versichert.

Faironika ist keine deutsche, sondern eine österreichische Erfindung. Dort hatte die IG Milch, der Alpenableger des BDM, Faironika ersonnen, um ein vorzeigbares und zugleich mobiles Zeichen für den Milchpreis-Kampf zu haben.

Inzwischen hat die Botschafterin Faironika Europa erobert. Wo immer Bauern mehr Milchgeld brauchen, begleitet die Kuh die Demos und Kundgebungen der im European Milk Board organisierten Landwirte, meistens unter ihrem deutschen Namen, oft aber auch unter einem anderen, der aber immer die Forderung symbolisch wiedergibt. So nennt der italienische Agricoltore seine Faironika dann Onestina, etwa: die Ehrliche, die Rechtschaffende, und in Frankreich, selbstredend in die Farben der Trikolore getaucht, sagt der Paysan zu ihr Justine, also: die Gerechte.

Längst ist Faironika vom bloßen politischen Symbol zum Marketingartikel mutiert. Im Webshop des BDM kann man sie in allerlei Größen und Formen erwerben. Faironika gibt es als Schlüsselanhänger für 15 Euro oder als waschbares Plüschtier für 38 Euro. Die kleine Plastikfigur, wie sie bei Aigner im Büro steht ("Kuh klein, 0,7 m x 0,45 m") und wie sie bereits 2460 Male verkauft oder verschenkt wurde, kostet 60 bis 108 Euro, je nachdem, ob ein Mitglied oder "nur" ein Sympathisant Faironika ersteht.

Die lebensgroße Figur ist ab 500 Euro zu haben. 682 Faironikas dieses Typs von Weideformat stehen irgendwo in Deutschland. Eine davon bei den Berchtesgadener Milchwerken: Die Molkerei hatte sich Faironika buchstäblich verdient, als sie gleich nach dem Streik vor einem Jahr den Milchpreis von 40 auf 43 Cent anhob. Lang ist es her. Der Preis hat sich bundesweit inzwischen mehr als halbiert.

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