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Porträt Auf Guidos Spuren

Lasse Becker ist neuer Vorsitzender der Jungen Liberalen. Prompt klingelt das Telefon - und Westerwelle ist am Apparat. Bald wollen sich die beiden zusammensetzen. Von Pitt von Bebenburg

Lasse Becker, 27, Freidemokrat aus Hessen, ist zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt worden. Foto: dpa

Bei Lasse Becker, 27, klingelte am Wochenende das Telefon. Aus Südafrika rief Außenminister Guido Westerwelle an, um seinem Nach-Nachfolger zu gratulieren. Becker, Wirtschaftswissenschaftler aus der Nähe von Kassel, war zum Vorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt worden. Westerwelle hatte den Führungsposten bei der FDP-Nachwuchsorganisation von 1983 an fünf Jahre lang inne.

Demnächst wollen sich Partei-Vorsitzender und Nachwuchschef zusammensetzen. Es gibt viel zu besprechen. Etwa zum Punkt Internetzensur. Becker will beim FDP-Bundesparteitag klare Signale an die Regierung senden, dass Stoppschilder auf verbotenen Internet-Seiten nichts bringen. "Man muss solche Inhalte löschen."

Der neue Juli-Vorsitzende weiß, wie man auf Parteitagen erfolgreich für seine Positionen kämpft. Als hessischer Landesvorsitzender der Julis hat der junge Mann bemerkenswerte Erfolge errungen. Die Absage an Online-Durchsuchungen kam nach einer Kontroverse, die er mit FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn ausfocht, ins Landtagswahl-Programm. Auch das Aus für Studiengebühren trug in der hessischen FDP Beckers Handschrift.

Der Twen aus Nordhessen, der im niedersächsischen Göttingen an der Uni arbeitet, kann trotz seiner jungen Jahre schon auf eine bemerkenswerte politische Erfahrung zurückblicken. Dabei entspricht er überhaupt nicht dem Abziehbild eines jung-dynamischen Karrieristen. Eher strahlt Becker Bodenständigkeit aus.

Bereits mit 18 Jahren zog Lasse Becker in den Kreistag Kassel-Land ein. Drei Jahre später wurde er Landesvorsitzender der Julis, was er fünf Jahre lang blieb. Dem hessischen FDP-Landesvorstand gehört Becker seit 2005 an. Nun ist er mit dem neuen Juli-Amt zugleich kooptiertes Mitglied im FDP-Bundesvorstand.

Seine Wahl ins neue Amt stand am Wochenende auf des Messers Schneide. Erst im zweiten Wahlgang setzte er sich mit 101 zu 98 Stimmen gegen den 22 Jahre alten Leif Schubert aus Baden-Württemberg durch.

Bonn, wo Becker seinen Erfolg feierte, ist für die Julis historisches Pflaster. Dort wurde die Gruppierung 1979 gegründet, deren erster Vorsitzender der heutige Wirtschafts-Staatssekretär Hans-Joachim Otto war. Zur offiziellen Nachwuchs-Organisation der FDP wurden die Julis erst 1982, nachdem sich die Jungdemokraten wegen der Wende ihrer Partei hin zu Helmut Kohls CDU von der FDP entfremdet hatten.

Heute ist die FDP den Julis bisweilen zu CDU-nah. Das bekam Hahn zu spüren. 2005 wurde er mit schwachem Ergebnis zum hessischen FDP-Chef gewählt. Becker hatte ihm eine zu große Nähe zu Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vorgeworfen.

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