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Polizeieinsatz Razzia im Düsseldorfer "Maghreb-Viertel"

Großrazzia in Düsseldorf: 300 Beamte durchsuchen im sogenannten "Maghreb-Viertel" nahe des Hauptbahnhofs Cafés, Spielcasinos und Shisha-Bars. 40 Verdächtige werden festgenommen.

17.01.2016 13:10
Von Detlef Schmalenberg
Polizisten durchsuchen ein Café im sogenannten "Maghreb-Viertel" in Düsseldorf. Foto: dpa

Mehr als 300 Polizisten und Beamte des städtischen Ordnungs- und Ausländeramtes wurden am Samstagnachmittag eingesetzt, um 18 Cafés, Spielcasinos und Shisha-Bars in der Nähe des Hauptbahnhofs zeitgleich abzuriegeln: Bei einer Razzia im sogenannten Maghreb-Viertel von Düsseldorf wurden 40 Männer aus Nordafrika vorläufig festgenommen. Bei 38 von ihnen besteht der Verdacht des illegalen Aufenthalts, ein Beschuldigter war bereits zur Abschiebung ausgeschrieben und ein weiterer ist wegen des Verdachts der Hehlerei festgenommen worden. Die eingesetzten Beamten fertigten sieben Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und jeweils eine Anzeige wegen Diebstahls, Betruges und eines möglichen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Insgesamt seien 294 Menschen überprüft worden, teilte die Polizei in einer ersten Bilanz der sechsstündigen Razzia am Sonntag mit.

Das Viertel um den Düsseldorfer Bahnhof gilt als Rückzugsort für Banden, die für Taschen- und Gepäckdiebstahl, Straßenraub, aber auch Drogendelikte infrage kommen. Die Verdächtigen sind überwiegend Nordafrikaner, weshalb oft vom Maghreb-Viertel die Rede ist. Zum Maghreb zählen vor allem die nordafrikanischen Staaten Marokko, Algerien und Tunesien.

Kein Zusammenhang mit Silvesternacht

Die Razzia sei schon im vergangenen Jahr geplant worden, betonte die Polizei, und habe nichts mit den Vorkommnissen in der Kölner Silvesternacht zu tun. „Gleichwohl rechnen wir mit Erkenntnissen, die die Ermittlungen vorantreiben könnten“, erklärte der Einsatzleiter mit Blick auf die Arbeit der Kölner Kollegen. Es wurden sechs Mobiltelefone und ein Notebook gefunden, die aus Straftaten stammen. „Die aber konnten noch keinem Täter zugeordnet werden, weil diese die Geräte auf den Boden geworfen hatten, als unsere Kollegen die Läden abgesperrt haben“, so Polizeisprecher Marcel Fiebig.

Die Düsseldorfer Razzia hat eine einjährige Vorgeschichte. Im Januar vergangenen Jahres waren in Bahnhofsnähe 15 Nordafrikaner festgenommen worden, die sich illegal in Deutschland aufhielten. „Im Viertel hat sich ein soziales, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum gebildet, das Personen als Rückzugsraum dient, die im Verdacht stehen, Taschen- und Gepäckdiebstähle, aber auch Straßenraubdelikte und Einbrüche zu begehen“, erklärte damals Einsatzleiter Roland Wolff. Und: „Wir müssen dahin, wo sich die Täter sicher fühlen, ihre Taten verabreden und die gemachte Beute absetzen.“ Die Festnahmen hätten „eine Menge an Erkenntnissen gebracht.“

Um die Zusammenhänge aufzuklären, startete die Düsseldorfer Polizei das „Analyseprojekt Casablanca“. Die Untersuchung ergab, dass sich in der Landeshauptstadt  2244 Verdächtige aus Nordafrika aufhalten, die Mehrheit von ihnen (1256 Verdächtige) stammt aus Marokko. Den Männern werden rund 4400 Straftaten zur Last gelegt. Dabei handelt es sich vor allem um Trickdiebstähle, Raub und Straßenkriminalität, sexuelle Übergriffe seien nur „in einer niedrigen zweistelligen Zahl“ angezeigt worden, so ein Behördensprecher.

Nicht eingerechnet in die Bilanz wurden etwa 400 Diebstähle, die nach Angaben der Bundespolizei im vergangenen Jahr von Banden aus Nordafrika am Düsseldorfer Hauptbahnhof begangen wurden. Die Polizei habe mehr oder weniger tatenlos zusehen müssen, wie die kriminelle Szene wachse, sagte Sebastian Fiedler vom „Bund Deutscher Kriminalisten“ (BdK) dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wie jetzt in Düsseldorf wissen wir genau, was da abgeht, haben aber kein Personal dafür, intensiv dagegen vorzugehen.“

Nicht nur in Köln und Düsseldorf, auch in anderen nordrhein-westfälischen Städten rücken nordafrikanische Tätergruppen, über die jahrelang kaum geredet wurde, derzeit immer mehr in den Mittelpunkt. Vor allem wegen der sogenannten „Antänzer“, die Passanten belästigen und bestehlen, hat beispielsweise die Mönchengladbacher Polizei ihre Präsenz in der Altstadt insbesondere an Wochenenden deutlich erhöht. Dafür wurden jetzt die Dienst- und Schichtpläne geändert, heißt es.

In Aachen wird es kommende Woche eine Pressekonferenz zum Umgang mit Tätern aus den Maghreb-Staaten geben, die immer wieder durch Diebstahl, Raub oder Körperverletzung auffallen, bestätigte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Die Aachener Staatsanwaltschaft bündelt derartige Ermittlungen neuerdings in ihrer politischen Abteilung. Ähnlich wie zuvor schon bei der Rockerkriminalität, könne so effektiver und schneller gearbeitet werden, auch weil die Entscheidungswegen kürzer würden, sagte ein Behördensprecher.

Als Reaktion auf die Ausschreitungen der Kölner Silvesternacht kündigte das nordrhein-westfälische Innenministerium am Sonntag an, an Karneval landesweit rund 2.400 zusätzliche Polizisten einzusetzen. Bei den Beamten handele es um Kommissaranwärter und deren Ausbilder. (mit dpa)


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