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Polizeiausstellung Die drei Kugeln in der Vitrine

Berlins Polizeipräsidium erinnert an das Attentat auf Rudi Dutschke.

Rudi Dutschke
Rudi Dutschke im Januar 1968 vor Jungdemokraten in Freiburg. Foto: epd

Jens Dobler ist Leiter der Polizeihistorischen Sammlung im Berliner Polizeipräsidium, Platz der Luftbrücke 6. Er erklärte bei der Eröffnung der Ausstellung „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“: „Rudi Dutschkes langer Marsch durch die Institutionen hat ihn jetzt, nach fünfzig Jahren, auch ins Polizeimuseum geführt.“ Es geht dabei um eine Handvoll Vitrinen, die zeigen, was im Polizeimuseum über den Anschlag auf Rudi Dutschke vom 11. April 1968 sich erhalten hat.

Ein paar Dinge wurden hinzugefügt. Zum Beispiel auch vier von Arved Messmer gestaltete Folianten, die Polizeifotos zu den Berliner Demonstrationen der Studentenbewegung der Jahre 1966 bis 1970 zeigen. Die journalistischen Fotos zeigen Motive. Hält ein Demonstrant ein Kreuz, dann steht das im Zentrum. So entstehen Ikonen der Revolte. Die Polizeifotografen hatten andere Interessen.

Selbstverständlich bekommen wir nur eine Auswahl zu sehen. Eine irreführende Auswahl nehme ich an. Nichts ist davon zu merken, dass strafrechtlich relevante Handlungen festgehalten, dass Täter überführt werden sollten. So scheinen die Aufnahmen nur das Ziel zu haben, möglichst nichts zu zeigen. Dilettantenfotos von Leuten, die sich darauf verstanden, immer am falschen Fleck zu stehen. Wenn man nicht zeigen möchte, wozu man da ist, dann wirkt es, als stände man nur dumm rum.

Es liegen auch auf einem Teller drei große, fleischige Tomaten. Sie stehen stellvertretend für die Tomaten, die SDS-Frauen im September 1968 in Frankfurt am Main auf führende Mitglieder des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes warfen. Dazu gab es ein Flugblatt: „Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen“. Das hat mit dem 11. April 1968, mit dem Attentat des Hilfsarbeiters Josef Bachmann auf Rudi Dutschke, den bekanntesten Sprecher der Studentenbewegung, nichts zu tun.

Also zurück zur ersten Vitrine. Da liegt der Text des Liedes „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“, das Wolf Biermann schrieb. Die drei Kugeln kamen, so Biermann vom Zeitungsmagnaten Springer, vom Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz und vom „Edel-Nazi-Kanzler“ Kiesinger. Der Mörder selbst wird nicht genannt. Auch dass er aus dem rechtsradikalen Milieu kam, interessierte Biermann nicht. „Wir haben genau gesehen, wer da geschossen hat“, schrieb Biermann und dachten die Protestler. „Genau sehen“ hieß eben nicht genau hinsehen, sondern das sehen, worauf es einem ankam. Das ist sehr schön in dieser Ausstellung zu sehen.

Zur Eröffnung am Montag war Auftrieb in der Ausstellung. Gretchen Dutschke, eine 75jährige, zierliche, weißhaarige Frau geht auf die erste Vitrine zu. Darin liegen die drei Kugeln, die damals als sie 25 Jahre alt war, ihren Mann niederstreckten, die man in einer Reihe von Operationen aus seinem Kopf und seiner Schulter hatte entfernen müssen. Sie betrachtet die Kugel, dreht sich um bittet ein kleines Mädchen, wohl eine ihrer Enkelinnen, näher heranzukommen und sich die kleinen metallenen Zigarettenstummeln anzusehen. Das Mädchen blickt kurz darauf, sieht ihre Großmutter ins Gesicht und wendet sich ab.

Ein Dutzend Kameras klicken. Sie klicken unentwegt. Gretchen Dutschke beugt sich noch einmal über die Vitrine, entdeckt das Biermann-Lied und will weitergehen. „Können Sie bitte noch einmal auf die Kugeln sehen“, bittet sie ein Fotograf. Gretchen Dutschke lächelt ihn an und beugt sich noch einmal über die Kugeln, die einmal im Kopf ihres Mannes gesteckt hatten. „Blicken Sie doch dabei bitte in die Kamera“, erklärt der Fotograf. Sie lächelt wieder und tut es.

Tod als Märtyrer im Kugelhagel

Die zweite Vitrine beschäftigt sich mit dem Attentäter Josef Bachmann. Man sieht Fotos der Mordwaffe, des Tatorts, die Schuhe des Opfers. Am Rande der Vitrine ein kurzer Text: „Josef Bachmann flüchtete nach dem Attentat auf eine Baustelle in der Nestorstraße 54, wo er sich eine Schießerei mit der Polizei lieferte. Offenbar plante er als ‚Märtyrer‘ im Kugelhagel zu sterben.“ Bachmann wurde festgenommen, vor Gericht gebracht und wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Dutschke schrieb ihm. Es kam zu einem Briefwechsel. Schon während der Untersuchungshaft versuchte er mehrmals sich umzubringen. Am 24. Februar 1970 hatte er Erfolg damit.

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