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Politisches Buch Römer, Barbaren und ein Wall

Das deutsch-serbische Autoren-Ehepaar Vujovic entdeckt Europa auf einer Limes-Reise. Von Norbert Mappes-Niediek

Grenzposten von einst: Limesturm in Rheinbrohl. Foto: ddp

In Deutschland, haben die Demoskopen festgestellt, ist die Europa-Begeisterung hoch, aber auch klar regional verteilt. Die Grenze zwischen pro-europäischen und den eher euroskeptischen Gebieten verläuft genau entlang des Limes, dem Befestigungswall des römischen Reichs, der bis zur Zeit der Völkerwanderung an Rhein und Donau verlief. "Grenzen im Kopf" sind, wie man sieht, offenbar sehr haltbar, und das ist ein guter Grund, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Marlies und Vojislav Vujovic sind den ganzen 3500 Kilometer langen Limes abgefahren, von Katwijk an der holländischen Küste bis zum Olt, einem Nebenfluss der Donau in Rumänien. Sie tragen historisches, besonders militärgeschichtliches Wissen zusammen, besuchen Museen und Ausgrabungsstätten und zitieren aus den dort (und oft nur dort) erhältlichen regionalen Führern. Herausgekommen sind zwei reichlich illustrierte, fakten- und detailreiche Bände, die den historisch interessierten Leser immer wieder auf verfolgenswerte Fährten führen.

Mühelos springen die Autoren über Jahrhunderte. Die Darstellung ist kundig, lesbar und leicht fasslich, auch wenn viele Leser mit weniger historischem Wissen in der Fülle der Daten, der Namen und der Beschreibung archäologischer Funde zu ertrinken drohen. Mit Schlussfolgerungen, Betrachtungen, Abschweifungen geizen die Autoren. Seine Gedanken muss der Leser sich schon selber machen. Wer einfach nur schmökern will, kann sich tief ins römische Reich führen lassen und bekommt so vom Geist und vom Funktionieren des Imperiums eine Vorstellung.

Grenzen trennen nicht nur, sie verbinden auch: Das zu zeigen ist der tiefere Sinn der Limes-Reise. Marlies und Vojislav Vujovic sind ein deutsch-serbisches Ehepaar und machen mit ihren Beschreibungen klar, dass schon Colonia Agrippina, das heutige Köln, und Sirmium, das heutige Sremska Mitrovica in Serbien, nicht nur lange Zeit zum selben Reich gehörten, sondern als Grenzstädte viele ähnliche Probleme hatten. Hier der zivilisierte "Populus Romanus", dort die wilden "Barbaren" - zwischen diesen ideologischen Polen spielt die ganze europäische Geschichte mit ihren Osterweiterungen, Kolonisierungen, ihren Feldzügen, Blöcken und Eisernen Vorhängen.

Europa hat keine Grenze, es ist eine. Im Zeitalter der soundsovielten Osterweiterung ist das eine nützliche Erkenntnis.

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