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Plagiatsvorwurf Von der Leyen behält Doktortitel

Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten. Das teilte der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover nach Prüfung der Plagiatsvorwürfe mit. Die Dissertation enthalte dennoch einige "Fehler".

Darf ihren Doktortitel behalten: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Foto: rtr

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen behält ihren Doktortitel. Das hat der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Mittwoch bekanntgegeben. Der Beschluss sei mit sieben zu eins Stimmen bei einer Enthaltung ergangen, sagte der Präsident der Universität Christopher Baum am Mittwoch. Nach seinen Worten ist die rund ein halbes Jahr dauernde Prüfung „sorgfältig, objektiv, ergebnisoffen und ohne Ansehen der Person“ verlaufen. Außer Gremien der MHH haben auch internationale Wissenschaftler an dem Prozess teilgenommen.

Baum erklärte, dass in einem Teil der Arbeit, der sich mit der Wiedergabe der vorhandenen Literatur beschäftigte, „Fehler“ vorgekommen seien, weil Zitate nicht gekennzeichnet waren. Insofern handele es sich um Plagiate. Es habe jedoch kein „Fehlverhalten“ der Doktorandin vorgelegen. Das Muster der Plagiate lasse nicht auf eine bewusste Täuschungsabsicht schließen.

In einer schriftlichen Erklärung räumte von der Leyen ein, Teile ihrer Arbeit entsprächen „nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle“. Sie sei jedoch froh, dass die Universität bei ihrer Prüfung zu dem Schluss gekommen sei, „dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt.“

Bereits vor Bekanntgabe der Entscheidung hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter die Ministerin gestellt. Auf die Frage ob die 57-Jährige weiter das Vertrauen von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert bereits vor der Bekanntgabe der Entscheidung am Mittwoch erklärt: „Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat.“

Das Internetforum VroniPlag hatte der CDU-Politikerin im vorigen Jahr vorgeworfen, auf 27 von 62 Seiten ihrer 1991 abgeschlossenen Dissertation über Entspannungsbäder bei der Geburtsvorbereitung von anderen Autoren abgeschrieben zu haben, ohne sie zu nennen oder ihre Quellen nicht korrekt abgegeben zu haben. Das entspräche einem Anteil von 43,5 Prozent.

Die CDU-Politikerin hält sich zurzeit zu einem Arbeitsbesuch in den USA auf, wo sie unter anderem ihren amerikanischen Amtskollegen Ashton Carter traf. Von Washington reiste sie weiter nach Kalifornien und hielt am Abend einen Vortrag an der Standford-Universität über die Herausforderungen der aktuellen Sicherheitspolitik. Von der Leyen hatte nach Abschluss ihrer Doktorarbeit mehrere Jahre in Stanford gelebt. Zwei ihrer sieben Kinder sind dort geboren.

Von der Leyen ist nicht die erste Politikerin, die sich mit Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen musste. Aus der Bundesregierung haben deshalb Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) im Jahr 2011 und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) 2013 ihre Ämter niedergelegt. Guttenberg lebt inzwischen als Privatmann in den USA. Schavan ist deutsche Botschafterin beim Vatikan.

Die FDP-Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin gab ihren Sitz im EU-Parlament auf, nachdem ihr der Doktortitel wegen erwiesenen Plagiats entzogen worden war. Bei anderen Politikern, an der Spitze Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundestagspräsident Norbert Lammert, hielten die Vorwürfe einer Überprüfung nicht stand.
Der Name des Plagiatsprüfungsforums „VroniPlag“ knüpft an den Namen der Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber an. Die Universität Konstanz hatte Veronika Saß den juristischen Doktortitel wegen Plagiats entzogen.

Der Bonner Professor Wolfgang Löwer plädiert für eine Verjährungsfrist bei Plagiatsfällen. Nach 15 Jahren sollten sie zwar noch geprüft werden können – aber ohne Sanktionen. Löwer ist Sprecher des Gremiums „Ombudsman für die Wissenschaft“, das sich die Prüfung von Zweifelsfällen zur Aufgabe gemacht hat. Nach seiner Auffassung sind Plagiaten bei Promotionen wie im Fall von der Leyen schwer zu identifizieren.

In naturwissenschaftliche Arbeiten werde zunächst der Stand der Forschung beschrieben, erläuterte Löwer. Danach komme der eigene Beitrag. Für die Zitierweise im ersten Teil müsse die wissenschaftliche Gemeinschaft verbindliche Regeln erst noch formulieren.

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