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Plagiatsaffäre Kanzlerin verteidigt ihren Minister

Die Debatte über die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg verstummt nicht. Erneut sah sich Kanzlerin Merkel gezwungen, sich hinter ihren Minister zu stellen. Das war offenbar nötig: Hochrangige CDU-Politiker griffen Guttenberg an.

28.02.2011 10:51
Er entgeht der Plagiatsaffäre nicht: Minister Guttenberg vor der CSU-Vorstandssitzung. Foto: dpa

Die Debatte über die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg verstummt nicht. Erneut sah sich Kanzlerin Merkel gezwungen, sich hinter ihren Minister zu stellen. Das war offenbar nötig: Hochrangige CDU-Politiker griffen Guttenberg an.

Nächste Runde in der Diskussion über Guttenbergs Doktorarbeit. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ ihren Sprecher Steffen Seibert am Montag verkünden: „Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert in den letzten Tagen.“ Er räumte zwar ein, dass es um ernste Vorwürfe gehe. „Das ist ein in der Wissenschaft sehr ernster Vorgang.“ Nun wirke der CSU-Politiker aber auf dem „sehr anderen Arbeitsfeld“ als Minister.

Dieser Bekundung war deutliche Kritik an Guttenberg aus den Reihen der CDU vorausgegangen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zeigte Verständnis für den Unmut von Wissenschaftlern über den Minister. Schavan sagte der Süddeutschen Zeitung, dass sie sich als Wissenschaftlerin, die vor 30 Jahren selbst promoviert habe, „nicht nur heimlich schäme“ für das, was passiert sei. „Und das wird Karl-Theodor zu Guttenberg nicht anders gehen.“

Den Entzug von Guttenbergs Doktortitel durch die Universität Bayreuth halte sie für richtig. „Das ist die Antwort der Wissenschaft auf die Analyse der Arbeit“, sagte die Ministerin. Die Universität müsse nun entscheiden, ob sie von einer bewussten Täuschung ausgehe, sagte Schavan weiter. Für Guttenberg gelte allerdings das Gleiche wie für jeden Menschen und er habe deshalb eine zweite Chance verdient, zumal er ein großes politisches Talent sei. „Wir wissen, dass das nicht der erste Fall ist, in dem jemand gute politische Arbeit leistet und zugleich in einem anderen Bereich seines Lebens Schuld auf sich genommen hat.“

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte sich in noch schärferer Form gegen Guttenberg geäußert. Die Affäre um die in Teilen abgeschriebene Doktorarbeit und ihre Begleitumstände seien „ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie“. In der CSU sorgt das für Ärger. Parteichef Horst Seehofer nannte am Montag in München die Aussagen Lammerts "unangemessen". Seehofer kündigte zugleich an, die CSU werde am Montag bei der Sitzung ihres Vorstands deutlich zum Ausdruck bringen, dass die Partei zu dem Minister stehe. Außerdem werbe die CSU dafür, dass man sich jetzt wieder der Sacharbeit zuwende.

Wissenschaftler empört über die Kanzlerin

Am Montagmorgen übergaben Wissenschaftler vor dem Kanzleramt einen von 23.000 Doktoranden unterzeichneten offenen Brief an Merkel, in dem sie der CDU-Politikerin in der Plagiats-Affäre eine „Verhöhnung“ aller wissenschaftlichen Hilfskräfte vorwerfen. Ihre Haltung in der Debatte über die Dissertation von Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) lege nahe, „dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele“, heißt es in dem Schreiben.

Die Initiatoren kritisieren insbesondere die Aussage Merkels, dass sie Guttenberg als Minister bestellt habe „und nicht als wissenschaftlichen Assistenten“. Die Doktoranden beklagen: „Wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht.“ Dabei habe Guttenberg große Teile seiner Dissertation „zusammenkopiert und Quellen vertuscht, um sich den Doktortitel zu erschleichen, mit dem er dann nicht zuletzt auf Wahlplakaten geworben hat“.

Einer der Initiatioren des Briefes, Tobias Bunde, sagte, die Kanzlerin spreche stets von der Bildungsrepublik Deutschland. „Nach ihrem Umgang mit der Affäre Guttenberg fragen wir uns aber schon, ob man das noch ernst nehmen kann.“ Der Brief mit der Unterschriftenliste wurde vor dem Kanzleramt von einem Mitarbeiter der Poststelle in Empfang genommen. Bunde betonte, er hoffe, dass Merkel die 100.000ste Unterschrift selbst annehme, falls die Affäre überhaupt noch so lange dauere.

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