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Pius-Brüder Unfehlbar rechts

Sie tun es wieder: Die Pius-Brüder weihen erneut Priester, verstoßen damit gezielt gegen Kirchenrecht. "Gemeingefährlich" nennt Politikwissenschaftler Langguth das. Die Bruderschaft verfolge anti-demokratische Ziele. Von Lars Ekklund

26.06.2009 00:06
LARS EKKLUND
März 2009: Weihe von Piusbrüdern zu Subdiakonen, eine vom Papst bereits 1972 abgeschaffte Vorstufe zum Priester. Foto: rtr

Sie tun es wieder: Am kommenden Samstag werden die Piusbrüder in Zaitzkofen bei Regensburg abermals Priester weihen. Die Zahl der dort - nach katholischem Kirchenrecht illegal - in den Priesterstand Erhobenen steigt damit auf 108.

"Das Tun der Piusbrüder scheint religiös, ist aber letztendlich gemeingefährlich", meint der Politikwissenschaftler Gerd Langguth. Der Professor hat sich eingehend mit den Schriften der Bruderschaft auseinandergesetzt und warnt: "Es geht nicht allein um das Religiöse, sondern um knallharte politische Positionen." Vor allem die Erziehung in den vier Schulen der Piusbrüder macht Langguth Sorgen, wegen der "demokratiefeindlichen Einflüsse".

Das Programm der Bruderschaft wird vom Institut Civitas verbreitet, dessen wichtigstes Organ, die "Zeitschrift für das christliche Gemeinwesen", Rafael Hüntelmann verantwortet. Unter dem Titel "Jesus Christus, König der Nationen" beschreibt Hüntelmann einen Modell-Staat nach Gusto der Piusbrüder. Demnach ist es "unter keiner Bedingung für den Staat erlaubt, sich in Angelegenheiten der Kirche einzumischen". Andererseits müsse der Staat aber alles verbieten, was "die Kirche hindern könnte, ihr ewiges Ziel zu erreichen" - also auch Abtreibung, Homosexualität und Pornografie.

Die Religionsfreiheit wird infrage gestellt, "weil die katholische Religion die einzig wahre Religion ist". Die anderen? "Der Islam ist im Grunde keine Religion, sondern eine politische Herrschaftstheorie, dessen Ziel darin besteht, die ganze Welt der einheitlichen Diktatur der Sharia zu unterwerfen."

Der Pius-Pater Franz Schmidberger greift in der Schriftenreihe die politischen Parteien an und fragt: "Könnten nicht an ihre Stelle christliche Männer treten, die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichnen?" Diese Männer sollen auch die Todesstrafe verhängen dürfen.

"Radikale Positionen"

Für den Politikwissenschaftler Gerd Langguth ist das ein "eindeutig antiplurales und antifreiheitliches Verständnis". Er sieht darin "rechtsradikale Positionen".

Bereits im Februar dieses Jahres hat Langguth den Verfassungsschutz aufgefordert, tätig zu werden. Doch der sieht keinen Handlungsbedarf: "Derzeit sind uns keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür bekannt, dass es sich bei der Piusbruderschaft um eine extremistische Bestrebung handelt", sagte eine Sprecherin. Bedenken vor einem katholischen Fundamentalismus äußerten hingegen Politiker, Vertreter der Kirchen und namhafte Theologen.

Die Piusbrüder selbst bestreiten den Vorwurf, fundamentalistisch oder gar rechtsradikal zu sein. Doch im Archiv der rechtsgerichteten Zeitung Junge Freiheit finden sich zahlreiche Stellungnahmen und Interviews der Piusbrüder, das jüngste vom 9. Februar diesen Jahres, keine drei Wochen nach der Begnadigung der der vier Pius-Bischöfe und 19 Tage nach der Ausstrahlung des antisemitischen Williamson-Interviews. Pater Franz Schmidberger schrieb dort: "Wir sind weder reaktionär noch fundamentalistisch, sondern katholisch, römisch-katholisch; und darauf sind wir in der Tat stolz. Wir sind Opferpriester, Apostel Jesu Christi, Kämpfer für sein Königtum."

Pater Schmidberger wird auch den Weihen in Zaitzkofen beiwohnen. Nach der Zeremonie wird Bischof Fellay, das Oberhaupt der Pius-Bruderschaft, eine Pressekonferenz abhalten. Filmaufnahmen davon sind untersagt worden. Auch sonst sind die Regeln streng: Jeder Journalist darf maximal zwei Fragen stellen. Alle Texte müssen vor Abdruck von der Bruderschaft freigegeben werden.

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