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Piratenpartei "Piraten haben gleiche Wähler wie Rechtspopulisten"

Die Piraten ziehen vor allem Wähler an, die mit den etablierten Parteien unzufrieden sind, sagt Stephan Klecha vom Zentrum für Demokratieforschung der Universität Göttingen. Das Wählerpotenzial sei das Gleiche wie bei rechtspopulistischen Parteien.

15.05.2012 01:00
Foto: dapd

Herr Klecha, die Piraten sind jetzt auch im Parlament des bevölkerungsreichsten Bundeslandes vertreten. Ist alles normal gelaufen?

Dass sie den Einzug schaffen, war ziemlich sicher. Allerdings haben sie nicht die hohen Werte erreicht, die zwischenzeitlich vorausgesagt wurden. In Berlin und im Saarland lagen sie noch deutlich darüber. Man muss jetzt sehen, was das bedeutet. Es könnte sein, dass der Hype so langsam ein bisschen nachlässt.

Dennoch scheinen sie sich im parlamentarischen System fest etabliert zu haben. Was heißt das für die nächsten Wahlen?

Wenn man an den Höhenflug der Grünen im letzten Jahr denkt, dann ist es ja bei weitem noch nicht ausgemacht, dass der Erfolg so weitergeht. Andererseits: Es ist schon was Besonderes, wenn eine neu gegründete Partei in vier Landtage in Folge einzieht. Das zeigt, dass die Partei momentan auf einem bestimmten Sockel aufsetzen kann. Die Piraten ziehen zu zwei Dritteln Wähler an, die unzufrieden sind mit den etablierten Parteien. Diesen Schwemmsand zu stabilisieren, das ist die Herausforderung.

Wer verbirgt sich hinter diesem Wählerstamm?

Es sind viele Arbeitslose und gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, vor allem Männer. Für ein Drittel sind es die Inhalte der Themen, die aus der Netzkultur kommen, also Freiheit, aber auch der Zugang zu Infrastruktur. Das Transparenzmantra ist nicht unpopulistisch. So fällt es leicht, auf die verlotterte, korrupte, von Lobbygruppen zersetzte Politik zu schimpfen. Dazu kommt das non-konformistische, das ist vor allem für die jungen Wähler interessant.

Nach einer Untersuchung werden die Piraten überdurchschnittlich oft von Menschen gewählt, die ihre Leistungen nicht ausreichend honoriert sehen. Ist das nicht gefährlich im Hinblick auf eine Radikalisierung?

Das Wählerpotenzial der Piraten ist das gleiche, wie wir es von rechtspopulistischen Parteien in Westeuropa kennen – junge Männer, viele Arbeitslose dabei, hohe gefühlte Unzufriedenheit. Allerdings ist der Bildungsgrad der Piraten überdurchschnittlich und die Piraten beziehen sich sehr positiv auf die Demokratie. Das heißt aber, das Wählerpotenzial könnte irgendwann auch mal rechtspopulistischen Parteien zugeneigt sein. Die spannende Frage ist: Was passiert, wenn es die Piraten nicht schaffen, diesen Schwemmsand zu stabilisieren.

Wie lange nehmen die Wähler den Piraten die Ahnungslosigkeit ab?

Man müsste die Piraten mal fragen, wann sie eine Position haben. Irgendwann muss man Antworten liefern. Sich vor Verantwortung zu drücken, verzeihen Wähler nicht langfristig.

Vor allem die Grünen attackieren die Piraten wegen ihres Dilettantismus scharf. Das klingt nach Panik.

Die Grünen fühlen sich habituell angegriffen. Sie sind ja eigentlich die Partei des Unkonventionellen. Aber wenn man schaut, wer bei den Grünen was zu sagen hat, sind das weitgehend die gleichen Köpfe wie vor 20 Jahren. Zudem waren es auch die Grünen, die gesagt haben, sie seien netzpolitisch viel kompetenter. Allerdings haben sie nicht ganz verstanden, wie die Piraten an dieser Stelle funktionieren. Mit ihren Attacken gegen die Piraten tun sich die Grünen mit Sicherheit keinen Gefallen.

Das Gespräch führte B. Paetzholdt

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