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Phrasenschwein Pro-Europäer

Der „Pro-Europäer“ ist die Worthülse der Stunde. Deswegen passt er perfekt für unsere neue Kolumne.

Emmanuel Macron
Wird gerne als „Pro-Europäer“ bezeichnet: Emmanuel Macron. Foto: rtr

Spüren Sie auch dieses erhebende Gefühl? Der „Pro-Europäer“ Macron hat in Frankreich den ersten Wahlgang gewonnen, tönt es auf allen Sendern, und jetzt müssen sich „die Pro-Europäer zusammenschließen“, damit er Präsident wird. Natürlich auch in Deutschland, wo „Pulse of Europe“ unverdrossen auf die Straße geht: „Die Pro-Europäer machen weiter.“

Der „Pro-Europäer“ ist die Worthülse der Stunde. Und er erfüllt die Kriterien für das Phrasenschwein perfekt: ein Begriff, der irgendwie positive Stimmung macht (Pro!), ohne dass irgendjemand weiß, was damit gemeint ist.

Im Moment ist jeder ein „Pro-Europäer“, der nicht sofort „Hier!“ schreit, wenn jemand Brexit sagt oder Frexit oder „Raus aus dem Euro“. Das kann einer sein, der zwar die EU retten will, aber nicht die herrschende ökonomische Wettbewerbspolitik, die das Bündnis gefährdet. Es kann aber auch einer sein, der mit der EU genau dieses Modell erhalten will. Oder einer, bei dem man das nicht so genau weiß, zum Beispiel Emmanuel Macron.

Kurz gesagt: „Pro-Europäer“ sagt praktisch alles und nichts. Und wenn man es sprachlich betrachtet, wird es erst richtig verrückt: Genau genommen bezeichnet das Wort „Pro-Europäer“ nicht etwa jemanden, der für Europa ist (das wäre zum Beispiel ein „Pro-Europa-Politiker“), sondern einen Europäer, der für irgendetwas ist, so wie zum Beispiel ein Pro-Wähler. Nehmen wir also an, es würde über die Auflösung der EU abgestimmt: Dann wäre Marine Le Pen, die ja wohl mit „Ja“ votieren würde, die prominenteste „Pro-Europäerin“. Also: Ab ins Phrasenschwein.

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