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Pflegeberuf „Unterbezahlt und oftmals ausgebrannt“

Anja Kistler, Geschäftsführerin des Berufsverbands für pflegende Berufe, über den Fachkräftemangel in der Altenpflege

25.03.2013 17:18
Miserabel bezahlt: Altenpflegerinnen. Foto: dpa

Frau Kistler, ist es eine gute Idee, dem Fachkräftemangel in der Altenpflege mit der Anwerbung philippinischer Pflegerinnen begegnen zu wollen?

Wir sehen das sehr kritisch. Die Ausbildung philippinischer Pflegekräfte folgt einem völlig anderen Ansatz. Dazu kommen kulturelle und sprachliche Barrieren. Es geht aber um Einsätze in der Altenhilfe, um verwirrte und altersgebrechliche Menschen. Konflikte sind da programmiert. Ohne ausreichende Sprachkompetenz und ein intensives Trainee-Programm von mindestens sechs Monaten wird das nicht funktionieren.

Wie dramatisch ist die Lage?

Es fehlt Personal. Zurzeit haben wir in dieser Branche eine Vollbeschäftigung, zusätzliches Personal ist schwer zu finden. Viele Kollegen haben den Beruf aufgegeben. Die qualifizierten Kollegen, die noch bei der Arbeitsagentur registriert sind, sind nicht vermittelbar, weil sie entweder krank oder angeschlagen sind, meistens durch Burn-out.

Was müsste sich ändern?

Wer die Abwanderung von Pflegekräften in andere Berufe verhindern will, muss die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung verbessern.

Wie viele Pflegekräfte fehlen?

Viele nicht besetzte Stellen werden gar nicht bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Wir wissen zwar wie viele Pflegefachpersonen das Land Berlin ausgebildet hat, aber wir kennen die aktuelle Zahl der Pflegenden nicht. Wir wissen nicht, wie viele ausgebildete Pflegekräfte zu- oder abgewandert sind.

Ist dieses fehlende Register eine Berliner Besonderheit?

Nein, das gilt für das gesamte Bundesgebiet. Wir setzen uns unter anderem deshalb für eine Berliner Pflegekammer ein.

Müssten Sie nicht aber wissen, wie viel Fachpersonal Ihnen tatsächlich fehlt?

Natürlich kennt jede Einrichtung die eigene Situation, aber Hochrechnungen beziehen sich häufig auf den Mikrozensus, was statistisch zu Abweichungen führt.

Warum ist die Arbeitssituation von Pflegenden so schlecht?

Im Krankenhaus ist das dem Stellenabbau der letzten Jahre geschuldet. Die ambulante Pflege hingegen ist so schlecht bezahlt, dass die Altersarmut für die Kollegen in dieser Sparte vorprogrammiert ist. Viele haben zwei Stellen, weil sie keine Vollzeitstelle angeboten bekommen, und arbeiten deshalb noch zusätzlich auf 450-Euro-Basis.

Ist dem von politischer Seite entgegengewirkt worden?

Außer mit Absichtserklärungen und Imagekampagnen, nein. Es gibt eine Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiative auf Bundesebene, doch sie wurde kaum umgesetzt.

Die Pflege ist ein typischer Frauenberuf. Welche zusätzlichen Probleme bringt das mit sich?

Diese Berufe sind chronisch unterbezahlt und zeichnen sich durch miserable Arbeitsbedingungen aus. So ist es auch in der Pflege.

Das Gespräch führte Katja Tichomirowa.

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