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Pentagon Obama nominiert Verteidigungsminister

Barack Obama beruft den Republikaner Chuck Hagel zum Verteidigungsminister. Bei George W. Bush hat sich Hagel seinerzeit unbeliebt gemacht - weil er sagt, was er denkt.

Designierter US-Verteidigungsminister: Chuck Hagel. Foto: dpa

Vor ziemlich genau sechs Jahren hatte Chuck Hagel einen denkwürdigen Auftritt in Washington. Der Senator aus Nebraska war der einzige Republikaner, der gegen den Plan von Präsident George W. Bush stimmte, die Zahl der US-Soldaten im Irak zu erhöhen, um den Krieg zu gewinnen. Das wäre „der gefährlichste außenpolitische Fehltritt dieses Landes seit Vietnam“, sagte Hagel und forderte seine republikanischen Senatskollegen auf, sich einen Job als Schuhverkäufer zu suchen, wenn sie nicht den Mut aufbrächten, gegen die Truppenverstärkung zu stimmen.

Bush setzte sich damals durch, doch die US-Konservativen haben ihrem Parteifreund nicht verziehen. Seit Wochen laufen sie Sturm gegen Hagels Berufung an die Spitze des US-Verteidigungsministeriums, die Präsident Barack Obama am Montag offiziell machen wollte. Der 66-Jährige sei nicht geeignet, Nachfolger von Leon Panetta als Chef im Pentagon zu werden, sagen sie.

Hagel kennt den Krieg

Denn Hagel, der mit einem Mobiltelefon-Unternehmen zum Millionär wurde, ist ein Querdenker mit losem Mundwerk. Mehr als einmal hat er die israelische Politik gegenüber den Palästinensern kritisiert und sich gelegentlich in der Wortwahl vergriffen. Mehr als einmal hat er die Wirksamkeit der US-Politik gegenüber dem iranischen Atomprogramm in Zweifel gezogen.

Kritiker nennen Hagel deswegen ein sicherheitspolitisches Täubchen und werfen ihm eine anti-semitische Haltung vor, weil er vor einigen Jahren über den Einfluss der „jüdischen Lobby“ in Washington schwadronierte. Auch in liberalen Kreisen ist Hagel umstritten. Vor 15 Jahren wandte er sich gegen die Ernennung eines homosexuellen Diplomaten zum Botschafter in Luxemburg.

Vor allem aber ist Hagel ein Kritiker der kriegerischen US-Außenpolitik, wie sie George W. Bush betrieben hat. Das hat einen persönlichen Grund. Hagel kennt den Krieg. Als Unteroffizier kämpfte er in Vietnam, wurde verwundet und trägt seither Granatensplitter in der Brust. Vor einigen Jahren sagte er in einem Interview, die US-Soldaten in Vietnam seien von der eigenen Regierung nur benutzt worden: „Die Unehrlichkeit war erstaunlich, ja wirklich kriminell.“

Obamas Plan könnte aufgehen

Diese immer wieder wortreich vorgetragene Skepsis dürfte der Grund gewesen sein, warum ihn Barack Obama als neuen Verteidigungsminister in sein Kabinett berufen will. Hagel soll den Kampfeinsatz in Afghanistan bis Ende 2014 beenden und er soll den US-Streitkräften das Sparen beibringen. Einem mehrfach dekorierten Kriegshelden könnte das womöglich leichter gelingen als einem Verteidigungstechnokraten.

Obamas Plan könnte aufgehen. Im Weißen Haus hoffen sie darauf, dass die Republikaner noch zur Einsicht kommen und Hagels Nominierung nicht verhindern. Schließlich habe sich Hagel während seines denkwürdigen Auftritts in Washington vor sechs Jahren nur gegen einen Krieg gewandt, den auch die meisten Amerikaner als eine Katastrophe wahrgenommen hätten, sagte jetzt ein hoher Beamter.

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