Lade Inhalte...

Pennsylvania „Scheinheiliger“ Conor Lamb blamiert Donald Trump

Der US-Präsident muss ausgerechnet in Pennsylvania eine schwere Wahlschlappe einstecken. Aber auch die Demokraten stehen vor einem Dilemma.

US-Demokrat Conor Lamb
Positionierte sich im Wahlkampf nicht als Linker: US-Demokrat Conor Lamb. Foto: rtr

Conor Lamb zügelte bewusst seine Euphorie, als er kurz vor ein Uhr in der Nacht zum Mittwoch endlich vor seine Anhänger im kleinen Örtchen Canonsburg trat. „Wir haben es geschafft!“, sagte der 33-Jährige mit einem glücklichen Lächeln. Die Freunde des demokratischen Kongresskandidaten jubelten. Sie waren Zeugen einer der wohl schwerwiegendsten Niederlagen von US-Präsident Donald Trump geworden.

Der 18. Wahldistrikt von Pennsylvania, in dem am Dienstag ein Nachrücker für das Repräsentantenhaus gewählt wurde, liegt mitten im ehemals industriell geprägten Rostgürtel der USA. Mit ihrer überwiegend weißen Arbeiterwählerschaft, die in Kohlegruben und Stahlwerken beschäftigt ist oder war, könnte die Region als Kulisse für einen Trump-Werbefilm dienen. Und tatsächlich hatte der Präsident 2016 hier mit fast 20 Punkten Vorsprung seine Gegenkandidatin Hillary Clinton deklassiert.

Debakel für die Republikaner

Und nun das: Trotz Steuerreform und Stahlzöllen erlebten die Republikaner bei der Kongress-Nachwahl ein Debakel. Zwar war Lambs Vorsprung nach Auszählung aller Briefwahlstimmen auf 627 Stimmen geschrumpft - auf den Demokraten entfielen nach Angaben der „New York Times“ 49,8 Prozent, auf seinen Konkurrenten Rick Saccone 49,6 Prozent. Für die Republikaner ist das Ergebnis gleichwohl ein erschreckender Befund.

Und der lässt für die bevorstehenden allgemeinen Kongresswahlen im November nichts Gutes erwarten: „Das sollte ein Alarmsignal sein“, urteilte Peter T. King, ein republikanischer Abgeordneter aus New York: „Die Leute, die Trump hassen, gehen zur Wahl. Aber was ist mit denen, die ihn mögen?“ Noch am Samstag hatten die Trump-Fans ihrem Präsidenten bei einer Kundgebung zugejubelt. „Euer Stahl kommt jetzt zurück!“, versprach Trump und warb energisch für den republikanischen Kandidaten Rick Saccone: „Wir brauchen den Abgeordneten Saccone. Wählt mit Eurem Herz und Eurem Hirn. Er ist ein ganz besonderer Mann!“

Amerikanische Medien fanden eher, dass der 60-jährige glühende Trump-Anhänger vor allem ein mieser Wahlkämpfer war. Und er sah sich einem Herausforderer gegenüber, den er nicht zu packen bekam: Der ehemalige Marineoffizier und Staatsanwalt Lamb präsentierte sich nicht als Linker. Er erklärte früh, dass er die linke Demokraten-Fraktionschefin Nancy Pelosi nicht unterstütze und seine Jagdwaffe nicht abgeben werde. Selbst für die Stahlstrafzölle zeigte er Sympathie.

„Lamb the sham“ (Lamb, der Scheinheilige), ätzte Trump: „Er versucht Euch vorzugaukeln, dass er ein Republikaner ist. Und er sieht gut aus. Aber ich sehe besser aus.“ Vergeblich. Vor allem in den Vororten der ehemaligen Stahlstadt Pittsburgh holte der Demokrat deutlich mehr Stimmen. „Er ist ein gottesfürchtiger, gewerkschaftsnaher Waffenbesitzer, der Jobs und Pensionen sichern will, der an das soziale Sicherungssystem glaubt und die Gesundheitsversorgung stärken will“, versuchte Cecil Roberts, der Chef der Minenarbeitergewerkschaft, den Erfolg des politischen Newcomers zu erklären.

Damit stehen auch die Demokraten vor einem Dilemma: Schon in Alabama hatte sich gezeigt, dass eher konservative demokratische Kandidaten im Trump-Kernland erfolgreich sein können. Die eigene Parteibasis aber drängt nach links und ist mit einem Mitte-Kurs kaum zu begeistern.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen