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Pegida Lutz Bachmann nutzt Spendenkasse

Pegida-Gründer Bachmann soll in die Kasse der Gruppierung gegriffen haben. Und die Kasse der Dresdner Touristikbranche darbt dank Bachmann auch.

Lutz Bachmann zusammen mit seiner Anwältin beim Prozess am 3. Mai in Dresden. Foto: AFP

Lutz Bachmann steht ein interessanter Herbst bevor. Ende November muss sich der nach Teneriffa ausgewanderte Dresdner Pegida-Anführer in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht verantworten. Es geht wieder um Volksverhetzung, im Frühjahr wurde er zu einer Geldstrafe von 9600 Euro verurteilt. Nun wurde bekannt, wie er solche Strafen bezahlt: Nach einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ und der Würzburger „Main-Post“ hat Bachmann in die Kasse des Pegida-Vereins gegriffen, um verlorene Prozesse gegen zwei Bürgermeister aus Franken zu begleichen.

Bachmann, ein 43-jähriger, mehrfach vorbestrafter Drogenhändler und Einbrecher, hatte die beiden Politiker aus Margetshöchheim und Kirchheim bei Würzburg im Internet als „Deppen“ beschimpft, weil sie Flüchtlingen beim Umzug in eine Turnhalle geholfen hatten. Nach Bachmanns Beleidigung im Netz seien beide „einer regelrechten Welle von Hasskommentaren“ ausgesetzt gewesen. Ende Februar verurteilte das Würzburger Landgericht den ehemaligen Würstchenverkäufer zu rund 5000 Euro.

In Dresden wird schon lange gerätselt, wovon Bachmann eigentlich lebt und wer wie mit den Spenden umgeht, die Pegida bekommt. Nun kam heraus: Die 5000 Euro Strafe wurden, wie Anwälte der beschimpften Bürgermeister bestätigten, nicht von Bachmanns Privatkonto, sondern vom Konto des Pegida-Fördervereins bei der Ostsächsischen Sparkasse bezahlt. Vor ein paar Tagen haben die Organisatoren von Pegida, um noch mehr Geld einzunehmen, einen im September angekündigten Onlineshop eröffnet, der T-Shirts und ähnlichen Kram verkaufen soll.

Bereits damals hatte ein ehemaliger Mitstreiter von Bachmann den Pegida-Anführer in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ scharf kritisiert: „Ich kannte Herr Bachmann nur als begeisterten Verehrer Adolf Hitlers, als begeisterten Nazi“, zitierte die Zeitung den Heidenauer Jörg Hoyer. „Er liebt Geld über alles, ist stinkefaul, er lügt, er betrügt und dieser Staat ist ihm scheißegal, solange sein Konto voll ist.“ Dresdens Touristikbranche hingegen beklagt wieder einmal sinkende Besucherzahlen. Im Juli minus zehn Prozent, im August minus drei Prozent.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Tourismusverbandes, Johannes Lohmeyer, hat das eindeutig mit den seit zwei Jahren stattfindenden Pegida-Demonstrationen, mit den Gegenkundgebungen und der Berichterstattung darüber zu tun. In der Dresdner Gastronomie und Hotellerie fordert man die Stadt auf, die Demos beider Seiten zu torpedieren: Bestimmte Plätze wie vor der Semperoper oder der Frauenkirche sollten einfach nicht mehr hergeben werden, wie es München und Leipzig vorgemacht hätten.

Ansonsten gibt es revolutionäre Pläne, um mehr Besucher anzulocken: Es wird überlegt, einfach den seit 1434 bestehenden Striezelmarkt um drei Wochen zu verlängern. Der alte Weihnachtsmarkt soll eine Woche früher beginnen und erst im Januar enden. Der Hintergedanke: Man will so zuletzt vermehrt weggebliebene russische Gäste wiedergewinnen, die ihr orthodoxes Weihnachten erst Anfang Januar feiern.

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