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Payam Feili Homosexueller Iraner sucht Schutz in Israel

Im Iran wurde der homosexuelle iranische Autor Payam Feili drangsaliert und geächtet. Hilfesuchend wendet er sich an Israel und hofft dort nun auf Asyl. Seine Chancen stehen gut.

Revellers take part in a gay pride parade in Tel Aviv, Israel
Eine Gay Pride Parade in Tel Aviv. Die zweitgrößte Stadt Israels ist das liberale Mekka der Schwulen im ganzen nahen Osten. Foto: REUTERS

Ausgerechnet Israel! Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die Reaktionen seiner Familie in Iran vorzustellen, als Payam Feili sie über sein Vorhaben informierte, nach Israel zu gehen. „Sie waren nicht gerade glücklich über meine Entscheidung“, berichtet der dreißigjährige Autor bei einem Treffen mit Journalisten in Jerusalem. Vor ein paar Tagen hat er bei den israelischen Behörden Asyl beantragt.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er es auch bekommt. Ein iranischer Dissident moslemischen Glaubens, der als Homosexueller im Mullah-Regime drangsaliert wurde und der sich nun hilfesuchend an den jüdischen Staat wendet, passt der Regierung Benjamin Netanjahu bestens ins Konzept.

Payam Feili, dem geächteten Schriftsteller, eine Einreiseerlaubnis nach Israel zu beschaffen, war denn auch kein Problem. Sonst zählt Kulturministerin Miri Regev im Kabinett zu den rechtsnationalen Scharfmachern mit geringer Toleranzschwelle sowohl gegenüber kritischen Kulturschaffenden im eigenen Land als auch gegenüber nicht-jüdischen Flüchtlingen. Aber im Fall Feili kümmerte sie sich persönlich um das nötige Touristenvisum, um dem Autor die Teilnahme an der Tel Aviver Theaterpremiere eines Stücks zu ermöglichen, an dem er mitgeschrieben hat. Auch die Visumsverlängerung bis Oktober wurde bereits genehmigt.

Payam Feili jedenfalls ist zum Bleiben entschlossen. Er fühle sich von der israelischen Gesellschaft so warmherzig aufgenommen, als ob er zu seiner Familie im Iran zurückgekehrt sei, schwärmt er in Farsi, seiner Muttersprache. Eine Israelin mit jüdisch-iranischem Background übersetzt. Hebräisch muss er erst lernen. Aber Israel war schon lange bevor er 2014 den Abflug aus Teheran machte, das Land seiner Träume. Vielleicht auch, weil ihn als iranischen Oppositionellen die Verfolgungsgeschichte der Juden besonders interessierte.

Keine Hoffnung auf Reformen

Zunächst landete er allerdings in der Türkei, wo er ein Jahr verbrachte. Bereits dort ließ er sich den Davidsstern auf den Hals tätowieren, als Bekenntnis „zu dem Land, das ich liebe“. Eine Einladung in die USA schlug er aus. Iranische Hardliner würden sagen, Feili habe den „kleinen Satan“ Israel dem „großen Satan“ Amerika vorgezogen.

Das hat nicht zuletzt mit Tel Aviv zu tun, dieser quirligen Stadt, in der erlaubt ist, was gefällt, und die sich rühmt, das Mekka der Schwulen zu sein. Payam Feili kostet es aus, trägt Ohrstecker, blaulackierte Fingernägel, farblich passenden Protzring und Goldkettchen.

Eine solch feminine Aufmachung hätte ihn im Iran, wo offenes Schwulsein mit Peitschenhieben und bisweilen mit der Todesstrafe geahndet wird, in höchste Gefahr gebracht. „Es ist nicht leicht, in Iran zu leben, wenn du zu einer Minderheit gehörst“, sagt er lakonisch. Über die 44 Tage Haft, die er nach Informationen des Pen-Clubs gefesselt und mit verbundenen Augen verbrachte, redet er nicht.

Homosexualität ist das große Thema seiner bislang neun Bücher. Eines, das die Liebesgeschichte zweier iranischer Soldaten im Krieg mit dem Irak erzählt, ist auch in Israel ein Erfolg. Das Schreiben war sein Coming-out. Aber im Iran konnte er nichts mehr veröffentlichen, nachdem in Berlin ein Buch erschienen war, in dem sich Payam Feili mit dem Holocaust auseinandersetzte. Immer mehr geriet er daheim in die soziale Isolation. „Die Medien durften mich nicht mehr kontaktieren“, sagt er, „Freunde zögerten, mich zu besuchen.“

Er sei nicht mehr sicher gewesen, vor allem als die Revolutionswächter begonnen hätten, eine Artikelserie gegen ihn und andere „unmoralische Leute“ zu lancieren. Schlimmer noch als unter der Angst, habe er aber unter dem „leeren Gefühl“ gelitten, nicht sein eigenes Leben zu leben. „Wenn du die eigene Identität dauernd verstecken musst, beginnst du dich selbst zu belügen. So gibt es nie eine revolutionäre Veränderung.“

Die Hoffnungen auf einen allmählichen Reformprozess im Land der Ajatollahs teilt er nicht. Die jüngsten Wahlen nennt Payam Feili „nur eine Show“. Die realen Machtverhältnisse blieben unangetastet. Er ist ihnen entkommen, zu schaffen macht ihm nur, wie sehr nun die iranischen Medien mit „vulgären Berichten über mich meiner Familie Druck machen“. Irgendwann gebe es vielleicht ein Wiedersehen in einem Drittland. In den Iran, sagt Feili, gebe es für ihn nie mehr ein Zurück.

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