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Partnerschaftsgewalt Das eigene Zuhause als gefährlicher Ort

Häufiger als jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet - viele Opfer lebten in einem Haushalt mit ihrem Peiniger.

Gewalt gegen Frauen
Beratungsstellen wie diese in Bad Homburg haben viel Zulauf. Foto: Michael Schick

Am vergangenen Wochenende ist es wieder passiert. Diesmal in Jena. Ein 38-Jähriger tötete seine Ex-Partnerin und deren neuen Freund. Danach das gemeinsame Baby und sich selbst. Die Öffentlichkeit ist entsetzt. Vier Tote, ein trauriger Fall. Doch Gewalt, auch extreme, ist Alltag in Partnerschaften oder ehemaligen Beziehungen. Opfer sind zumeist Frauen.

Häufiger als jeden dritten Tag wird, statistisch betrachtet, in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder dem Ex getötet. 2017 starben so insgesamt 147 Frauen, wie die kriminalstatistische Auswertung von Partnerschaftsgewalt durch das Bundeskriminalamt ergab. 138 893 Personen wurden Opfer versuchter oder vollendeter Gewalttaten wie Mord und Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution.

82 Prozent der Opfer sind Frauen, und fast die Hälfte von ihnen – 49,1 Prozent – lebte in einem Haushalt mit ihrem Peiniger. Gewalttaten kommen mit 37,9 Prozent besonders häufig in ehemaligen Partnerschaften vor, gefolgt vom „Ehepartner“ (33,2) und „Partner nichtehelicher Lebensgemeinschaften“ (28,6). Mord und Totschlag fielen insbesondere „Ehepartner“ (53 Prozent) zum Opfer, ehemalige Partner waren mehrheitlich von Bedrohung, Stalking, Nötigung (64,8) oder Freiheitsberaubung (39,1) betroffen.

Opfer von Gewalttaten sind mit 71,6 Prozent überwiegend Deutsche, gefolgt von türkischen Staatsangehörigen (4 Prozent) und Polen (3,2). Deutsche Opfer waren vor allem ehemalige Partner der Täter (79,3 Prozent), bei Türken Ehepartner (6,6) und bei polnischen Opfern Partner in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Am häufigsten waren 30- bis 39-Jährige von Gewalt betroffen (31,9 Prozent). Die 40- bis 49-Jährigen stellen fast ein Fünftel (18,5 ) der Opfer.

Auch interessant: Die Kriminalisten halten Partnerschaftsgewalt gegen Männer für zunehmend relevant. Als Beleg verweisen sie auf die kontinuierliche Steigerung der Zahl männlicher Opfer von 21 012 im Jahr 2013 auf fast 25 000 im vergangenen Jahr.

Der Blick auf die Täter: 80,6 Prozent der insgesamt 116 318 Tatverdächtigen sind Männer. Die meisten Täter (94,3 Prozent) sind erwachsen und tauchen in der Altersgruppe 30 bis 39 auf (32,1), gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen (21,3) – eine Parallele zu den Opfern.

Die meisten männlichen Täter sind – wie die meisten Opfer – deutsche Staatsangehörige (67,8 Prozent). Nach Deutschen wurden als Tatverdächtige am häufigsten türkische Staatsangehörige (5,9) erfasst, gefolgt von polnischen (2,5), syrischen (2,0) und italienischen (1,4). Bei den syrischen Tatverdächtigen war der Anteil männlicher Personen (93,5) besonders deutlich ausgeprägt, auch bei den türkischen Tatverdächtigen war er sehr hoch (89,9). Bei den Italienern war er etwas niedriger (85,1), bei Polen (75,4) noch geringer.

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) zeigt sich schockiert von diesen Zahlen. „Das ist für ein modernes Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung. Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort – ein Ort, an dem Angst herrscht.“ Darum sei es wichtig, dass betroffene Frauen Hilfe und Unterstützung erhalten.

Studien zufolge sind die Zahlen der Statistiker nur die Spitze des Eisbergs. Höchstens 20 Prozent der Opfer bringen erlittene Gewalt zur Anzeige und Ermittlungen ins Rollen. Petra Söchting, Leiterin des bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ (08000/116 016), sagt, viele Frauen, die sich melden, wollen zunächst nur reden und hoffen, dass es irgendwie aufhört. Sie erhalten von den 80 Beraterinnen Hinweise zur anonymen Spurensicherung und Dokumentation.

Die Kontaktzahlen des Hilfetelefons steigen kontinuierlich, so Söchting. Allein letztes Jahr waren es 38 000, in 60 Prozent der Fälle ging es um häusliche Gewalt, 40 Prozent der Anrufe kamen in der Zeit von 18 Uhr bis 8 Uhr. Darum sei das Telefon rund um die Uhr besetzt, in 17 Sprachen. Sogar Gebärdendolmetscher sind an Bord. Wichtig für betroffene Frauen: Ein Anruf beim Hilfetelefon taucht in Verbindungsnachweisen nicht auf.

Giffey verspricht Druck beim Thema Frauenschutz. 6000 Plätze in Frauenhäusern sind bei einem jährlichen Durchlauf von 30 000 Frauen und Kindern nicht genug. „Über den Rechtsanspruch auf Gewaltschutz für Frauen muss geredet werden“, sagt sie. Zunächst einmal soll ein runder Tisch von Bund, Ländern und Kommunen abgestimmte Schritte erarbeiten.

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