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Paris Messerangreifer war Behörden als „Gefährder“ bekannt

2. UpdateNach der Messer-Attacke im Zentrum von Paris stuft Justiz die Tat als terroristischen Akt ein. Der Täter, ein in Tschetschenien geborener Franzose, hatte einen Menschen getötet und mehrere teils schwer verletzt.

13.05.2018 00:30
Anschlag in Paris
Ermittler am Tatort des Messer-Anschlags vom 12. Mai 2018 in Paris. Foto: afp

Der aus Tschetschenien stammende Messerangreifer von Paris war den Behörden als extremistischer Gefährder bekannt. Er sei wegen seiner radikalen Ansichten als mögliches Sicherheitsrisiko geführt worden, aber nicht vorbestraft gewesen, verlautete am Sonntag aus französischen Ermittlerkreisen.

Der Attentäter hatte am Samstagabend im Zentrum von Paris mit einem Messer auf mehrere Passanten eingestochen und einen von ihnen getötet. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Die Eltern des 1997 geborenen Mannes wurden in Gewahrsam genommen.

Der junge Mann wurde 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren und war französischer Staatsbürger, wie Ermittlerkreise der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag bestätigten.

Der Täter hatte kurz vor 21 Uhr in einem Ausgehviertel nahe der Oper im Herzen von Paris zugeschlagen. Zum Zeitpunkt des Attentats waren dort viele Menschen auf der Straße, die zu Zeugen des blutigen Geschehens wurden. Die Gegend ist wegen ihrer vielen Bars, Restaurants und Theater beliebt. Bei dem getöteten Passanten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 29-jährigen Mann.

Der Angreifer habe bei seiner Tat „Allah Akbar“ (arabisch für: „Gott ist größer") gerufen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie berief sich auf die Aussagen mehrerer Zeugen. Die Tat werde als „Tötungsdelikt in Zusammenhang mit einem terroristischen Akt“ eingestuft.

Emmanuel Macron spricht von Terror

Zwei der Opfer - ein 34-Jähriger und eine 54-Jährige - wurden nach Polizeiangaben mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Zwei weitere erlitten demnach leichtere Verletzungen, auch sie wurden im Krankenhaus behandelt. Keines der Opfer sei in Lebensgefahr, sagte Innenminister Gérard Collomb in der Nacht. 

Nach Polizeiangaben ging der Angreifer mit dem Messer auf drei herbeigeeilte Polizisten los. Einer von ihnen habe zunächst eine Elektroschock-Waffe gegen den Angreifer eingesetzt. Ein weiterer Beamter habe dann zwei Schüsse abgegeben, die den Angreifer tödlich getroffen hätten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem „Terroristen“, die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.  Macron dankte den Polizisten, „die den Terroristen neutralisiert“ hätten. „Erneut hat Frankreich einen Blutpreis zahlen müssen, es wird sich den Feinden der Freiheit aber nicht beugen“, schrieb Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter.

IS beansprucht Tat für sich

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich. Der Täter sei „ein Soldat des Islamischen Staats“ gewesen, zitierte das auf Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Institut SITE aus einem Bekennerschreiben, das die IS-Agentur Amaq verbreitete. Der Täter sei einem „Aufruf zu Angriffen auf Staaten der Koalition“ gefolgt, hieß es dort weiter. Gemeint war offenbar die Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak. Belege dafür gab es nicht. Amaq verbreitet häufig Erklärungen der IS-Miliz.

Premierminister Edouard Philippe begab sich am Samstagabend in das zuständige Pariser Polizeikommissariat und lobte „die außerordentliche Reaktion“ der Polizei. Fünf Minuten nach dem Notruf seien die Beamten vor Ort gewesen, neun Minuten nach dem Notruf sei der Täter tot gewesen.

Die Schnelligkeit der Polizei „hat aller Wahrscheinlichkeit eine schlimmere Opferbilanz verhindert“, sagte Philippe. Auch Innenminister Collomb lobte die Polizei, die mit kühlem Kopf vorgegangen sei.

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Amüsierviertel. „Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse“, berichtete die 47-jährige Gloria. „Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen."

Die Cafébesucherin Elisa fühlte sich an die Pariser Anschlagserie vom November 2015 erinnert. „Wenn man drei Schüsse hört, denkt man zwangsläufig an den 13. November. Man sucht dann nicht mehr, man rennt einfach davon."

In Paris hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt tödliche Terror-Angriffe gegeben, die vielfach islamistisch motiviert waren. Bei diesen Angriffen starben seit 2015 bereits mehr als 240 Menschen. Die französischen Sicherheitskräfte befinden sich daher in erhöhter Alarmbereitschaft. (afp/dpa)

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