Lade Inhalte...

Paragraf 175 Keine Gerechtigkeit für Homosexuellen

Der Frankfurter Wolfgang Lauinger saß in den 50er Jahren als Homosexueller im Gefängnis, doch das Entschädigungsgesetz gilt nicht für ihn.

Regenbogenfahne und Justitia
Viele als Homosexuelle Verfolgte warten noch heute auf ihre Entschädigung. Foto: Rolf Oeser

Es sollte „ein später Akt der Gerechtigkeit“ werden, wie es Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) formulierte. Am 22. Juli trat das Gesetz zur Rehabilitierung und Entschädigung jener schwulen Männer in Kraft, die in der Bundesrepublik wegen ihrer Homosexualität nach dem berüchtigten Paragrafen 175 verurteilt worden waren. Bis heute sind nach Angaben des Justizministeriums Entschädigungen für 38 Männer bewilligt worden. Aber nicht für Wolfgang Lauinger. Sein Antrag wurde abgelehnt. Ausgerechnet.

Ausgrenzung und Verfolgung von Homosexuellen

Der Frankfurter Lauinger, der heute 99 Jahre alt ist, zählt trotz seines fortgeschrittenen Alters zu den wichtigsten Kämpfern für die Rehabilitierung. Jüngst nahm er an der Eröffnung einer Ausstellung über die Ausgrenzung und Verfolgung von Homosexuellen im Wiesbadener Landtag teil. Der schwule Mann war 1950 ins Gefängnis geworfen worden, nach einer Denunziation. Monatelang saß er hinter Gittern. Im Februar 1951 wurde Lauinger freigelassen. Der Belastungszeuge hatte die Aussage verweigert, die Anklage kam nicht zustande.

Genau das ist der Grund, weshalb der Antrag des betagten Frankfurters abgewiesen wurde: dass er nicht verurteilt wurde. „Man hat das Gesetz zu einer Farce gemacht“, sagte er dem Internetportal Buzzfeed. „Wo liegt denn für einen normalen Menschen der Unterschied, wenn du fünf Monate im Gefängnis sitzt, ob du freigelassen wirst oder freigesprochen wirst?“

Wenn er nur zu 14 Tagen Gefängnis oder einer Geldstrafe verurteilt worden wäre, hätte er schließlich Entschädigung zugesprochen bekommen.

Minister Maas kann die Enttäuschung nachvollziehen. „Ich habe großen Respekt für die Lebensleistung von Wolfgang Lauinger“, sagte Maas der Frankfurter Rundschau. Es sei „auch das Verdienst von Menschen wie ihm“, dass endlich die Männer rehabilitiert würden, die aufgrund von Paragraf 175 verurteilt worden seien. „Umso trauriger bin ich, dass Herr Lauinger aufgrund des Rehabilitierungsgesetzes keine Entschädigung erhalten kann, weil er nach langer Untersuchungshaft freigesprochen und nicht verurteilt wurde.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum