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Panzer „Survivor R“ Sächsische Stickmuster beim SEK

Sachsens Polizei muss erklären, warum die Innenausstattung ihres neuen Panzerwagens trotz der verwendeten Frakturschrift weder gesetzeswidrig noch rechtsradikal ist - im ersten Anlauf gelingt ihr das nicht.

Beschriftung im Panzerwagen «Survivor R»
Blick auf die Beschriftung auf dem Sitz im neuen Panzerwagen „Survivor R“ der sächsischen Polizei. Foto: dpa

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten – auch über den der sächsischen Polizei. Aktueller Anlass ist die Innenausstattung eines neuen Panzerfahrzeugs zur Terrorabwehr, das die ostdeutschen Ordnungshüter jetzt vom Hersteller Rheinmetall geliefert bekommen und der Öffentlichkeit präsentiert haben. Ein Jahr lang hatte man es für 1,5 Millionen Euro gemeinsam entwickeln lassen.

Als jedoch die Leipziger Volkszeitung Bilder aus dem Gefährt veröffentlichte, wunderte sich der Chef des ortsansässigen Stadtmagazins Kreuzer, Andreas Raabe: Unter dem martialischen Modellnamen „Survivor“ (Überlebender) auf der Kopfstütze ist in die Sitze der Schriftzug „Spezialeinsatzkommando Sachsen“ gestickt – in Frakturschrift, wobei dazwischen ein Logo aus sächsischem Wappen mit Lorbeerkranz und Adlerflügeln prangt. „Hübsches Logo! Fast wie früher ... fehlen nur Adler und Kreuz“, spottete Raabe am Samstag auf Twitter. „Wer hat entschieden, dass so ein Logo da rein kommt?“

Damit waren die entscheidenden Streitfragen gestellt – und verbreiteten sich so rasant, dass auch die Verantwortlichen sich ihrer annehmen mussten.

Zwei Rechtfertigungen

Bereits am Sonntag wies Sachsens Innenministerium die Kritik zurück, der Schriftzug zeige eine fragwürdige politische Haltung: Der Panzer sei mit „dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert“ worden, twitterte das Ministerium. „Auch wenn die vom Hersteller gewählte Schriftart nicht dem Markenhandbuch entspricht: Darin ein Indiz für rechte Attitüde zu sehen, weisen wir entschieden zurück.“

Obwohl die Verantwortung damit bei Rheinmetall lag, schwieg der Konzern – die Kritiker nicht. So kam dem langjährigen Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) die Begründung so seltsam vor, dass er öffentlich forderte, die Bestelldokumente offenzulegen. Die Grünen im Landtag stellen eine kleine Anfrage an die Landesregierung, um zu erfahren, wer die Bestickung veranlasst hat.

Am Montag änderten die Verantwortlichen dann ihre Darstellung: Tatsächlich habe das zuständige Landeskriminalamt die Bestickung so in Auftrag gegeben, sagte ein LKA-Sprecher. Das gezeigte SEK-Logo gebe es jedoch bereits seit 1991 – jedenfalls intern, erklärte er: „Das ist eine Eigenkreation und nichts aus der Vergangenheit.“ Die Krone über dem sächsischen Wappen stehe für den internen Funkruf-Namen des SEK, die beiden Löwen innerhalb des Lorbeerkranzes gehörten zur Stadt Leipzig, wo das Kommando beheimatet sei.

Und die Frakturschrift? Die haben die Nazis seinerzeit ja wohl verbieten lassen, „weil sie ihnen zu jüdisch war“, sagte der Sprecher. In der heutigen rechten Szene ist die gebrochene Schrift aber trotzdem weiterhin äußerst beliebt. Der LKA-Sprecher betont jedenfalls: Die Stickereien seien „weder gesetzeswidrig noch hat das Logo etwas mit Rechtsradikalismus zu tun“.

Immerhin: Angesichts der Kritik werde man „die Sache noch einmal neu bewerten“. Wenn die Sache Chefsache wird, liegt sie also bald auf dem Schreibtisch des neuen Landesinnenministers Roland Wöller. Der CDU-Mann hatte vor einem guten Jahr noch geklagt: „Mir tut es in der Seele weh, dass der Ruf Sachsen so ramponiert ist.“

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