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Pakistan Vorwürfe der Wahlfälschung in Pakistan

Der Wahltag in Pakistan wird von einem schweren Anschlag, Unruhen und Vorwürfen der Wahlfälschung überschattet.

Wahlen in Pakistan
Imran Khan könnte nächster Ministerpräsident Pakistans werden. Foto: dpa

Bei den halben Dutzend Männern vor einem Klassenzimmer in der Schule „Model College for Boys“ in Islamabads Industriezone schwillt der Zorn. „Wir können nicht wählen“, schimpfen sie zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn von Pakistans Parlamentswahlen.

„Der Polizist, der hier öffnen soll, ist bisher nicht gekommen“, entschuldigt sich der Wahlbeamte in aller Seelenruhe, „der wird eben später kommen.“ Die Stimmen der verhinderten Wähler werden lauter. Ein Soldat, sein Gewehr unter dem Arm, beschwichtigt die empörten Menschen.

Rund 350.000 Polizisten bot die Regierung des Landes im Schutz der Wahlen auf. Weitere 350.000 Soldaten wurden in den Wahllokalen verteilt. Doch das Sicherheitspersonal konnte am Wahltag, an dem 105 Millionen Pakistaner an die Urnen gerufen wurden, nicht überall für Ordnung sorgen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der PTI unter Führung des Wahlfavoriten Imran Khan und Sympathisanten der bisherigen Regierungspartei PMLN des wegen Korruption im Gefängnis sitzenden Ex-Premiers Nawaz Sharif gab es am Wahltag zwei Tote.

Weitaus blutiger ging es in de Provinz Baluchistan zu. Ein Selbstmordattentäter zerriss mit seiner Sprengladung am Mittwochmorgen am Rand der Stadt Quetta ein Polizeifahrzeug. Mindestens 31 Menschen – darunter fünf Polizisten – starben, 50 wurden teilweise mit lebensgefährlichen Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Ein lokaler Ableger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) übernahm die Verantwortung. Die Organisation reklamierte in der vergangenen Woche zudem ein Attentat in der Stadt Mustang, die ebenfalls in Baluchistan liegt. Inzwischen starben 175 Menschen an den Folgen des Anschlags. Am Vorabend der Wahl wurden in Baluchistan zudem drei Soldaten und ein Mitglied der Wahlkommission getötet.

Aktivisten zweifeln Wahl an

Damit kamen 2018 mehr Menschen ums Leben als bei der Wahl im Jahr 2013. Damals herrschten kriegsähnliche Zustände bei Auseinandersetzungen in der Wirtschaftsmetropole Karachi. Pakistanische Beobachter sprechen trotz des weitgehend friedlicheren Verlaufs des diesjährigen Wahlkampfs von der „schmutzigsten Wahl“ in der Geschichte des Landes. Der Grund: Hinter den Kulissen wurden weder an Geld noch Einschüchterung gespart, um einen Wahlerfolg der PMLN unter Sharif zu verhindern. Pakistans Menschenrechtsorganisation HRCP meldete Zweifel an der Legitimität des Urnengangs an.

Lokale Reporter berichteten von vielen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern verschiedener Parteien. Am Morgen herrschte eher geringe Wahlbeteiligung. Viele Wähler wollten aus Sorge vor Anschlägen erst einmal abwarten. Gegen Abend wurde dann von reger Wahlbeteiligung gesprochen. 

Parteien wollen Ergebnis nicht akzeptieren

Noch während der laufenden Stimmenauszählung erhoben mehrere Parteien den Vorwurf der Wahlfälschung. Die PMLN werde das Resultat der Wahl nicht anerkennen, sagte deren Spitzenkandidat Shahbaz Sharif bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Die Kandidaten der PMLN hätten keine authentischen Kopien der Wahlresultate bekommen.

Auch die Pakistanische Volkspartei (PPP) erklärte, ihr werde in der Provinz Sindh, wo die Partei ihre Basis hat, der Sieg verweigert. PPP-Senator Raza Rabbani sagte, die Wahlbeobachter ihrer Kandidaten seien aus den Wahllokalen gedrängt worden und hätten keine offiziellen Resultate bekommen. Auch die PPP will das Ergebnis nicht akzeptieren.

Lokale Medien hatten noch während der Stimmenauszählung einen Wahlsieg der PTI der Kricketlegende Imran Khan verkündet. Die Wahlkommission gab zunächst keine Ergebnisse bekannt. (mit dpa)

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