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Pakistan Tödlicher Anschlag an Lebensmittelstation

Erstmals zündet in Pakistan eine Frau Handgranaten und sprengt sich in die Luft. Sie reißt mindestens 40 Menschen mit in den Tod. Der Anschlag galt einer Hilfs-Institution der Vereinten Nationen.

Helfer versorgen die Verletzten im pakistanischen Khar. Foto: dpa

Pakistans erste Selbstmordattentäterin hat am Samstag in der Stadt Khar mindestens 40 Menschen mit in den Tod gerissen – und verletzte weitere 100 Pakistaner, die an einem Sammelpunkt des UN-Welternährungsprogramms (WFP) auf ihre Nahrungsmittelration warteten.

Laut der lokalen Tageszeitung The Nation hatte die etwa 22-jährige, in eine Burka gekleidete Frau an einem Kontrollpunkt zwei Handgranaten gezündet, war zu der wartenden Menschenmenge gelaufen und hatte sich selbst in die Luft gesprengt. Zunächst hatte es auch Berichte gegeben, dass es sich bei dem Attentäter möglicherweise um einen mit Ganzkörperschleier verkleideten Mann gehandelt habe.

Ein Vertreter der pakistanischen Tehrik-e-Taliban übernahm die Verantwortung für den brutalen Anschlag. „Alle Anti-Taliban-Kräfte, egal ob Lashkars, Armee und Sicherheitskräfte, sind für uns Ziele“, erklärte er. „Wir werden zuschlagen, wann immer wir eine Gelegenheit haben.“

WFP verteilt an mehreren Verteilungsstellen Nahrungsmittel an Menschen, die wegen des Konflikts ihre Dörfer verlassen mussten oder ihre Äcker nicht bewirtschaften können. Nach dem Anschlag vom Samstag wurden alle anderen Verteilungsstellen bis auf weiteres geschlossen.

Khar ist die größte Stadt der Bajaur-Agency nahe der Grenze zu Afghanistan und wird überwiegend von Angehörigen des Paschtunen-Stamms der Salarzai besiedelt. Sie bildeten eine „Lashkar“ genannte Miliz, nachdem Islamabads Streitkräfte dort im vergangenen Jahr bei einer groß angelegten Offensive gegen die Taliban vorgegangen war. Die Armee behauptete anschließend, das Gebiet sei von den Rebellen gesäubert. Dennoch verstecken sich weiter Guerilla-Gruppen in der bergigen Region.

Experte: „Keine Überraschung“

Das Gebiet gilt als zudem als Ausgangsbasis für Attacken im benachbarten Afghanistan. Deshalb intensivierten die USA ihre Drohnenangriffe in der Grenzregion. Laut einem Bericht der US-Zeitung New York Times gibt es zudem Überlegungen, US-Spezialeinheiten in das Gebiet zu entsenden. NATO-Vertreter in Kabul bestreiten solche Pläne.

„Die Attacke durch eine Frau stellt keine Überraschung dar“, erklärte in der Stadt Lahore der Politikwissenschaftler Hasan Askari Rizvi. „Sie können Frauen, Kinder oder wen auch immer benutzen. Menschenleben spielen keine Rolle. Das einzige Ziel ist die Schwächung des Staatsapparats.“ Nach Angaben des Experten war es der erste Selbstmordanschlag durch eine Frau. Bei zwei anderen, ähnlichen Attentaten hatten Männer sich unter der Burka versteckt.

Pakistan erlebte während der vergangenen drei Jahre etwa 200 Selbstmordanschläge. Rund 4000 Menschen fielen der Gewalt zum Opfer. Erst am Montag der vergangenen Woche verhinderten Sicherheitskräfte nach Informationen der FR in letzter Minute einen Anschlag auf das Parlamentsgebäude oder den Amtssitz von Präsident Asif Ali Zardari in Islamabad. Zwei Männer hatten in einem Luxusjeep unbemerkt alle Kontrollpunkte überwunden und war erst am letzten Checkpoint aufgefallen. Sie wurden verhaftet, bevor die Attentäter ihre Selbstmordwesten zünden konnten.

Der Bombenanschlag von Khar ereignete sich einen Tag, nachdem Taliban-Gruppen in einem koordinierten Angriff fünf Posten der pakistanischen Sicherheitskräfte in der benachbarten Mohmand-Region attackiert hatten. Laut offiziellen Angaben sollen dabei 24 Rebellen und elf Soldaten ums Leben gekommen sein. Nach Berichten der pakistanischen Streitkräfte tötete das Militär bei Hubschraubervergeltungsangriffen weitere 40 Taliban.

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