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Pakistan Khan pflegt alte Feindschaften

Der frisch gewählte pakistanische Premier Imran Khan setzt einen Topökonomen aus den Reihen der Ahmadi-Sekte ab – auf Druck von Islamisten.

Pakistans Regierungschef Imran Kahn
Marionette von Islamisten? Regierungschef Imran Kahn. Foto: AKHTAR SOOMRO (X02626)

Imran Khan ist nach seinem Wahlsieg im Juli noch keinen kompletten Monat im Amt. Doch am Wochenende bewies der frühere Kricket-Superstar, dass hinter seinem Versprechen von „Naya Pakistan“ (Neues Pakistan) die alten Zustände herrschen. Ausgerechnet die Zusammensetzung des Wirtschaftsberatergremiums EAS, in dem Khan Experten des Landes mit internationaler Erfahrung versammeln wollte, zeigte, wie wenig neu die Akzente sind, die er setzt. Khan machte nämlich die Nominierung von Atif Mian, einem Absolventen des renommierten Massachusetts Institut of Technology (MIT). rückgängig. Prompt nahmen drei andere Fachleute des EAS den Hut.

Der Rücktritt der Wirtschaftsweisen Pakistans ist schmerzlich. Denn Imran Khan hatte die Verbesserung der Wirtschaftslage des Landes zu seiner Priorität erklärt. Doch offenbar gilt auch für den neuen Premierminister, dass Religion wichtiger ist als Sachkunde. Denn Khan schasste seinen Wirtschaftsberater, weil Atif Mian zur Ahmadi-Sekte gehört, die in Pakistan nicht anerkannt wird und deren Anhänger von dogmatischen Sunniten als Irrgläubige verfolgt werden. Der Premier buckelte damit just vor der radikalislamischen Gruppe, die schon den Fall seines inzwischen wegen Korruption inhaftierten Vorgängers Nawaz Sharif eingeleitet hatte: die Tehrik-e-Labaik Ya Rasool-Allah Pakistan (TLYP). Die TLYP hatte mit Duldung der mächtigen Sicherheitskräfte wochenlang eine wichtige Straßenkreuzung nahe der Hauptstadt Islamabad besetzt. Damit wollten sie die Beachtung eines Gesetzes erzwingen, nach dem nur Muslime aus solchen Gruppen im Staatsdienst aktiv sein dürfen, die von der pakistanischen Ulema, dem obersten islamischen Rat, anerkannt sind.

Imran Khans Kniefall vor den Dogmatikern ist nicht das erste Indiz, in dem Kritiker einen bedenklich hohen Einfluss des Islam auf seinen politischen Kurs erkannten. Zu seiner Vereidigung als neuer Premier erschien seine Ehefrau Bushra fast vollständig verschleiert in einem Nikab, nur ihre Augen waren zu sehen - eine Premiere in der Geschichte Pakistans. Kritiker sahen darin einen schweren Rückschritt.

Wie wenig bislang vom „Neuen Pakistan“ zu spüren ist und welch starken Einfluss die bewaffneten Kräfte in der Politik haben, zeigte sich auch beim Besuch von US-Außenminister Michael Pompeo. Dessen Gespräch mit Regierungschef Khan fand in Gegenwart von Armeechef General Kamar Dschaved Bajwa und dem Chef des mächtigen Geheimdienstes ISI statt. „Das ist ein Zeichen für die enge Zusammenarbeit von Streitkräften und ziviler Regierung“, erläuterte ein Sprecher anschließend die Gründe für die Vierer-Runde. Nicht nur das – Pompeo traf die Generäle nach einem Fototermin mit Khan auch noch zu einem vertraulichen Gespräch.

Spannungen mit den USA

Es gab in der Tat reichlich Diskussionsbedarf. Die USA hatten kurz vor Pompeos Besuch endgültig die Zahlung von 300 Millionen US-Dollar gestrichen, die Washington Islamabads Generälen für die „Nutzung“ pakistanischer Infrastruktur beim Nachschub für Afghanistan und bei der Anti-Terror-Jagd zur Verfügung stellen.

Washington ist trotz härterer Gangart weiter auf Pakistans Kooperation angewiesen. Ein Frieden mit radikalislamischen Talibanmilizen, die sich am Hindukusch wieder einmal in der Offensive befinden, führt über Islamabads Generäle und den Geheimdienst ISI. Pakistans Militär wiederum setzt hinter den Kulissen gerne auf die Drohnen der USA. Das Land, dem Washington eine zu lasche Haltung im Kampf gegen Terror vorhält, besitzt eine eigene lange Liste von sogenannten „schlechten Taliban“ – islamischen Extremisten, die gegen Islamabad kämpfen, sich in den Bergen Afghanistans verstecken und nur per Drohneneinsatz bekämpft werden können.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pakistan

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